WIPPERKOTTEN IN SOLINGEN

DAMIT DAS RAD SICH WEITERDREHT...

 
 
Feucht-kalt ist es. Auf dem Boden liegt gestampfter Lehm und in der Luft das Geräusch eines unermüdlich klappernden Wasserrades. In diesem kleinen Fachwerkhaus, gelegen an der Grenze Solingens zur Nachbarstadt Leichlingen, haben Atmosphäre und Geräuschkulisse die vergangenen Jahrhunderte überdauert. Hier, am Weinsberger Bach, der idyllisch durch die Wipperauen fließt, liegt ein Biotop der Industriegeschichte, in dem noch heute an wassergetriebenen Schleifsteinen gearbeitet wird: der Wipperkotten.

 
 
Generationen von Solinger Schleifern nutzten in den vergangenen Jahrhunderten die Wasserkraft der Wupper für den Antrieb ihrer Schleifstellen. Mit ihrer Arbeit in den zeitweise über 100 Kotten sorgten sie dafür, dass der Name der Stadt zu einem Synonym für die Produktion hochwertiger Scheren und Bestecke wurde. Heute, im Zeitalter von Elektroantrieb und Industrierobotern, ist das Gebäude in den Wipperauen der letzte original erhaltene Solinger Schleifkotten.

 
 
Im frühen 17. Jahrhundert entstand er als Teil einer Doppelkottenanlage, deren wupperseitiges Gebäude in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu Wohn-, Atelier- und Ausstellungsräumen umgebaut wurde. Im kleineren Außenkotten, der Schleiferei, arbeiten noch bis heute selbstständige Schleifer. Und das aus einem einfachen Grund: Das Wasserrad des Kottens darf niemals stehen bleiben. Würde es auch nur einen Winter lang nicht laufen, liefe für den Kotten gar nichts mehr.

Um den Erhalt des Denkmals zu sichern, wurde 1997 der "Förderverein Schleiferei Wipperkotten" gegründet, der Gebäude und Grundstück in Erbpacht von der Stadt Solingen übernommen hat. Die Schleifstellen werden an Schleifer vermietet, die sich liebevoll um den Betrieb des Kottens kümmern. So ziehen sie die 90 Eschenholzzähne am Antriebskranz des Wasserrades immer wieder fest, schmieren alles, was sich dreht, entfernen Treibholz und Wasserpflanzen aus dem Auffangrechen vor dem Rad und erneuern von Zeit zu Zeit die Schaufeln des Rades. Denn nur so ist es möglich, dass das einzigartige Stück Solinger Tradition erhalten bleibt. Und das Rad sich weiterdreht wie seit Jahrhunderten...


Kommentare

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16.02.2015, Solveig Kukelies

Wenn man mit Leidenschaft wandert und neugierig auf die Umgebung in NRW ist, dann kommt man mit Sicherheit in eines der schönsten Wandergebiete um Düsseldorf herum - ins Bergische Land! All die wunderbaren Fachwerk-Orte entlang der Wupper und die Kotten, die sich in bestem Zustand befinden. Eine Augenweide und Natur pur!
Also, rein in die Wanderschuhe und ab ins Bergische. Mit der S-bahn knapp 15 Minuten und dann eine kurze Strecke mit dem Bus.
Das stille Glück liegt sooooo nah!!!
07.06.2011, Reinhard Schrage

Wer in das Bergische Land kommt und nicht den Wiperkotten besucht hat, der hat echt was versäumt! Der letzte, mit Wasserkraft angetriebene Schleifkotten an der Wupper, in eine traumhaft schöne Landschaft eingebettet, ein einmaliges Erlebnis! Hier kann man den Schleifern bei der Arbeit zusehen, sich ein Bild machen von handwerklich meisterhafter Solinger Messer-Qualität! Nicht vergessen - stumpfe Messer und Scheren mitbringen - sie sind anschließend wieder wie neu!
Mit scharfen Grüßen aus dem Be [...] mehr

Bild: Wipperkotten Januar 2011 bei Hochwasser/ Foto:Reinhard Schrage



Die NRW-Stiftung hat mehrere Instandsetzung am Kotten (Wasserrad, Antriebsräder, Nord-/Westfassade) sowie die Veröffentlichung einer Broschüre unterstützt.

"Der Wipperkotten in Solingen"
Das 24-seitige Heft beschreibt, wie einst Wasserrechte vergeben wurden, gibt Einblicke in die Antriebstechnik und erläutert, wie der Schleifkotten zum Denkmal wurde. ISBN 3-88094-879-8. RK-Heft 462. Herausgeber: Rheinischer Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege, Postfach 21 09 24 in 50533 Köln. Tel.: 0221/8092801, Internet: www.rheinischer-verein.de

Googlemap aufrufenSchleiferei Wipperkotten
Wipperkotten 2
42699 Solingen
Tel. 0212 - 4 13 77 oder 0212 - 233 73 73.
Web: www.schleiferei-wipperkotten.de

Öffnungszeiten:
April bis Oktober
jeden 1. und 3. Sonntag 14–16 Uhr

Besichtigungen und Führungen sind ferner nach telefonischer Voranmeldung möglich:
Tel. 0212 - 4 13 77 oder
0212 - 233 73 73.

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