RÖMISCHE WASSERLEITUNG BEI URFT

EIN MEISTERWERK ANTIKER BAUKUNST

Mit der Quelleinfassung "Grüner Pütz" beginnt die Wasserleitung.
Mit der Quelleinfassung "Grüner Pütz" beginnt die Wasserleitung.
Die alten Römer liebten das Wasser. Sie versorgten sich bestens mit dem kühlen Nass - etwa für ihre prunkvoll ausgestatteten Badehäuser und Thermen. Aber auch in der Fremde lag ihnen das Wasser am Herzen - zum Beispiel im alten römischen Köln. Auch die Stadt "Colonia" sollte gut versorgt sein. Das Wasser jedoch dem vorbeifließenden Rhein zu entnehmen, war den Römern viel zu simpel. Lieber schon sollte es gutes Eifel-Wasser sein. Und so errichteten römische Baumeister um das Jahr 80 nach Christus eine fast 100 Kilometer lange Leitung - von Nettersheim bis Köln. Was von diesem Meisterwerk antiker Bauwerk heute noch übrig ist, lässt sich bei einer Wanderung über den 110 Kilometer langen "Römerkanal-Wanderweg" erkunden.

Mit dem "Römerkanalwanderweg" auf den Spuren antiker Baukunst.
Mit dem "Römerkanalwanderweg" auf den Spuren antiker Baukunst.
Die Quelle "Grüner Pütz" bildete den Ausgangspunkt für die lange Leitung. Hier bei Nettersheim sammelte sich das Wasser in einem Steinbecken, bevor es in die Röhre nach Köln floss. 20000 Kubikmeter frisches Trinkwasser sollen es täglich gewesen sein, die so in die Provinzhauptstadt transportiert wurden. Fast 190 Jahre lang funktionierte die Leitung, bis sie schließlich bei den Germaneneinfällen um 270 zerstört wurden. Aber noch heute kann man entlang der Trasse vielerorts Teile der großen antiken Ingenieursleistung betrachten - etwa Klärbecken, Aquädukte und Quellfassungen.

Ein Stück der Wasserleitung ist zum Beispiel hinter dem Ort Urft freigelegt, gleich an der Landstraße nach Kall. Hier sieht man, dass die römischen Baumeister die Sohle des Kanals aus Gussbeton gefertigt und darauf ein tonnenähnliches Gewölbe aus Grauwacke-Steinen gesetzt hatten. So entstand ein U-förmiger Tunnel von etwa 50 Zentimetern Weite und 90 Zentimetern Höhe, der innen mit rötlichem Putz wasserdicht ausgekleidet war. Die Leitung verlief überwiegend unterirdisch und war so gegen Frost und Zerstörung geschützt.

Bei Urft wurde ein u-förmiger Tunnel der Leitung freigelegt.
Bei Urft wurde ein u-förmiger Tunnel der Leitung freigelegt.
Die gesamte Strecke von den Quellgebieten im Urfttal bis in die große Stadt Köln floss das Wasser im freien Gefälle über Berg und Tal, durch Wiesen und Wälder. Die römischen Ingenieure mussten dabei eine optimale Streckenführung austüfteln, damit das Wasser stets ausreichenden Schwung behielt. Das alles Entscheidende war daher, dass die Leitung anfangs nicht zu steil nach unten verlief. Sonst hätte sie die Wasserscheide zwischen Rhein und Maas sowie das Vorgebirge nicht überwinden können. Und so begnügten sich die römischen Baumeister auf der Gesamtstrecke mit einem durchschnittlichen Gefälle knapp 40cm auf 100 Meter Kanal-Länge. Anderswo, zum Beispiel in Frankreich, kamen die Römer bisweilen sogar mit noch geringeren Werten aus." Wahrlich eine vermessungstechnische Meisterleistung!


Kommentare

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05.02.2013, Redaktion

Sehr geehrte Frau Pfotenhauer,

vielen Dank für ihren konstruktiv-kritischen Blick. In der Tat, die bisherige Formulierung ist nicht richtig. Das Gesamtgefälle der Strecke beträgt 0,39 Prozent. Das niedrigste Gefälle liegt bei 0,1 Prozent, sprich: 1 Promille.
Jetzt heißt es: \"Und so begnügten sich die römischen Baumeister auf der Gesamtstrecke mit einem durchschnittlichen Gefälle von weniger als einem halben Prozent. An manchen Punkten beträgt es sogar nur ein Promille. Anderswo, zum Beispi [...] mehr
30.01.2013, Angela Pfotenhauer

Sehr geehrte Damen und Herren,

kann es sein, dass in dem Satz

\"Und so beschränkten sich die römischen Baumeister auf ein Gefälle von nur 0,5 Promille, also einem halben Meter pro Kilometer.\"

ein Fehler steckt und Prozent statt Promille gemeint sind?

Denn auf den 95 Kilometern gibt es ja einen Höhenunterschied von etwa 370 Metern. Das wären doch eher vier Meter auf einen Kilometer?!

Viele Grüße
Angela Pfotenhauer


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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung hat landesweit an elf Orten Grundstücke erworben, in denen Bodendenkmäler wie die römische Wasserleitung von Nettersheim nach Köln ruhen. Oft werden so gleich zwei Ziele erreicht: Unter den Wiesen, Weiden und Wäldern, die naturschonend genutzt werden, sind Bodendenkmäler am besten geschützt. Zugleich wird ein Teil der historischen Kulturlandschaft bewahrt, der Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen schafft. Unterstützt wird die NRW-Stiftung bei ihrem Engagement für Bodendenkmäler von den Ämtern für Agrarordnung, den Fachämtern für Bodendenkmalpflege, von Heimatvereinen und Naturschutzverbänden.

Informationen:
Gemeinde Nettersheim
Krausstraße 2
53947 Nettersheim
Tel.: 0 24 86/78 0
Web: www.nettersheim.de

Ausführliche Informationen finden sich in dem zweibändigen Werk "Der Römerkanalwanderweg" von Klaus Grewe, das der Eifelverein Düren herausgegeben hat. ISBN: 3-92-1805-16-3)

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