LANDSCHAFTSPFLEGE IM HOCHSAUERLANDKREIS

DIE WOLLMILCHSAU UNTER DEN KÜHEN

In der Landschaftspflege unserer Mittelgebirge erlebt das Rote Höhenvieh heute eine kleine Renaissance. (Foto: Lars Langemeier)
In der Landschaftspflege unserer Mittelgebirge erlebt das Rote Höhenvieh heute eine kleine Renaissance. (Foto: Lars Langemeier)
Alwine ist 17, hat rotbraune Haare und wird bald wieder Mutter. Zusammen mit Gunda und Silene ist sie erfolgreich im Naturschutz tätig. Die Rede ist von drei der 18 Mutterkühe aus einer 40-köpfigen Viehherde, die der Verein für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis e.V. bei der Erhaltung gefährdeter Lebensräume einsetzt.

Zwischen Mai und November findet man das Rote Höhenvieh auf den Feuchtwiesen im "Hemmeker Bruch" bei Brilon-Madfeld und auf den steilen Magerweiden im Naturschutzgebiet "Auf der Wiemeke" bei Obermarsberg. Die Anwesenheit von Wiesenpieper und Neuntöter zeigt, dass die kleine Herde gute Arbeit leistet. Früher hatte jedes Mittelgebirge einen eigenen Schlag der etwas gedrungenen, rotbraunen Rinder. Man nutzte sie dreifach: Als Milch- und Fleischlieferanten sowie als Zugtiere vor Pflug oder Wagen. Sogar zum Holzrücken
Das Rote Höhenvieh ist genügsam: Sie brauchen kein Kraftfutter und haben trotzdem hervorragendes Fleisch.
Das Rote Höhenvieh ist genügsam: Sie brauchen kein Kraftfutter und haben trotzdem hervorragendes Fleisch.
spannte man sie ein. Mit dem Siegeszug des modernen Hochleistungs-Milchviehs und der Traktoren gerieten sie in den 1970ern an den Rand des Aussterbens. Weitsichtige Rinderhalter führten deshalb die letzten Sauerländer, Wittgensteiner, Vogelsberger und Harzer Tiere zusammen und nahmen die Züchtung wieder auf. Im Hochsauerlandkreis unterstützte die NRW-Stiftung 1990 den Aufbau einer kleinen Herde. Unter dem Namen Rotes Höhenvieh tragen die sympathischen Tiere die Gene und Eigenschaften der alten Landrassen weiter, perfekt für die Grenzertragsstandorte in den Mittelgebirgen. Sie sind widerstandsfähig und genügsam, brauchen kein Kraftfutter und haben trotzdem hervorragendes Fleisch. "Die Nachfrage ist richtig gut, außerdem sind es zertifizierte Bio-Rinder", sagt Halter Johannes Schröder.

Die Rinder haben ein sehr ruhiges Wesen.
Die Rinder haben ein sehr ruhiges Wesen.
Der Sauerländer kennt seine Tiere und sie kennen ihn – sie heben ihre Köpfe schon, wenn sie das Tuckern seines Traktors nur hören. "Die haben ein sehr ruhiges Wesen und eine klare Rangordnung", erzählt Schröder, manchmal seien sie aber auch eigenwillig. "Unser 4-jähriger Bulle Wilm wollte neulich partout nicht auf den Viehhänger, wir haben ihn mit Obst gelockt, aber er hat sich den Apfel genommen und ist gleich wieder runter, bevor wir die Klappe zumachen konnten. Es hat zwei Stunden gedauert, bis er eingewilligt hat!"

Text: Günter Matzke-Hajek

Stand der Angaben: 1/2017





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