NATUR AM DENKMAL

EIN HERZ FÜR MAUERBLÜMCHEN

Der Braunstielige Streifenfarn ist nur eine von Dutzenden Pflanzenarten, die am Kölner Dom wachsen. Über die lebendige Patina des nordrhein-westfälischen Wahrzeichens erscheint demnächst ein Buch.
Der Braunstielige Streifenfarn ist nur eine von Dutzenden Pflanzenarten, die am Kölner Dom wachsen. Über die lebendige Patina des nordrhein-westfälischen Wahrzeichens erscheint demnächst ein Buch.
Festungsanlagen, Burgruinen und Stadtmauern sind Bauwerke von hoher Anziehungskraft – nicht nur für Touristen, sondern auch für Pflanzen und Tiere. Manche Eigentümer sehen in spontanem Grün allerdings Anzeichen für mangelnde Sicherheit und Pflege. Wo Moos und Mauerraute sprießen, so ihre Befürchtung, droht buchstäblich etwas aus den Fugen zu geraten. Da erscheint es konsequent, bei Sanierungen sämtliche Pflanzen zu beseitigen und alle Lücken zu vermörteln. In Wirklichkeit verursacht krautiger Bewuchs jedoch keine Schäden, er ist lediglich ein Zeugnis der Zeit. Flora und Fauna geschichtsträchtiger Gemäuer verdienen Rücksicht – um ihrer selbst willen und oft auch aus ästhetischen und kulturhistorischen Gründen.

Das prominenteste Beispiel für die Pflanzenvielfalt von Baudenkmälern dürfte das Kolosseum in Rom sein: Das Verzeichnis des Botanikers Domenico Panaroli führt 337 verschiedene Arten auf, die in der Ruine des Amphitheaters gefunden wurden. Die erstaunliche Liste mit dem Titel "Plantarum Amphitheatralium Catalogus" stammt allerdings aus dem Jahr 1643! Der Bewuchs war seinerzeit so üppig, dass Panaroli seinen Mitbürgern das antike Gemäuer als Biotop zum Sammeln von Heilpflanzen empfahl. Der Umgang mit einer römischen Ruine anno 1643 ist gewiss kein Vorbild für das
 21. Jahrhundert. Einige Beispiele aus Nordrhein-Westfalen machen aber deutlich, dass Denkmäler umso reizvoller sind, je rücksichtsvoller ihre lebende Patina behandelt wird. Pflanzen und Tiere können wesentlich dazu beitragen, alte Bauwerke in ihrer Geschichtlichkeit erlebbar zu machen.

Protestrufe aus der Kaiserpfalz

Sie liebt die vom Gestein abgestrahlte Wärme: Pfirsichblättrige Glockenblume.
Sie liebt die vom Gestein abgestrahlte Wärme: Pfirsichblättrige Glockenblume.
Was die Flora der vom Menschen geschaffenen "Felsbiotope" aus- zeichnet, ist nicht allein die Vielfalt der Arten, sondern ihre unter- schiedliche Herkunft: Ursprüngliche Felsbewohner wie die Streifenfarne sind darunter, trockenheitstolerante Wildkräuter wie Natternkopf und Königskerze, aber auch alte Zierpflanzen wie Löwenmaul und Zimbelkraut. Gerade die Kulturfolger, die man bei uns kaum einmal abseits alter Bauwerke findet, erregten schon früh Aufmerksamkeit. So gehört die 290 Jahre alte Angabe des Mauer- Glaskrauts für "Keysers-Werd" in einem Pflanzenbuch des Botanikers Heinrich Bernhard Rupp zu den ersten wissenschaftlich dokumentierten Pflanzenfunden aus dem Rheinland. Noch heute wächst dort das Glaskraut in der Ruine der Kaiserpfalz. Dass es 2008 kein Opfer der Sanierung wurde, ist vor allem der Aufmerksamkeit der "Düsseldorfer NaturFreunde" zu verdanken. Sie fanden es nicht in Ordnung, als mitten in der Brutsaison der hier nistenden Mauersegler Baugerüste aufgebaut wurden. Die Naturschützer um Heide Stieb gaben das Protestgeschrei der Vögel an die Stadt Düsseldorf weiter. Sie erwirkten einen Aufschub und nutzten die Zeit, um bei der Stadt mehr Rücksicht auch für die Pflanzen der Ruine anzumahnen.

