BIOLOGISCHE STATION NEUSS IN KNECHTSTEDEN

WO SICH NATTERN IN SCHLAFSÄCKE RINGELN

 
 
Vorsichtig anschleichen, über verräterisch knackende Zweige hinwegsteigen, ein scharfer Blick ins Unterholz: Um "Natrix natrix" auf die Schliche zu kommen, bedarf es noch gewiefterer Methoden. "Die Ringelnatter lebt sehr versteckt", sagt Frank Wagener. Er leitet die Biologische Station des Kreises Neuss in Dormagen und lockt die für Menschen völlig ungefährlichen Tiere mit "Schlangen-Schlafsäcken" in Form von wärmeisolierenden Alu-Tafeln. Die Nattern genießen die Wärme und verstecken sich gerne dort. Aber nicht, damit sie es kuschelig haben, werden die Reptilien im Knechtstedener Busch und im Chorbusch angelockt – sondern damit man sie wiegen, messen und fotografieren kann. In Nordrhein-Westfalen ist die Ringelnatter stark gefährdet, im Raum Dormagen schlängelt sie sich noch häufiger über den Boden. Das Ziel des Projekts ist es, die Ringelnatter besser schützen zu können: "Die ersten Ergebnisse geben schon einige Hinweise auf die Struktur und Ausstattung der Ringelnatter-Lebensräume, die es zu sichern und erweitern gilt", erklärt Bio-Stationsleiter Frank Wagener. Als eine der ersten Maßnahmen wurden fünf Hektar Ackerfläche in Streuobstwiesen umgewandelt – und die Ringelnatter trifft man dort jetzt häufiger.

 
 
Aber nicht nur die Schlange liegt Frank Wagener und seinen drei Mitarbeitern am Herzen. Sie kümmern sich um die Erhaltung von Streuobstwiesen, die in der dicht besiedelten Neusser Region wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten – und nicht zuletzt die Vielfalt regionaler Obstsorten bewahren. Wer kennt heute noch den "Schönen von Elmpt"? In Seminaren macht die Station mit dieser Apfelsorte und anderen alten Köstlichkeiten bekannt. Auch für die Naturschutzflächen entlang des Rheins mit ihren Weichholz-Auenwäldern, ihren Kopfweiden und Glatthaferwiesen setzt sich die Biologische Station ein.

 
 
Ihr Zuhause fand die Station im Herbst 2001 in den ehemaligen Werkstatträumen von Kloster Knechtsteden – die Nordrhein-Westfalen-Stiftung half bei der Einrichtung. In dieser größten Klosteranlage am Niederrhein aus dem 12. Jahrhundert leben heute 30 Spiritaner der Kongregation vom Heiligen Geist. Klösterliche Ruhe, die Nähe zum europäisch bedeutsamen Naturschutzgebiet "Knechtstedener Wald mit Chorbusch" bieten eine ideale Lage – und nicht zuletzt den Platz für viele Mitstreiter. In der Station haben örtliche Naturschutzvereine ihr Büro, etwa der NABU, BUND oder Sielmanns Natur-Ranger. Und auch die sind über die Lage glücklich. Elmar Schmidt vom NABU ist’s besonders über den Kräutergarten: "Das Kloster war froh, dass es die Verantwortung dafür abgeben konnte, und wir können Besuchern zeigen, was sie in ihrem eigenen Garten für die Natur und vor allem für die Tierwelt tun können."


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen



Druckversion  [Druckversion]
Die Biologische Station im Kreis Neuss ist zu Hause in den ehemaligen Werkstätten von Kloster Knechtsteden. Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützte die Station nicht nur bei der Einrichtung, sondern half vorher auch, den Kloster-Innenhof zu restaurieren und im benachbarten "Tannenbusch" einen Waldlehrpfad anzulegen.

Googlemap aufrufenBiologische Station im Kreis Neuss e.V.
Haus der Natur
Kloster Knechtsteden
41540 Dormagen
Tel.: 02 13 3/50 23-0
E-Mail: info@biostation-neuss.de
Web: www.biostation-neuss.de

Bookmark and Share