AUSSTELLUNG "SCHÖNE NEUE WELT"/KOMMERN

SCHÖNE NEUE WELT AMERIKA

Das Originaltagebuch von Johannes Herbergs
Das Originaltagebuch von Johannes Herbergs
"Am 11. April gingen wir nachmittags um 3 Uhr aufs Schiff mit Gegenwind. Um 7 Uhr begann Vetter Strepers zu klagen, dass ihm übel würde. Ich war aber noch ganz frisch," schrieb Johannes Herbergs 1764 in sein Reisetagebuch. Ziel der langen und beschwerlichen Überfahrt war Nordamerika. Mit anschaulichen Szenen wie dieser hat die Ausstellung "Schöne Neue Welt - Rheinländer erobern Amerika" im Freilichtmuseum in Kommern die Etappen von Herbergs Reise zu neuem Leben erweckt.

Um veruntreute Ländereien seiner Familie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zurückzugewinnen, brach der Rheinländer Johannes Herbergs am 4. März 1764 auf. Seinen Weg hat der Nordamerikareisende in einem Tagebuch von 1764-1766 mit vielen Details geschildert.

Johannes Herbergs erzählt von seiner Reise in die neue Welt
Johannes Herbergs erzählt von seiner Reise in die neue Welt
Daraus ist auf 1500 Quadratmetern eine ungewöhnliche Präsentation zur Geschichte der Auswanderung entstanden. "Wir hatten eigentlich vor, die Ausstellung zum Thema Auswanderung nach Amerika an einer virtuellen Person aufzuhängen und so exemplarisch die Geschichte einer Auswanderung nachzuvollziehen. Da fanden wir diese reale Person, die man mit allen Lebensumständen anhand der detaillierten Beschreibung hervorragend zum Leben erwecken konnte", freut sich Dr. Dieter Pesch, Leiter des Rheinischen Freilichtmuseums.

Restaurator Jörg-Peter Weiss ist der Schöpfer der Figuren
Restaurator Jörg-Peter Weiss ist der Schöpfer der Figuren
Das Besondere ist die Präsentationsform der Ausstellung: In den insgesamt drei Hallen sind authentische Situationen des 17. Jahrhunderts plastisch nicht anhand abstrakter Zahlen dargestellt. Lebensgroße Gestalten erzählen in historischer Kulisse, unterlegt mit Geräuschen, von den Strapazen ihrer Reise und ihren Abenteuern in der neuen Heimat. Da keine Absperrung die Besucher von der Inszenierung trennt, ist die vergangene Zeit sinnlich erfahrbar: So ist die Enge der Kojen des Auswanderschiffs am "eigenen Leibe" spürbar und die Kampfszene um ein begehrtes Stück Land zum Eingreifen nah. Hintergrundinformationen zu den Szenen liefern Zeitdokumente und Bilder in Schaukästen.

Inszenierungen verdeutlichen Gründe für die Auswanderung
Inszenierungen verdeutlichen Gründe für die Auswanderung
Auf den Spuren des Rheinländers Herbergs wandelnd erfahren die Besucher so, warum viele Menschen seit dem 17. Jahrhundert ihre Heimat verließen, die monatelange Reise auf sich nahmen und in der Schönen Neuen Welt ihr Glück suchten. Besonders für Menschen, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt wurden oder große Not litten, war die Hoffnung auf einen Neubeginn stärker, als die Angst vor den Strapazen einer langen Reise ins Unbekannte.

"Den 13. August, morgens um 5 Uhr sah ich das erste Haus. Um 11 Uhr bekamen wir 2 Lotsenmänner, ein Viertel über 10 Uhr abends kamen wir vor Neu York vor Anker." Nach Monaten hatte Herbergs den ersten Teil seines Abenteuers überstanden. Die ganze Geschichte der Amerikaodyssee erfahren Besucher in der Ausstellung "Schöne Neue Welt – Rheinländer erobern Amerika."


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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützt die Ausstellung "Schöne Neue Welt - Rheinländer erobern Amerika" im Freilichtmuseum Kommern, die dort seit April 2002 zu sehen ist. Nachdem bereits rund 250.000 Besucher die Tagebuch-Inszenierung gesehen haben, wird die Ausstellung auf unbestimmte Zeit verlängert.

Googlemap aufrufenLVR-Freilichtmuseum
Auf dem Kahlenbusch
53894 Mechernich-Kommern
Tel.: 0 24 43 / 99 80-0
www.migration.lvr.de

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