Der Lack ist ab

Due Zukunft des Goldlacks an der Sparrenburg ist ungewiss, frühere Renovierungen haben seine Bestände stark dezimiert.
Due Zukunft des Goldlacks an der Sparrenburg ist ungewiss, frühere Renovierungen haben seine Bestände stark dezimiert.
Das Wissen um das Vorhandensein gefährdeter Lebensgemeinschaften allein ist aber noch kein Garant für ein abgestimmtes und schonendes Vorgehen. An der Sparrenburg in Bielefeld war seit mehr als 200 Jahren eines der wenigen westfälischen Goldlack-Vorkommen bekannt. Die wegen ihres Dufts auch als Gelbe Viole bezeichnete Charakterpflanze alter Gemäuer wuchs hier "in Menge" – bis die artenreiche Fugenvegetation in den 1980er-Jahren einer neuen Vormauerschale geopfert wurde. Damit löschte man die gewachsenen Spuren von Jahrhunderten und legte zugleich den Grundstein vermeidbarer Feuchte- und Frostschäden. Diese machten jetzt eine
erneute Sanierung notwendig, die noch immer andauert. Da es fünf vor zwölf war, erschien es den Verantwortlichen sicherer, die letzten Goldlack-Mohikaner zu bergen und im Garten zu "parken". Zum Abschluss der Sanierungen sollen sie in spezielle Mauernischen gesetzt werden. Ob sich die Pflanzen als verschiebbares Dekor behandeln lassen und überleben, bleibt allerdings abzuwarten.

Klassische Sanierungssünden

Wie Kühe auf der Weide - Schließmundschnecken (Laciniaria plicate) auf Algen und Flechten der Zonser Stadtmauer.
Wie Kühe auf der Weide - Schließmundschnecken (Laciniaria plicate) auf Algen und Flechten der Zonser Stadtmauer.
Oft werden Sicherheitsaspekte genannt, wenn ausgewitterte Fugen mit Zementmörtel abgedichtet werden – schließlich möchte niemand riskieren, dass herabfallende Steine Besucher verletzen. Die Stabilität von Mauern und Pflanzenwuchs sind aber kein Wider- spruch, und Zementmörtel in Mauerritzen zu pressen macht eine Mauer nicht sicher. Im Gegenteil: Feuchtigkeit, die nicht mehr nach außen diffundieren kann, dringt von hinten in die Mauersteine und macht sie mürbe. Bei Frost werden diese gesprengt oder abgehoben. Nicht selten verwittern die Quader dann schneller als die Fugen. Richtig wäre es, die krautigen Pflanzen zu dulden, denn sie führen überschüssiges Wasser wirksam nach außen ab und beugen Schäden vor. Wo das Neu-Verfugen wegen drohenden Verfalls unvermeidbar ist, sollte Kalkmörtel benutzt werden. Er lässt die Feuchtigkeit nach außen durch und ermöglicht auch die (Wieder-)Ansiedlung von Pflanzen.

Während Kleinfarne und Kräuter wie Gelber Lerchensporn, Schöll- kraut und Zimbelkraut einer Mauer also eher gut tun, verdienen Bäume in Mauern kein Pardon. Das wachsende Wurzelholz von Ahorn, Birke und Salweide drückt auch dicke Steine auseinander. Nur konsequentes Absägen kann diesem Problem vorbeugen. Deshalb ist es wichtig, Gemäuer laufend zu beobachten und unvermeidliche Reparaturen nicht auf die lange Bank zu schieben. Unter dem Strich bleibt der Erhaltungsaufwand dann niedriger, als wenn zwischen "großen Inspektionen" mehrere Jahre lang beide Augen zugedrückt werden.
Dass bei Baumaßnahmen an alten Gemäuern Sicherheit Vorrang hat, ist für Jürgen Waldeck von der Stadt Dormagen Gesetz. Er weiß aber auch, dass man deshalb nicht "tabula rasa" machen muss. Waldeck ist als Denkmalschützer für die Mauern der überregional bekannten Feste Zons am Niederrhein zuständig. In dem mittelalterlichen Geviert bilden Basalt, Backstein und Blumen einen besonderen Dreiklang. Vor allem die Mauerkronen und -vorsprünge tragen artenreiche Lebensgemeinschaften. Auch seltene Tiere kommen dort vor. "Von den Mitarbeitern der Biologischen Station Neuss haben wir beispielsweise gelernt, welche besonderen Schnecken an den Mauern leben". ‘Gute fachliche Praxis‘ heißt für Waldeck und für die Mitarbeiter der Biologischen Station deshalb, dass sie vor jedem Sanierungsabschnitt eine gemeinsame Begehung machen und festlegen, wo und wie Pflanzen und Tiere erhalten werden können. Wesentliche Punkte dieses "Schonprogramms" werden bereits im Ausschreibungstext berücksichtigt. Soweit nicht städtisches Personal selbst beteiligt ist, bekommen nur Firmen den Zuschlag, die für die besondere Aufgabe qualifiziert sind.

