DAS KERAMION IN FRECHEN

KERAMIK MIT BART UND KERAMIK MODERN

Seit 2002 unter Denkmalschutz: Das Keramion <br />
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<small>(Foto: Werner Stapelfeldt)</small>
Seit 2002 unter Denkmalschutz: Das Keramion

(Foto: Werner Stapelfeldt)
Kennen Sie den Ausdruck "Schmeißküche"? So nannte man früher Jahrmarktstände, an denen das Publikum Figuren aus billigem Porzellan nach Herzenslust "zerschmeißen" durfte. Keramik-Liebhaber, die sich bei dieser Vorstellung mit Grausen abwenden, sollten ihre Schritte nach Frechen lenken, denn hier gibt es ein Museum, in dem garantiert kein Porzellan zerschlagen wird: Das "Keramion" erzählt vielmehr anschaulich aus der Geschichte der Töpferei, präsentiert moderne keramische Kunst und kümmert sich mit vielen spannenden Aktionen um Wissensspaß, auch für Kinder. Architektonisch gehört es zu den spektakulärsten Ausstellungsgebäuden Deutschlands.

Ist da etwa ein UFO gelandet? So fragt man sich unwillkürlich, wenn man das Keramion zum ersten Mal sieht. Und warum steht diese fliegende Untertasse ausgerechnet in Frechen, der Mittelstadt direkt westlich von Köln? Nun, das vermeintliche UFO soll in Wirklichkeit eine überdimensionale Töpferscheibe darstellen. Entworfen wurde sie 1970 von dem Kölner Architekten Peter Neufert für einen zunächst privaten Ausstellungsbau, der schon durch seine äußere Gestalt an die große Tradition erinnert, die Töpferei und Keramik in Frechen haben. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert wurden hier die sogenannten "Bartmannkrüge" hergestellt. Diese mit bärtigen Männerköpfen verzierten Stein- zeuggefäße waren damals echte Verkaufsschlager, die sogar nach Übersee gelangten.

Steinzeug wird Hightech

Die Ausstellungen im Haupthaus ...<br />
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<small>(Foto: Werner Stapelfeldt)</small>
Die Ausstellungen im Haupthaus ...

(Foto: Werner Stapelfeldt)
Den historischen Gefäßen hat man in Frechen zwei ungewöhnliche Denkmäler gesetzt: Das eine ist der "größte Bartmannkrug der Welt", fast zweieinhalb Meter hoch, das andere ein aus gestapelten, bronzenen Krügen geformter Brunnen. Sogar der Löwe im Frechener Stadtwappen hält einen Bartmannkrug zwischen seinen Pranken. Das Symbol ist immer noch aktuell, denn für die Wirtschaft in der Stadt besitzt die Keramik nach wie vor einen hohen Stellenwert. Heute ist es allerdings nicht mehr die Produktion von Gebrauchskeramik, bei der Frechener Firmen führend sind, sondern vor allem die Herstellung keramischer Baustoffe und Abwasserrohre aus widerstandsfähigem Hightech-Steinzeug.

... präsentieren historische, moderne und zeitgenössische Keramik.<br />
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<small>(Foto: Werner Stapelfeldt)</small>
... präsentieren historische, moderne und zeitgenössische Keramik.


(Foto: Werner Stapelfeldt)
Den Bau des Keramions hat vor 40 Jahren der Gründer der Firma "Cremer & Breuer" (heute "Deutsche Steinzeug AG") in Auftrag gegeben. Dem Unternehmer Gottfried Cremer bot das Museum die Möglichkeit, seine private Sammlung von mehr als 5.000 Künstlerkeramiken aus Deutschland und Europa zu zeigen. Bei den Arbeiten handelt es sich nicht um Serienanfertigungen, sondern durchweg um Einzelstücke, die nur in Frechen zu sehen sind. Mit der Präsentation stieß das Keramion schnell auf ein erfreuliches Besucherinteresse. Auch zahlreiche Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen fanden großen Zuspruch. 2002 gab es überdies noch einmal einen ganz neuen Ansatz: Durch die Fusion mit dem zuvor parallel betriebenen Keramikmuseum der Stadt Frechen entstand die "Stiftung Keramion", die sich seitdem der modernen ebenso wie der historischen Keramik widmet.

Pavillion zum Mitmachen

Seit Anfang 2012 bietet der neue museumspädagogische Pavillion Raum für Workshops.
Seit Anfang 2012 bietet der neue museumspädagogische Pavillion Raum für Workshops.
Eine große Rolle in der Museumsarbeit spielen Mitmachkurse und Ferienprogramme für Kinder. Beim Modellieren mit Ton soll ihnen das Töpferhandwerk buchstäblich "zum Greifen" nahegebracht werden. Bislang musste der Nachwuchs allerdings meist inmitten von Besuchern herumwerkeln – es mangelte zum Bedauern von Museumsleiterin Gudrun Schmidt-Esters an gesonderten Räumen. Doch seit Mai 2012 kann sie sich über einen mit Unterstützung der NRW-Stiftung errichteten Pavillon freuen, durch den die Museumspädagogik des Keramions nun endlich ihren festen Platz hat. Mit seiner Rundumverglasung schließt der Pavillon stilistisch an das Hauptgebäude an. Er hält sich aber trotzdem bescheiden im Hintergrund, sprich: Der Blick auf das eigentliche Keramion bleibt unbeeinträchtigt. Auf rund 120 – natürlich mit Steinzeug-Fliesen belegten – Quadratmetern bietet der Neubau nicht nur Raum für Workshops, sondern auch für ein Büro und eine Leseecke inklusive Internetzugang. Die "heißeste Neuerung" ist jedoch zweifellos ein museumseigener Brennofen. Was Kinder- und Erwachsenenhände bei den Museumskursen aus Ton gestalten, muss jetzt nicht mehr wie früher in auswärtigen Werkstätten gebrannt werden – es kann direkt vor Ort durchs Feuer gehen!

Ein Bartmannkrug aus Frechen, gefertigt um 1550/60.<br />
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<small>(Foto: U. Philippi)</small>
Ein Bartmannkrug aus Frechen, gefertigt um 1550/60.

(Foto: U. Philippi)
Die Frechener Bartmannkrüge zählen zu den Hauptprodukten des sogenannten Rheinischen Steinzeug, zu dem unter anderem auch die Siegburger Keramik gehört. Steinzeug verdrängte seit dem 14. Jahrhundert immer mehr die poröse und weniger wasserdichte Irdenware. Hingegen wird das begehrte weiße Gold, das Porzellan, in Europa erst seit dem 18. Jahrhundert gebrannt. Das Frechener Keramion hat sich mit vier anderen Museen zum Verbund "Rheinische Keramik" zusammengeschlossen. Das Projekt dokumentiert die Geschichte des Steinzeugs vom 14. bis zum 19. Jahrhundert, stellt aber auch Irdenware und moderne Keramikkunst vor. Mehr Informationen unter: www.rheinische-keramik.de

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2/2012


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt ermäßigt.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützte die Stiftung Keramion e. V. bei der Sanierung des Museumsgebäudes und setzte sich erfolgreich dafür ein, das Bauwerk unter Denkmalschutz zu stellen. Mit einer erneuten Förderung konnte das Angebot nun um einen museumspädagogischen Pavillon erweitert werden.

Googlemap aufrufenKERAMION - Zentrum für moderne und historische Keramik
Bonnstraße 12
50226 Frechen
Telefon: 0 22 34 / 69 76 90
www.keramion.de

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