KELLERBERG BEI OBERDOLLENDORF

SONNENBANK FÜR REPTILIEN UND FALTER

 
 
Manche mögen’s heiß. Und trocken. Für Mauereidechse und Segelfalter sind sonnige Weinberghänge ein beliebter Tummelplatz. Nur an wenigen Hängen rentiert sich heute noch die Pflanzung von Rebstöcken, und so sind viele ehemalige Weinberge brachgefallen. Auch der Westhang des Kellerbergs bei Königswinter-Oberdollendorf. Dort, wo der Mensch die Natur wieder sich selbst überlassen hat, lockt das milde Klima wärmeliebende Tiere und Pflanzen an: Zippammer und Gold-Aster etwa oder den Bienen-Ragwurz, eine in unseren Breiten sehr seltene Orchideenart.

 
 
"Zugewachsene Brachen haben wir im Naturschutzgebiet Siebengebirge schon reichlich, offene Flächen werden jedoch immer seltener", erläutert Gerhard Bottenberg. Zusammen mit anderen Vereinsmitgliedern der Bürgerinitaitive Naturschutz Siebengebirge e.V. machte er sich schon 1998 daran, den Buschwald auf dem Kellerberg zu lichten. Nachdem die Winzer die Hanglage in den 1960er Jahren aufgegeben hatten, überwucherte ein Gestrüpp aus Schlehen, Hundsrosen, Waldreben und Brombeer-Büschen die ehemaligen Weinbergsterrassen. Den Sträuchern folgten bald Wildkirschen, Trauben-Eichen und Eschen. Für Eidechsen, Schmetterlinge und andere sonnenhungrige Tiere war da kein Platz mehr.

 
 
Das hat sich geändert, seit die Bürgerinitiative den Kellerhang in Pflege genommen hat: "Das Landschaftsbild, das wir hier erhalten möchten, hat durchaus Ähnlichkeit mit einer Savanne", findet Bottenberg: Sträuche und Bäume wurden gerodet, Astwerk und Ranken verbrannt und als Gartendünger wiederverwendet. Nur einzelne Baum- und Strauchgruppen blieben nach der Entbuschung stehen. Dazwischen haben sich nun wieder offene Grasfluren mit Margeriten, Wilden Möhren, Echtem Johanniskraut und anderen Kräutern entwickelt. Mit ihnen ist auch die Schlingnatter auf die Weinbergsbrache am Kellerberg zurückgekehrt. Sie hat unter den alten Trockenmauern Unterschlupf gefunden. Ein Schäfer sorgt mit seiner Herde dafür, dass die einmal "entbuschte" Fläche auch weiterhin offen bleibt: Die Landschafe und Burenziegen knabbern die nachwachsenden Triebe der Gehölze ab.

 
 
Weinbergsterrassen und Wingerte bestimmen seit langer Zeit das Landschaftbild des Mittelrheintals. Weinbau bei Königswinter-Oberdollendorf ist bereits im Jahr 966 urkundlich erwähnt. Damals übertrug Kaiser Otto I. die Rebfluren dem Aachener Marienstift. Das Bonner St. Cassiusstift erwarb bereits rund 100 Jahre zuvor, gegen Ende des 9. Jahrhunderts, einen Weingarten in "Winteren" – dem heutigen Königswinter. Heute, wo sich die Traubenzucht nicht mehr überall lohnt, bringen Weinberghänge wie der Kellerberg mit seinen Trockenmauern, Felsen, Grasfluren und einzelnen Gebüschen erneut Artenreichtum und auch ein wenig südländisches Flair ins Siebengebirge.


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Die NRW-Stiftung hat auf dem Kellerberg in Königswinter-Oberdollendorf eine rund 3,7 Hektar große Weinbergsbrache für Zwecke des Naturschutzes erworben. Die Bürgerinitiative Naturschutzgebiet Siebengebirge sorgt dafür, dass diese Fläche als Rückzugsgebiet und Lebensraum wärmeliebender Tiere und Pflanzen erhalten und gepflegt wird.

Googlemap aufrufenBürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge e.V.
Bergstraße 62
53639 Königswinter
Tel.: 02 22 3/43 81
E-Mail: info@naturschutz-siebengebirge.de
Web: www.naturschutz-siebengebirge.de

Der Kellerberg, 53639 Königswinter-Oberdollendorf, ist über die Straße "Kellerberg" zu erreichen. Ein Winzerweg mit Weinbergsmauer führt über die Hangmitte des Berges.

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