Edler Stein wurd angefasst

 
 
In Stolberg bei Aachen galt die Aufmerksamkeit vor allem der Mauereidechse. Die in NRW nur ganz lokal vorhandene und seltene Art lebt in den alten Schiefer-Trockenmauern unterhalb der Stolberger Burg. An vielen Stellen drohten Baumwurzeln die Mauern auseinanderzudrücken. Baumkronen und Gebüsche beschatteten die Sonnenbänke der wärmeliebenden Reptilien. Vor der letzten größeren Instandsetzung trafen sich deshalb Denkmalschützer und Naturschützer zu einem Ortstermin und diskutierten die Sicherheits-, Denkmal- und Naturschutzinteressen. Der vereinbarte Plan wurde allen gerecht. Gehölze wurden entnommen, lose Steine neu verkeilt, wackelige Mauerkronen befestigt und abgerutschte Mauerabschnitte neu aufgesetzt. "Der Schlüssel für das gute Ergebnis war, dass wir keine pauschalen Maßnahmen beschlossen und handwerkliche Lösungen bevorzugt haben", sagt Ulrich Haese, der die biologische Bestandsaufnahme durchgeführt hatte und die Sanierung begleitete. "Einer der Handwerker, ein Kroate, konnte perfekt Trockenmauern aufsetzen – für die Eidechsen war er ein Glücksfall."

Wo Mauern nicht trennen, sondern einen

Hans Dudler (re.) und Ewald Thies vom NABU in Leopoldshöhe sind fasziniert vom Artenreichtum einer alten Mauer im lippischen Heipke und nehmen sie als Vorbild für neue Trockenmauern.
Hans Dudler (re.) und Ewald Thies vom NABU in Leopoldshöhe sind fasziniert vom Artenreichtum einer alten Mauer im lippischen Heipke und nehmen sie als Vorbild für neue Trockenmauern.
Was traditionelles Maurerhandwerk leisten kann, ist auch im Kreis Höxter zu besichtigen: Als die Bewohner Ottenhausens vor der Frage standen, ob man die schadhaften Mauern im Ort erhalten könne, überlegte Rudolf Kaiser nicht lange. Er reparierte ehrenamtlich alte und baute neue Mauern, selbstverständlich aus dem orts- typischen Muschelkalk. Das Behauen und Fügen von Natursteinen war ihm seit seiner Maurerlehre im Jahr 1947 vertraut. Außerdem baute er Hohlräume und Nischen ins Mauerwerk ein, um es für Pflanzen und Tiere noch attraktiver zu machen. Statt mit Zement verband er die Steine lediglich mit einer weichen Mischung aus Mergel und Kalk. Mehr als einmal schauten ihm dabei die Freunde aus dem Heimatverein Ottenhausen bewundernd über die Schulter. Auf die interessierte Frage des Vereinsvorsitzenden Heribert Gensicki, weshalb er manche Steine so und nicht anders herum in die Mauer setzte, hatte Kaiser eine ebenso einfache wie bildhafte Antwort parat: "Jeder Stein hat ‘n Arsch und ‘n Gesicht!". Offenbar ist es Kaiser und dem Heimatverein gut gelungen, das charakteristische Gesicht des Dorfes zu bewahren: Für die vorbildliche Beachtung vieler Umweltschutzaspekte zeichnete das Land NRW Ottenhausen als "Ökologisches Musterdorf" aus.

