LEBENDIGE EISZEIT

AUF DER SPUR DES EMSCHERLÖWEN

Förderprojekt "Lebendige Eiszeit"
Förderprojekt "Lebendige Eiszeit"
Genüsslich aalt sich der Löwe am Emscherufer, als ihn der Hunger packt, erhebt er sich und schnüffelt interessiert an der Fährte eines Rentiers. Das ist schon weitergezogen, dorthin, wo in ferner Zukunft Bottrop entstehen wird. Ihre Huf- und Tatzenabdrücke im feuchten Lehm haben sie verraten: So wie die von Wolf, Pferd und Bison trockneten sie, überdauerten Jahrtausende im Sand, bis sie 1995 ausgebuddelt wurden. Wighart von Koenigswald hat diese Spuren gedeutet, Höhlenmalerei und Schnitzerei der Steinzeitmenschen untersucht, eiszeitliche Knochen und Zähne zur Hilfe genommen – und dann seine Ergebnisse in dem prächtig illustrierten Buch "Lebendige Eiszeit – Klima und Tierwelt im Wandel" zusammengetragen.

Rentierschlitten mit Mammutstoßzähnen
Rentierschlitten mit Mammutstoßzähnen
Ein "Brehms Tierleben der Eiszeit" ist dabei herausgekommen – die NRW-Stiftung hat die Veröffentlichung unterstützt. Professor von Koenigswalds Fachgebiet ist die Wirbeltierpaläontologie, die Lehre von Lebewesen vergangener Erdperioden. Der Zeitabschnitt, dem er sich in seinem Buch widmet, war kalt: Skandinavische Gletscher stießen bis an die Ruhr vor. Aber anders als der Name vermuten lässt, gab es auch wärmere Abschnitte in der Eiszeit: In denen ähnelte das Klima dem heutigen. Flusspferde und Wasserbüffel tummelten sich am Rhein, riesige Waldelefanten und Nashörner streiften durch Mitteleuropa.

Mit dem Ende der letzten Kaltzeit war die Zeit der meisten großen Säugetiere abgelaufen. Waren die frühen Menschen als Jäger zu erfolgreich und rotteten ihre Beute aus? Versetzten dramatische Klimaveränderungen den Tieren den Todesstoß? Wighart von Koenigswald sieht den Grund in extremen ökologischen Veränderungen; er stellt ein Modell vor, mit dem der Wandel in der Tierwelt erklärt werden kann. Einige Arten überlebten: Rot- und Damhirsch, Reh und Wildschwein, Elch und Rentier gibt es noch frei lebend, Wisente nur im Zoo und Schutzgebieten. Heckrinder und Konik-Pferde wurden aus alten Haustierrassen nachgezüchtet. Ein Teil des Erbguts ihrer wilden Vorfahren lebt in ihnen weiter. Grasend ziehen einige von ihnen durch große Schutzgebiete in Nordrhein-Westfalen – als wissenschaftliche Mitarbeiter. Sie sollen klären helfen, wie sich die großen Weidetiere auf die Artenvielfalt heutiger Landschaften auswirken. Löwen an der Emscher bleiben aber Fantasie – die Zeiten, als das anders war, werden in Professor von Koenigswalds Buch lebendig.


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Die NRW-Stiftung unterstützte die Veröffentlichung des Buches "Lebendige Eiszeit – Klima und Tierwelt im Wandel" von Wighart von Koenigswald. Das 190 Seiten starke Werk enthält 197 farbige Abbildungen und liefert eine umfassende Bestandsaufnahme der jungeiszeitlichen Säugetierfauna Mitteleuropas. Auch ein neues Modell zur Erklärung des Faunenwandels stellt von Koenigswald vor.
Das Buch wurde herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Biologisch-Ökologische Landeserforschung e. V. und ist im Theiss-Verlag erschienen. Es kostet 39,90 Euro und hat die ISBN-Nummer 3 806 217 343.

Einblicke in die faszinierenden Lebenswelten vergangener Epochen der Erdgeschichte bieten:
Das Geologisch-Paläontologische Museum der Universität Münster
Pferdegasse 3
48143 Münster,
Tel.: 02 51/83 23 94 2
Web: www.uni-muenster.de/Geomuseum

Der Ausstellungsbereich Ur- und Ortsgeschichte des Museum Quadrat
Im Stadtgarten 20
46236 Bottrop
Tel.: 02 41/29 27 16
Web: www.quadrat-bottrop.de

Das Goldfuß-Museum am Institut für Paläontologie der Universität Bonn
Nußallee 8
53115 Bonn
Tel.: 02 28/73 10 5
Web: www.paleontology.uni-bonn.de

Im Auenschutzgebiet "Hellinghauser Mersch" bei Lippstadt, das der NRW-Stiftung gehört, betreut die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e. V. (ABU) eine Herde von Heckrindern und Konik-Pferden, die hier unter naturnahen Bedingungen ganzjährig im Freiland gehalten werden.
www.abu-naturschutz.de

Ein eiszeitliches Wildgehege mit Heckrindern und Wisenten befindet sich in unmittelbarer Nähe des Neanderthal Museums im Neandertal, Talstraße 300 in 40822 Mettmann.

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