WASSERBÜFFEL BEIM OVERATH-IMMEKEPPEL

SCHLAMMBAD FÜR DEN NATURSCHUTZ

Nur in der Laichzeit suchen Gelbbauchunken schlammige Pfützen auf und sind dort perfekt getarnt. Da sie ihren Laich auf viele Kleinstgewässer verteilen, ist die Chance hoch, dass genügend Larven überleben, ...
Nur in der Laichzeit suchen Gelbbauchunken schlammige Pfützen auf und sind dort perfekt getarnt. Da sie ihren Laich auf viele Kleinstgewässer verteilen, ist die Chance hoch, dass genügend Larven überleben, ...
Wanderer im Bergischen Land reiben sich verwundert die Augen. Was da vor ihnen steht, sind doch Wasserbüffel, wie sie in Südasien gehalten werden! Soll jetzt vor den Toren Kölns vielleicht Reis angebaut oder Mozzarella aus Büffelmilch hergestellt werden? Nicht ganz – im Rheinisch-Bergischen Kreis haben die schwarzen Hornviecher einen anderen Auftrag. Die Talwiesen des Naturschutzgebiets Volbachtal drohten zuzuwachsen –seltene Pflanzen hätten ihre Wuchsplätze verloren und gefährdete Gelbbauchunken ihre Laichtümpel. Deshalb brauchte der Bergische Naturschutzverein (RBN) kompetente Helfer, die möglichst viele Landschaftspfl ege-Aufgaben erledigen können. Die Wahl fiel auf die Büffel. Sie fressen wucherndes Grünzeug, sorgen für Amphibientümpel und sind obendrein eine Attraktion für die Wanderer.
... auch wenn die eine oder andere von ihnen unter die Räder, pardon, unter die Hufe kommen sollte.
... auch wenn die eine oder andere von ihnen unter die Räder, pardon, unter die Hufe kommen sollte.


So exotisch sind Wasserbüffel in Europa übrigens nicht. Die nächsten traditionellen Weidegebiete liegen in Italien und auf dem Balkan. Das wintermilde rheinische Klima sagt den Tieren durchaus zu. Kein Wunder, denn selbst in Deutschland lebten einst wilde Wasserbüffel, erst im Zuge der Eiszeiten starben sie hier aus. Der Migrationshintergrund der bergischen Büffel ist rasch erzählt: Sie haben ihre Kindheit in der Wahner Heide verbracht, wo ihre Herde seit einigen Jahren zu Hause ist. Die Herkunft der Heidebüffel wiederum war Rumänien, dort werden Wasserbüffel seit Jahrhunderten als Nutztiere gehalten.

Wasserbüffel sind Verdauungskünstler

Nach dem Umzug nehmen die Büffel ihr neues Zuhause in Augenschein. Biologe und Tierwirt Thomas Stumpf (mit grauer Hose) ist sicher, dass sich die Tiere hier wohlfühlen.<br />
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Bild: Bergischer Naturschutzverein
Nach dem Umzug nehmen die Büffel ihr neues Zuhause in Augenschein. Biologe und Tierwirt Thomas Stumpf (mit grauer Hose) ist sicher, dass sich die Tiere hier wohlfühlen.

Bild: Bergischer Naturschutzverein
Der untere Abschnitt des Volbachtals, in dem die Büffel leben, wird auch "Freudenthal" genannt. Früher war hier ein Bergbaugebiet. Auf Schienen rollten Loren mit Blei- und Zinkerzen von den kleinen Bergwerken nach Immekeppel. Heute ist das abwechslungsreiche Tal ein ruhiges Wanderrevier und eines der jüngsten Naturschutzgebiete Bergisch Gladbachs. Ein Schutzgrund sind die artenreichen Feuchtwiesen, in denen mehrere Orchideenarten wachsen. So soll es hier noch das seltene Fleischfarbene Knabenkraut geben, vielleicht das einzige Vorkommen im Bergischen Land. Aber die Prognose für die Vegetation war nicht günstig. Viele Grünlandflächen waren entwässert und zwischenzeitlich als Pferdeweiden genutzt worden. Seit einiger Zeit lagen sie brach. Binsen, Brennnesseln und Mädesüß breiteten sich aus, die wenigen Tümpel waren zugewachsen.

