HAUS AM QUALL IN GRUITEN-DORF

MÖRTEL UND KUCHEN FÜR EIN FACHWERKJUWEL

 
 
Günther Harth hat’s ausgerechnet: "6.000 Kilo Mörtel und Zement haben wir verbaut, 4.964 Edelstahlschrauben verschraubt und 62 Tonnen Schutt aus dem Haus geholt." Dass die Laienhandwerker 2.500 Stück Kuchen verputzten, während sie in 10.000 Arbeitsstunden den jahrhundertealten Bau in Gruiten-Dorf retteten, steht auch in Harths Statistik. Mathematiklehrer ist er – und Vorsitzender des Fördervereins Haus Am Quall. Wer es betritt, muss unter niedrigen Türen den Kopf einziehen, hört im Winter die Holzscheite im Kamin knacken und sieht, wenn er durch die kleinen Fenster linst, die jüngeren Kollegen des alten Gebäudes.

 
 
In dem ländlichen 800-Einwohner-Dorf knubbeln sich die schwarz-weißen Fachwerk- und Schieferhäuser entlang der schmalen Straßen. Für die meisten wurde im 17. und 18. Jahrhundert der Grundstein gelegt. Das Haus Am Quall ist älter – seine Geschichte reicht wahrscheinlich bis ins 16. Jahrhundert zurück. Neben ihm steht der Fluchtturm: Mit seinen dicken Mauern bot er seit dem 14. oder 15. Jahrhundert Schutz. Beide sind die letzten Zeugen einer alten Bauerschaft – jetzt stehen sie unter Denkmalschutz. Geschützt sind auch 25 andere Häuser, Kirchen und Mauern in Gruiten-Dorf. Die weiß gekalkte evangelische Pfarrkirche von 1720 ist ein eleganter Saalbau, das Heinhauser Schlösschen sticht mit seiner verbretterten Fachwerkfassade heraus. Das kleine Dorf, wo der Mühlbach in die Düssel fließt, liegt aber nicht im Dornröschenschlaf: Fast alle denkmalgeschützten Bauten sind bewohnt oder werden genutzt.

 
 
Marode und heruntergekommen war das Fachwerkhaus Am Quall. Die Stadt Haan wollte vor sieben Jahren nur noch eins – es loswerden. Günther Harth erinnert sich: "Wir haben damals nicht etwa unsere Begeisterung fürs Renovieren entdeckt, wir wollten einfach den Verkauf verhindern." Das tat der schnell gegründete Förderverein, pachtete das alte Gemäuer für ein paar Mark – und verpflichtete sich als Gegenleistung zur Renovierung. Die Vereinsmitglieder ließen sich auf das Abenteuer ein, mauerten, verputzten, ersetzten morsche Holzbohlen, füllten Fachwerkgefache, legten sogar den Keller tiefer. Handwerkliche Laien waren sie: "Es hat kaum einer geglaubt, dass wir das schaffen", sagt Vereinsvorsitzender Harth. Aber engagierte Gruitener darf man nicht unterschätzen.

 
 
Heute sind Böden und Leitungen verlegt, Treppen eingesetzt und das Kaminzimmer frisch gestrichen. Das gedeckte Gelb der Wände, die dunklen Balken werden sanft erleuchtet, wenn im Kamin das Feuer entfacht wird. Das alte Wohnhaus ist wieder belebt: Gruitener und Gäste ducken sich unter niedrigen Türen, um Ausstellungen zu besuchen, zu feiern oder an einem Kurs teilzunehmen.


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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützte den Förderverein Haus am Quall e.V. bei der Restaurierung eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses im Dorf Haan-Gruiten. Heute wird das Haus für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt, für Feiern und für Kurse.

Googlemap aufrufenHaus am Quall
Am Quall 12
42781 Haan
Tel.: 02 10 4/81 08 71

Öffnungszeiten:
Jeden 1. und 3. Samstag im Monat
11-12 Uhr (ganzjährig)
Weitere Termine nach tel. Vereinbarung

Informationen:
Förderverein Haus am Quall
Pastor-Vömel-Str. 20a
42781 Haan
1. Vorsitzende: Claudia Köster, Tel.: 02 10 4/61 88 1
2. Vorsitzender: Günther Harth, Tel.: 02 10 4/62 80 6
Web: www.haan-gruiten.de und www.hausamquall.de/
E-Mail: info@hausamquall.de

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