Eine Zitadelle als Schlafgemach

Hinter den Mauern und unter den Wällen des Brückenkopfs in Jülich verbergen sich ausgedehnte Kasematten und Gänge, in denen hunderte von Fledermäusen überwintern.
Hinter den Mauern und unter den Wällen des Brückenkopfs in Jülich verbergen sich ausgedehnte Kasematten und Gänge, in denen hunderte von Fledermäusen überwintern.
Während in Ottenhausen der Mauerbau einen zivilen Hintergrund hat, erinnern die Festungen von Jülich an kriegerische Zeiten: Die Zitadelle diente im 17. Jahrhundert der Verteidigung gegen holländische und spanische Truppen. In den durch mächtige Wälle geschützten Gängen und Kasematten konnten Soldaten und Waffen schnell und sicher bewegt werden. Heute sind die unterirdischen Gemäuer der renaissancezeitlichen Stadtfestung ein idealer Ort für überwinternde Fledermäuse. Der Grund: konstant niedrige Temperaturen, Frostfreiheit, viele Mauerspalten und Einflugöffnungen im Überfluss. "Das macht es hier fast unmöglich, die genaue Zahl der Überwinterer festzustellen", erläutert Fledermausexpertin Dr. Henrike Körber, "das ginge nur mit riesigem technischen Aufwand. Uns reicht es zu wissen, dass Jülich das bedeutendste Winterquartier in der Börde ist."


In einer Arbeitsgruppe treffen sich regelmäßig Vertreter des Bau- und Liegenschaftsamts, Experten des Arbeitskreises Fledermausschutz in den Kreisen Aachen, Düren und Euskirchen und die Mitarbeiter des Museums Zitadelle, um die Wünsche aller Nutzer abzustimmen. Dabei versteht sich das Ehepaar Körber als Anwalt derer, die gern kopfunter an der Decke hängen oder sich in finger- breiten Mauerspalten verstecken: "Es war wirklich ein Segen, dass diejenigen Fugen offen bleiben durften, die für die Stabilität der Tonnengewölbe keine Bedeutung haben. Das hat auch Mörtel gespart und die Sanierung billiger gemacht." Etwa 400 Fledermäuse acht verschiedener Arten ziehen hier jeden Herbst ein, darunter stark gefährdete Spezies wie Bechstein-Fledermaus und Graues Langohr. Etwa ein Drittel der Festungsabschnitte bleibt deshalb in den Wintermonaten gesperrt. Dr. Christoph Fischer vom Museum Zitadelle freut sich ebenfalls über die heimlichen Mitbewohner. "Wir merken es an den Besucherzahlen und an der Nachfrage nach Führungen. Seit die Fledermäuse ein Thema sind, kommen nicht nur Hobby-Historiker, sondern auch viele Naturinteressierte – und alle lernen voneinander."

Bei Kellergeistern beliebt

Chillen bei 4° Celsius: Seit 150 Jahren suchen mehrere Fledermausarten regelmäßig die Altenberger Eiskeller auf. Während der Wintermonate haben sie das Untergeschoss für sich.
Chillen bei 4° Celsius: Seit 150 Jahren suchen mehrere Fledermausarten regelmäßig die Altenberger Eiskeller auf. Während der Wintermonate haben sie das Untergeschoss für sich.
Im westfälischen Altenberge, Kreis Steinfurt, sind die Backsteingewölbe weniger alt, dafür aber dreistöckig. Gebaut worden waren die "Eiskeller Altenberge" in den 1860er-Jahren zur kühlen Lagerung von Bier der Brauerei Beuing. Für die nötige Kälte sorgten Eisschollen, die man im Winter auf überfluteten und gefrorenen Wiesen der Umgebung sägte und in die Tiefgeschosse hinabließ. Auf diese Zeit bezog sich auch die scherzhafte Charakterisierung "größter Kühlschrank Europas". Als in den 1990er Jahren in der Nachbarschaft eine Schule errichtet wurde, erinnerten sich die älteren Bewohner ihrer Unterwelt, ließen deren Statik prüfen und beschlossen, das einmalige Baudenkmal für Besucher zu erschließen. Bei den ersten winterlichen Begehungen fiel den Altenbergern dann auf, dass der unterste Keller von Fledermäusen ausgebucht war.

