ZIGARRENMACHERHAUS IN LÖHNE

KARIBIKAROMA IN OSTWESTFALEN

 
 
Dass ein Rollbrett nicht zwangsläufig die deutsche Übersetzung für das amerikanische "Skateboard" ist, dass eine Wickelform eher wenig mit dem Aussehen von Babywindeln zu tun hat und ein Klavier nicht immer Tasten haben muss, erfahren die Besucher im Zigarrenmacherhaus in Löhne. In dem mehr als 100 Jahre alten Gebäude ist ein typisches Beispiel für die Wohnverhältnisse einer ostwestfälischen Zigarrenmacherfamilie bewahrt worden. Bis 1924 wohnte hier der "Werkmeister" Ernst Homburg mit seiner Frau und sieben Kindern auf nur etwa 60 Quadratmetern. Statt eines Spinnrades oder eines Webstuhles findet man in dem schlicht eingerichteten Haus die Utensilien des Zigarrenmachers: Rollbrett und Wickelform.

 
 
Der Berufsstand des Zigarrenmachers bildete sich im 19. Jahrhundert in Ostwestfalen aus der ländlichen Bevölkerung. Tagsüber bestellten die Zigarrenmacher ihre eigenen kleinen Höfe oder dienten anderen Bauern als "Heuerlinge". Erst abends widmeten sie sich den Zigarren, um sich in Heimarbeit ein lebensnotwendiges Zubrot zu verdienen: Mit einem Deckblatt aus Übersee überrollten die Zigarrenmacher ihre gekonnt geformten Tabak-Wickel an einem "Klavier" genannten Arbeitstisch. So karg der Zusatzverdienst auch war, warf er doch immer etwas für den privaten Tabak-Genuss nach Feierabend ab.

 
 
Das Rauchen von Zigarren gilt als die Ur-Form des Tabak-Konsums. So fanden Wissenschaftler als ältestes Dokument dieses Brauches an der Wand eines Maya-Tempels in Belize / Mittelamerika das Relief eines rauchenden Mannes. Azteken und Maya prägten den Namen "Ciquar", was mit "etwas Brennbares, das gut schmeckt und gut riecht" übersetzt wird. Nach Europa kamen die Zigarren durch Christoph Kolumbus, und vor allem seine Seeleute waren fasziniert von dem Genuss der ersten "Tabagos", die in Größe und Form noch an Spielzeugtrompeten erinnerten.

 
 
Der Heimatverein Löhne hat das Zigarrenmacherhaus wieder aufgebaut und mit Originalmobiliar ausgestattet. Heute bietet es den Besuchern einen Einblick in die Lebens- und Arbeitssituation der ländlichen Unterschicht zu der Zeit der Anfänge der Industrialisierung. Im Heimatmuseum Löhne können darüber hinaus noch umfangreiche volkskundliche Sammlungen und ein bäuerlicher Kornspeicher von 1795 besichtigt werden.


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Mit Unterstützung der NRW-Stiftung konnte der Heimatverein Löhne den ehemaligen Heuerlingskotten restaurieren und als Heimatmuseum der Öffentlichkeit zugänglich machen.

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Alter Postweg 300
32584 Löhne-Bischofshagen
Telefon: 0 57 32 / 31 72
www.heimatmuseum-loehne.de

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