GEOLOGIE-LEHRPFAD IN WUPPERTAL-BARMEN

WANDERWEGE DURCH DIE ERDGESCHICHTE

Viele Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Sedanstraße in Wuppertal haben einen Großteil der Erdgeschichte ihrer Heimatstadt selbst "erlaufen". Die Mitglieder der "Arbeitsgruppe Geologie-Lehrpfad" lassen manchmal auf ein paar hundert Metern zehn Millionen Jahre hinter sich. Die Geschichte ihres etwa 9,5 Kilometer langen Geopfades, dessen Verlauf durch die Höhen und Täler Wuppertals sie gemeinsam mit Studiendirektor Hans Joachim Hybel geplant und mit Schautafeln versehen haben, führt die jungen Geologen in die Zeit, als diese Landschaft noch in einem flachen Meer südlich des Äquators lag. Tropische Korallen-Riffe waren einst dort zu finden, wo sich heute die Stadt erstreckt. So finden sich oft gleich am Wegesrand steinerne Zeugen, die vornehmlich aus der Devonzeit stammen, also vor etwa 350 Millionen Jahren entstanden sind: Wie zum Beispiel der "Nudelsalat" genannte versteinerte Rest eines Korallenriffs, eine Gesteinsformation, die im tropischen Flachmeer entstand und nun Bestandteil einer Natursteinmauer am Geopfad ist.

Die Idee, mit der das Projekt begann, war ebenso einfach wie mitreißend: "Die Bürger sollen etwas über den Boden unter ihren eigenen Füßen erfahren", betont Hybel. Der Geopfad führt vom Gymnasium Sedanstraße über den Sedansberg zum Nordpark, von dort über aussichtsreiche Wege vorbei an Fundstellen von Fossilien und geologisch interessanten Gesteinen durch das Allekotten- und Schellenbeck-Tal zur Lahmburg und über die Beule, Mählersbeck und durch die Junkersbeck zur Silberkuhle, wo fossile Muscheln und Dreilappkrebse zu finden sind. Der Weg führt weiter durch das Naturschutzgebiet Dolinen Hölken nach Möddinghofe, wo er Anschluss an den Wanderweg "Rund um Wuppertal" findet. In beiden Richtungen ist der Route leicht zu folgen, da die Wanderzeichen beidseitig angebracht sind. Die Strecke ist größtenteils asphaltiert, nur im Dolinengebiet geht es kurz auf Waldpfade. Gelegenheiten zu An- und Abfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es im Streckenverlauf ebenso wie Gaststätten, die zum Verweilen einladen.

Wandern, Suchen und das Sammeln von Fossilien und Gesteinen in den Gegenden, die für den Pfad in Frage kommen, standen von Beginn an im Mittelpunkt des Interesses der ersten Arbeitsgruppe "Geopfad", die sich vornehmlich aus Schülerinnen und Schülern der siebten Jahrgangsstufe zusammensetzte. Dass die Nachwuchs-Geologen im Nordpark auf Spuren von Vulkanismus stießen, braucht heute niemandem mehr Sorge zu bereiten - der letzte Ausbruch liegt 360 Millionen Jahre zurück. Aus großen Tiefen quoll die Lava einst in das Devonmeer, das daraufhin zu sieden begann. Wer mit offenen Augen durch den Nordpark spaziert, findet Bruchstücke von mit Hohlräumen durchsetztem Lavagestein, das grün oder braun gefärbt ist.
"Der Lehrpfad", erklärt Hybel die Zielsetzung des Projektes, "soll die zeitliche Einordnung des eigenen Lebens auf der Erde sichtbar und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machen".

Zusätzlich wollen die Schülerinnen und Schüler, die auf den Internetseiten des Gymnasiums Sedanstraße weitere Informationen über das Projekt zusammengefasst haben, über die Pflanzen am Wegesrand informieren und gleichzeitig die Geschichte des Pfads in Erinnerung rufen. So führt der Geopfad vorbei an einem der ältesten Häuser der Stadt, durch eine alte Bleicherwiese mit dem Bleicherhaus (um 1789), über einen alten Kirch- und Totenweg, durch die "burgenreichste" Landschaft der Welt und kreuzt eine der ältesten Kohlenstraßen, die von der Ruhr ins Bergische führt.


Literatur: Geopfad - Geologie und Menschengeschichte am Wege, Meyer Verlag, ISBN 3-00-007388-4



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Geopfad Wuppertal-Barmen

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Die Arbeitsgruppe "Geologie-Lehrpfad" des Wuppertaler Gymnasiums Sedanstraße erforscht die erdgeschichtlichen Besonderheiten in den Stadtteilen Barmen und Oberbarmen. Schüler und Lehrer haben den Wanderweg gemeinsam geplant und mit Hilfe der NRW-Stiftung verwirklicht. An den geologisch markanten Punkten des Geopfades wurden Schautafeln errichtet.

Verkehrsanbindung an Haltepunkte des ÖPNV:
Ausgangspunkt: Bushaltestelle "Alter Markt", Schwebebahn & Buslinien 604, 608, 610, 611, 614, 617, 624, 627, 628, 632, 634, 640, 644, 637, 332, CE61, SB67 (ca. 350m Fußweg bis zum Wanderweg)
Endpunkt: Bushaltestelle "Hölker Feld, Mitte", Buslinie 632

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