Werner Witte und seine Kollegen, die Besucher durch den "größten Kühlschrank Europas" führen, sparen in dieser Zeit die Fledermausgewölbe aus.
Werner Witte und seine Kollegen, die Besucher durch den "größten Kühlschrank Europas" führen, sparen in dieser Zeit die Fledermausgewölbe aus.
Nach einer Beratung durch regionale Kenner vereinbarte man, dieses Gewölbe zwischen Oktober und April nicht zu betreten. "Da ist die Nachfrage nach Führungen ohnehin nicht so groß", berichtet Werner Witte. In den vergangenen 18 Jahren hat er schon hunderte von Besuchergruppen durch den unterirdischen Backsteindom geführt. Und Witte weiß auch, wo die "Kellergeister" ins Gewölbe kommen: Am Hang des benachbarten "Borndal" endet der alte Abfluss des Eiskellers, ein kleiner, leicht abschüssiger Tunnel. "Dieser Gang ist heute verschlossen, aber man hat für die Tiere eine ausreichende Öffnung gelassen."
Naturschutz-Tipps für das Sanieren alter Mauern

Kräuter, Moose und Flechten (hier eine Xanthoria-Art) verursachen keine Schäden. Sie wachsen zu lassen, verbessert das Mikroklima und reduziert Kosten.
Kräuter, Moose und Flechten (hier eine Xanthoria-Art) verursachen keine Schäden. Sie wachsen zu lassen, verbessert das Mikroklima und reduziert Kosten.
1. Bestandsaufnahme von Flora und Fauna durch Fachleute, rechtzeitig vor einer anstehenden Sanierung. Überwinternde Fledermäuse können nicht im Juli und Blütenpflanzen nicht im Januar nachgewiesen werden. Ziel muss es sein, besonders wertvolle Bereiche zu identifizieren und sinnvolle Maßnahmen zur Erhaltung der charakteristischen Lebensgemeinschaften zu planen.

2. Differenzierte Untersuchung der Bausubstanz. Welche Schadstellen werden die Stabilität beeinträchtigen, welche sind eher kosmetischer Art? Ersetzen und Reparieren nur, wenn Folgeschäden absehbar sind. Ansonsten Nischen belassen. Zumindest ein Teil der Stoßfugen (vertikale Fugen) kann meist offen bleiben, ohne dass die Stabilität leidet.

3. Ausgedehnte Baudenkmäler über längere Zeiträume abschnittsweise sanieren. So können Teile der Tier- und Pflanzenwelt in den jeweils älteren Mauer- abschnitten überleben und langsam nachrücken.

4. Den pflanzlichen Aufwuchs von Mauerkronen inkl. Humus, Sand und Steinchen abnehmen und nach der Sanierung wieder aufbringen. Dieser Belag enthält Organismen und deren Überdauerungsstadien, die an den Standort angepasst sind. Eine gärtnerische Begrünung ist kein Ersatz.

5. Gehölze tief absägen und nachtreibende Zweige bald wieder abschneiden. Flechten, Moose, Farne und krautige Pflanzen möglichst schonen.

6. Die obersten Steinlagen oder Deckplatten niedriger Mauern können mit Kalkmörtel fixiert werden, wenn sie sonst durch Vandalismus gefährdet wären.

7. Einzelne aus Mauern herausgefallene oder lose Steine lassen sich wieder einsetzen und mit kleineren Steinen verkeilen. Bei Trockenmauern ist das Verkeilen die Reparaturtechnik der Wahl.

8. Auf Sandstrahlen verzichten. Krustenflechten schützen Steine vor Witterungseinflüssen. Durch das Sandstrahlen wird oft mehr Gesteinssubstanz zerstört als in Jahrzehnten natürlicher Witterung.

9. Böschungsmauern nur sparsam verfugen, damit Nässe nicht in oder hinter der Mauer eingesperrt wird. Das Wasser dringt sonst ins Gestein ein und beschleunigt dessen Zerfall, z. B. durch Frostsprengung. Ebenso kann die Bildung von Eislinsen das Mauerwerk nach vorn drücken.

10. Kalkmörtel verwenden. Mörtel müssen diffusionsoffen sein und gute Wasserleitfähigkeit besitzen. Zementmörtel oder kunstoffhaltige Mörtel sind ungeeignet. Auch das Einpressen von Spritzbeton zerstört den Charakter alter Mauern.




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Zu den rund 2.600 Natur- und Kulturprojekten, die von der NRW-Stiftung seit 1986 gefördert werden konnten, gehören auch zahlreiche Restaurierungsmaßnahmen an denkmalgeschützten Häusern, Mühlen, Höfen, Burgen oder auch Zechenanlagen.
Der NRW-Stiftung ist es ein besonderes Anliegen, dass hier der Rat fach- kundiger Naturschützer hinzugezogen wird. Die Mitarbeiter der Biologischen Stationen, der Landschaftsbehörden oder die örtlichen Naturschutzvereine sind Ratsuchenden gern behilflich.
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