Jetzt drehen die Büffel die Entwicklung zurück. Im Gegensatz zu heimischem Vieh sind sie wenig anspruchsvoll, was ihre Ernährung angeht. Sauergräser und Binsen, Ampfer und strohige Hochstauden, eine Kost, bei der jede normale Kuh in den Hungerstreik treten würde, sind für die genügsamen Sumpfrinder gut verdaulich. Die schwarzen Wiederkäuer mit dem großen Pansen machen auch vor dem Indischen Springkraut nicht Halt. Trotz der proteinarmen Nahrung nehmen sie dabei sogar an Gewicht zu.

Die Helfer der Gelbrauchunken

Wasserbüffel lieben es zu suhlen, und das nicht nur bei heißem Wetter. Schon kurz nach ihrer Ankunft haben sie sich gleich ein Schlammbad gegönnt.
Wasserbüffel lieben es zu suhlen, und das nicht nur bei heißem Wetter. Schon kurz nach ihrer Ankunft haben sie sich gleich ein Schlammbad gegönnt.
Da Wasserbüffel weniger Schweißdrüsen besitzen als unsere Rinder, legen sie sich zur Abkühlung gern ins Wasser. Ausgiebiges Suhlen genießen sie aber nicht nur bei Sommerhitze. Es gehört bis in den Winter zu ihrer täglich geübten Wellness. Wo kein tieferes Wasser vorhanden ist, wühlen sie sich mit ihren massigen Körpern einfach passende Badewannen. Auch durch den Tritt ihrer breiten Hufe schaffen sie an feuchten Stellen immer wieder neue Vertiefungen. Regen- oder Grundwasser, das dort hineinläuft, bleibt auch stehen, wenn es mal drei Wochen trocken bleibt. Ihre amphibische Lebensweise fördert deshalb ganz beiläufig andere Sumpfbewohner – die schlammigen Suhlen sind zum Beispiel perfekte Laichgewässer für die Gelbbauchunke. Gäbe es die Büffel nicht, müssten vegetationsarme Tümpel, wie sie die Unken lieben, immer wieder mit Technikeinsatz geschaffen werden. In der Naturlandschaft entstehen solche Laichbiotope durch die Kraft unregulierter Flüsse und Bäche, in den Ersatzlebensräumen unserer Kulturlandschaft sind meist schwere Fahrzeuge die Urheber. So laichen die Unken auf militärischen Übungsplätzen gern in den Fahrspuren von Panzern, während sie in Tongruben und Steinbrüchen von der Wühlarbeit der Planierraupen und Transportfahrzeuge profi tieren. Solch schweres Gerät wäre im Freudenthal fehl am Platz, den Büffeln sei Dank.

Sanfte Kreaturen

Die Tümpel, die sie in ihrer Badelandschaft hinterlassen, sind geeignete Kinderstuben für Molche und Froschlurche.
Die Tümpel, die sie in ihrer Badelandschaft hinterlassen, sind geeignete Kinderstuben für Molche und Froschlurche.
Wanderer brauchen sich von dem etwas wilden Erscheinungsbild und der kräftigen Statur der Tiere nicht einschüchtern zu lassen. Wasserbüffel sind ausgesprochen gutmütige Tiere. Hintergrund ist die seit Langem bestehende Beziehung zum Menschen. Schon vor etwa 7.000 Jahren nahmen südasiatische Bauern die schwarzen Rinder in Nutzung. Die Domestikation hat aus scheuen, reizbaren und manchmal auch aggressiven Büffeln lammfromme Nutztiere gemacht. Voraussetzung ist allerdings ein ruhiger und geduldiger Umgang. Besonders gegenüber ihren Betreuern entwickeln die urigen Hornträger dann oft ein geradezu anhängliches Wesen. Milch für Mozzarella geben die beiden Freudenthaler Büffel übrigens nicht. Doch das liegt weder an ihrer Ernährung noch am rheinischen Klima – die beiden sind Ochsen.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2/2013





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Die NRW-Stiftung erwarb auf Anregung des Bergischen Naturschutzvereins e. V. (RBN) rund 25 Hektar Land im bergischen Overath für Zwecke des Naturschutzes. Vom Einsatz der Wasserbüffel auf diesen Flächen profitiert vor allem die stark gefährdete Gelbbauchunke, vor der es das landesweit größte Vorkommen hier im Bergischen Land gibt. www.bergischer-naturschutzverein.de
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