SISTIG-KREKELER HEIDE BEI KREKEL

EIN ELDORADO FÜR FLORA UND FAUNA

Geobotanikerinnen bei der Inventur
Geobotanikerinnen bei der Inventur
Klappertopf, Kreuzblümchen, und Kuckucks-Lichtnelken wetteifern um Bienen und Schmetterlinge. Heuschrecken zirpen und Insektenflügel schwirren. Die Sistig-Krekeler Heide im Kreis Euskirchen ist ein Paradies für seltene Pflanzen und Tiere. Mit Fernglas und Lupe ausgerüstet erkunden Besucher auf ausgewiesenen Wanderwegen das Naturschutzgebiet.

Entomologe Matthias Schindler bei der Bestandsaufnahme
Entomologe Matthias Schindler bei der Bestandsaufnahme
In den mageren Wiesen wachsen über 2.500 Exemplare der Grünen Hohlzunge. Das entspricht etwa 80% des Gesamtbestandes dieser unscheinbaren Orchidee in Nordrhein-Westfalen. Auffälliger sind die Tausende Exemplare des Gefleckten Knabenkrauts und viele andere gefährdete Pflanzen. Neben den bunten Wiesen gibt es ebenso artenreiche Borstgrasrasen mit Arnika, dazu kleine Flachmoore, über denen die Watteflöckchen des Schmalblättrigen Wollgrases schaukeln und im Spätsommer der Lungenenzian seine blauen Trichterblüten öffnet.

Lockt mit Düften Nachtfalter an: die Grünliche Waldhyazinthe
Lockt mit Düften Nachtfalter an: die Grünliche Waldhyazinthe
Vor einigen Jahren wäre es fast um diesen Garten Eden geschehen gewesen, weil die Landwirte die ertragarmen Flächen nicht mehr bewirtschaftet oder mit Fichten bepflanzt hatten. Doch die Rettung erfolgte rechtzeitig. Mit der Unterstützung des Amtes für Agrarordnung Euskirchen erwarb die NRW-Stiftung einen Teil der Gebiete und beseitigte die Nadelbäume. Nun werden die Flächen wieder naturverträglich bewirtschaftet. Die für das Grünland zuständigen Bauern mähen die Wiesen erst im Juli, wenn die Samen der Frühblüher ausgereift sind und die Spätsommerblumen noch nicht blühen. Und sie verzichten auf die Düngung, um den Lebensraum bedrohter Tiere und Pflanzen zu schützen.

Lila Blütenpracht: Der Wald-Storchschnabel
Lila Blütenpracht: Der Wald-Storchschnabel
Eine Gelegenheit für eine "Momentaufnahme" der Tier- und Pflanzenwelt in der Heide bietet der "GEO-Tag der Artenvielfalt". Im Rahmen der Aktion, die von der Zeitschrift GEO initiiert wird, haben Wissenschaftler der Universität Bonn die Sistig-Krekeler Heide unter die Lupe genommen und zusammengetragen, welche Lebewesen hier zuhause sind. Darüber hinaus führen Biologen regelmäßige "Volkszählungen" für Pflanzen durch. Um ein bestimmtes Areal für die Inventur einzugrenzen, legen die Fachleute Zählrahmen in die Wiese. "Genau 30 verschiedene Blütenpflanzen haben wir auf einem Quadratmeter gezählt. Diese große Vielfalt hängt damit zusammen, dass hier nicht gedüngt wird", erklären die Geobotanikerinnen Ilka Meine und Esther Kraft. "Denn zusätzliche Nährstoffe steigern zwar den Ertrag an Biomasse, verringern aber die Vielfalt an Kräutern und Gräsern, bis nur noch ein oder zwei Gras-Arten dominieren", begründen die Biologinnen die Pflanzenarmut anderer Wiesen.

Prächtige Blüten: Geflecktes Knabenkraut
Prächtige Blüten: Geflecktes Knabenkraut
Auch Insektenkundler machen in der Sistig-Krekeler Heide Inventur für den Naturschutz. Bei seinem Streifzug hat Matthias Schindler auf einer Flockenblume einen kleinen pelzig-schwarzen Bewohner entdeckt. Eine Bewegung mit dem Kescher, und die seltene Distelhummel ist im Netz. Nachdem der Biologe den Brummer registriert hat, ist die Tierliste der Heide offiziell um eine Insektenart reicher, und die Hummel schon wieder auf dem Weg zur nächsten Blüte.

Genauere Informationen über das Gebiet und die Arbeit der NRW-Stiftung stehen Ihnen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, erstellt vom Institut für
Kartographie und Geoinformation der Universität Bonn, zur Verfügung.


Kommentare

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06.07.2016, V. von Grabe

Im regionalen Fernsehprogramm sah ich den Hinweis auf dieses Naturschutzgebiet und heute, am 06.07.2016, sah ich es im Original. Ich bin begeistert und werde es bestimmt - nicht nur - zur Orchideenzeit noch einmal besuchen.

Bild: Teufelsabbiss mit Gast

28.06.2016, Johanna Marklein Bonn

Am 04.06. waren wir auf der Sistig-Krekeler Heide und wurden von einem Blütenmeer empfangen, aus dem das gefleckte Knabenkraut in großer Zahl herrüberwinkte.

Dieses Naturerlebnis machte uns froh --- und dankbar.
10.09.2012, Dirk Frangenberg

Landschaftlich sehr schön gelegene Hochheide mit vielfältiger Fauna & Flora. Vom Frühjahr mit der Orchideenblüte bis zum Herbst immer einen Besuch wert.

Bild: Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe)



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Im Auftrag der NRW-Stiftung hat das Institut für Kartographie und Geoinformation der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit der Abteilung Geobotanik und Naturschutz zu diesem und weiteren Projekten der NRW-Stiftung ausführliche wissenschaftliche Informationen erstellt. Diese stellen die Flora und Fauna sowie die Vegetation des Naturschutzgebietes dar und setzen sich mit seiner Entwicklung, Pflege und Nutzung auseinander. [mehr]
Die NRW-Stiftung hat in der Sistig-Krekeler Heide in der Gemeinde Kall 50 Hektar Land erworben. Weil Bauern das Gebiet naturverträglich ohne Düngemittel bewirtschaften, hat sich hier in den vergangenen Jahren wieder eine große Artenvielfalt entwickelt.

Googlemap aufrufenStartpunkt: An der B 258 zwischen Krekel, Sistig und Benenberg in der Gemeinde Kall

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