ASTROPEILER STOCKERT

60 JAHRE UND KEIN BISSCHEN VERPEILT

Der 20 Tonnen-Spiegel des Astropeilers braucht zwölf Minuten für eine volle Drehung.
Der 20 Tonnen-Spiegel des Astropeilers braucht zwölf Minuten für eine volle Drehung.
Er hat seinen Standort nie verlassen, aber trotzdem eine bewegte Geschichte – der Astropeiler auf dem Stockert, einer Bergkuppe in der Nordeifel. 1956 nahm das erste frei bewegliche Radioteleskop in der Bundesrepublik den Betrieb auf. Die extreme Kipp- und Drehbarkeit seiner 25-Meter-Parabolantenne ermöglichte neben der Weltraumbeobachtung auch Forschungen zur Radartechnik, zum "Peilen" also, woran im Kalten Krieg das Militär interessiert war. Bekannt wurde die Anlage jedoch durch zivile Wissenschaft. Vor den Mondflügen der NASA sammelte sie wichtige Erkenntnisse über den Erdtrabanten.

1965 erhielt die Radiosternwarte einen zusätzlichen "Sonnenspiegel" von zehn Metern Durchmesser. Doch mit dem riesigen Teleskop Effelsberg erwuchs ihr schon in den 70er-Jahren ein naher und übermächtiger Konkurrent. Nachdem die Uni Bonn den Astropeiler 1978 vom Max-Planck-Institut übernommen hatte, wurden noch einige Jahre lang Messungen durchgeführt, schließlich diente die Anlage aber nur noch zur Ausbildung von Studenten. 1995 wurde sie stillgelegt. Ein Privatunternehmen nutzte sie zeitweise als Kulisse für Musikevents unter dem Label "Woodstockert" – humorig, aber dem Objekt auf Dauer nicht angemessen.

Lernen unter Sternen

Dank des Vereins "Astropeiler Stockert" und der NRW-Stiftung, die das Weltraumteleskop 2005 erworben hatte, konnte nach aufwendiger Sanierung 2010 die Wiedereröffnung gefeiert werden. Ein Jahr später begannen neue Messungen. Amateurastronomen betreuen die Radiosternwarte, erläutern sie bei sonntäglichen Führungen und sorgen zudem für einen faszinierenden außerschulischen Lernort – inklusive Kooperation mit "Jugend forscht". In den letzten Jahren bekam der Astropeiler einen neuen Webauftritt, es fanden hier Tagungen statt, und es wurden weitere technische Verbesserungen vorgenommen. Glückwunsch zum 60. Geburtstag an das weltgrößte Radioteleskop unter der Regie fachkundiger Amateure – und an eins der ungewöhnlichsten Ausflugsziele in NRW!

Fotos: Werner Stapelfeldt

Stand der Angaben: 2016 / Nr. 1





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