ZUM HEIDEBLÜTENFEST IN DIE SENNE

DIE FARBE LILA

Auf Außenstehende wirkt der Schäferberuf wie Müßiggang, doch er ist anstrengend, verlangt vielseitige Kenntnisse und große Verantwortung. (Foto: Franz Hasse)
Auf Außenstehende wirkt der Schäferberuf wie Müßiggang, doch er ist anstrengend, verlangt vielseitige Kenntnisse und große Verantwortung. (Foto: Franz Hasse)
Geübte Kreuzworträtsler müssen beim "Heidekraut mit fünf Buchstaben" nicht lange nachdenken. Kaum jemand weiß allerdings, dass man mit "Erika" einen weit verbreiteten Irrtum bedient, denn das typische Heidekraut, auch Besenheide genannt, heißt eigentlich "Calluna". Ab Juli beginnt es zu blühen und verwandelt dann die ansonsten braune Heide in den Sandgebieten Nordwestdeutschlands in ein lilafarbenes Blütenmeer. Auch in der westfälischen Senne, zwischen Bielefeld und Paderborn, ist die spätsommerliche Heideblüte ein Höhepunkt im Jahreslauf der Natur.

Nicht immer waren Heidelandschaften Sehnsuchtsorte. Bevor die herbe Schönheit der Heide von Städtern entdeckt und zu einem romantischen Idyll stilisiert wurde, bescherte sie den Menschen nur eines: Armut. Für den Anbau von Weizen hatten die leichten Sandböden zu wenig Nährstoffe. Nur Schafweide und Imkerei boten einen bescheidene Existenz. Die "Streusandbüchsen" blieben dünn besiedelt. Vielerorts beanspruchte deshalb das Militär die Landschaft. Hier konnte man Panzer rollen und Garnisonen exerzieren lassen, ohne Flurschäden anzurichten, denn Fluren, also Äcker, gab es kaum.

Den Bock zum Heidegärtner machen

Neben den grauen gehörnten Heidschnucken laufen stets auch einige Toggenburger Ziegen in der Herde mit. (Foto: Franz Hasse)
Neben den grauen gehörnten Heidschnucken laufen stets auch einige Toggenburger Ziegen in der Herde mit. (Foto: Franz Hasse)
Die Heidelandschaft und ihre Böden sind zwar arm an Nährstoffen, aber nicht an seltenen Organismen. Kein anderer Naturraum Westfalens beherbergt mehr gefährdete Wildpflanzenarten als die Senne. Viele von ihnen haben nur auf lückigen, ungedüngten Böden eine Chance. Und nur dort sind auch die von ihnen abhängigen, spezialisierten Insekten noch vorhanden, jenes unscheinbare Heer von Wildbienen, Schwebfliegen, Faltern, Käfern und sonstigen Kleintieren, die man in intensiv genutzten Agrarlandschaften vergeblich sucht. Die Heide als alte Kulturlandschaft zu sichern sollte aber auch ohne militärische Übungen möglich sein. Rund 1.000 Schafe zeigen seit fast drei Jahrzehnten, wie das geht: mit Appetit nach Besenheide. Das regelmäßige Abweiden regt die Pflanzen an, neue Triebe zu bilden und dann üppig zu blühen. Schonte man das Heidekraut, würde es überaltern. Nur die in Fuß- bis Kniehöhe knabbernden Grauen Gehörnten Heidschnucken und die größeren Toggenburger Ziegen haben das Zeug, die Heide und die Sandmagerrasen dauerhaft in blühende Landschaften zu verwandeln.

Hochzeit im Herbst

Die robusten und anspruchslosen Heidschnucken fressen am liebsten Besen- heide, den charakteristischen Zwergstrauch der Sandheiden.
Die robusten und anspruchslosen Heidschnucken fressen am liebsten Besen- heide, den charakteristischen Zwergstrauch der Sandheiden.
Gäbe es bei Schafen so etwas wie Flitterwochen, dann wäre es der Herbst. In dieser Zeit dürfen die Böcke für wenige Wochen mit der Herde laufen und sollen dann möglichst viele der weiblichen Tiere decken. Das bietet die Gewähr, dass alle Lämmer im Frühjahr geboren werden. Erst dafür kommen die trächtigen Schafe in den Stall. Er steht am Rand von Hövelhof und wurde 1990 mit Fördermitteln der NRW-Stiftung gebaut. In der geschützten Umgebung festigt sich die Bindung zwischen den schwarzgelockten Lämmern und ihren Müttern rasch. Auch an die Anwesenheit der Hütehunde soll sich der Nachwuchs gewöhnen. Sobald das kleine Einmaleins für Herdentiere gelernt ist, geht es wieder ganztägig in die Senne. Nur in den Sommermonaten, wenn vormittags militärische Übungen beginnen, ist die tägliche Weidezeit zweigeteilt. Dann dürfen die Schnucken nur frühmorgens und abends in die Heide, dazwischen ist Siesta in einem Pferch verordnet.
Die Heideblüte - ein Fest!

Das Heideblütenfest findet jedes Jahr in der Heidschnuckenschäferei Senne in Hövelhof statt. (Foto: Markus Laabs)
Das Heideblütenfest findet jedes Jahr in der Heidschnuckenschäferei Senne in Hövelhof statt. (Foto: Markus Laabs)
Das traditionelle Heideblütenfest der Heidschnuckenschäferei Hövelhof findet im Jahr 2017 am Sonntag, dem 30. Juli statt. Auf die Besucher warten Infostände, Vorführungen der traditionsreichen Schafschur und regionaler Handwerkstechniken, ein Markt mit eigenen Produkten, Kurzvorträge und Mitmachaktionen. Für Familien gibt es Planwagenfahrten in die blühende Heide. Auch die NRW-Stiftung wird wie jedes Jahr mit einem Infostand über Naturschutz und Landschaftspflege vor Ort sein.

Stand der Angaben: 1/2017





Am Rande der Senne baute die NRW-Stiftung in Hövelhof einen Schafstall für die Heidschnucken, die in Abstimmung mit dem britischen Militär regelmäßig durch die Senne ziehen und mit ihrem Appetit die Heidelandschaft offen halten.

Infos unter: www.hoevelhof.de

Heidschnuckenschäferei Senne
der Biologischen Station Paderborn-Senne
Sennestraße 233
33161 Hövelhof

www.bs-paderborn-senne.de

Bookmark and Share