20 JAHRE NRW-STIFTUNG
"WEGWEISEND " IN SACHEN EHRENAMT

Die vom Leverkusener Künstler Kurt Arentz entworfene Bronzeskulptur ist eine Versinnbildlichung ehrenamtlichen Engagements - sie zeigt die Darstellung eines Menschen, der einen Stein ins Rollen bringt.Die im September 1986 gegründete NRW-Stiftung unterstützt seit nunmehr 20 Jahren den Einsatz dieser ehrenamtlichen Vereine. Und ihr Förderverein hat in den letzten Jahren einige ihrer Stiftungspartner mit einem "WegWeiser" ausgezeichnet – die Bronzeskulptur ist ein Ehrenpreis für beispielhaftes Engagement, wenn es darum geht, die gewachsene Kulturlandschaft mit ihren Naturschönheiten, ihren Denkmälern und ihren lebendigen Traditionen in den Dörfern und Städten zu erhalten.
Wie aus alten Türmen neue Wahrzeichen werden

Der Fotograf Klaus Michael Lehmann erhielt 2003 für seinen maßgeblichen Einsatz bei der Rettung der Zeche Erin den ersten "WegWeiser".Klaus Michael Lehmann und der im Oktober 1984 gegründete "Erin-Förderturm-Verein" wollten das nicht hinnehmen und setzten sich für den Erhalt des mächtigen Stahlgerüsts aus den Jahren 1953/1954 ein. Dies war eine der ersten Maßnahmen, die von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützt wurde, als sie im Mai 1987 ihre Fördertätigkeit aufnahm. Das Projekt ergänzte die Bemühungen um den Erhalt des Teutoburgia-Turms im benachbarten Herne-Börnig, der ebenfalls beinahe abgerissen worden wäre.
Statt abzureißen, wurde nun restauriert. 1990 konnten die Arbeiten an Erin 7 abgeschlossen werden und viele Castrop-Rauxeler sind heute froh, dass ihr Turm als weithin sichtbares Wahrzeichen erhalten blieb. Der Förderturm-Verein und sein Vorsitzender Klaus Michael Lehmann machten aber noch weiter und sorgten dafür, dass auch der 1929 erbaute "Hammerkopfturm" über Schacht 3 der Zeche restauriert werden konnte. Solche Hammerkopftürme, bei denen platzsparend Fördermaschine und der Führerstand oben im hammerkopfartigen Aufbau untergebracht sind, wurden vor allem zwischen 1911 und 1945 errichtet. Erin 3 gilt als der älteste erhaltene Vertreter dieses Typs in Nordrhein-Westfalen, 1993 war dann auch die Sanierung von Erin 3 samt seiner maschinellen Ausstattung abgeschlossen.
Auf Messers Schneide

Dem Ehepaar Adams ist es zu verdanken, dass die ehemalige Besteckfabrik in Fleckenberg erhalten und Besuchern zugänglich gemacht werden konnte.
Zusammen mit dem Fleckenberger Heimatverein hauchten Luise und Reinhard Adams der alten Anlage neues Leben ein und eröffneten dort ein Museum.Mönche, Eisen und Bauern
Für ein besonders ehrgeiziges Projekt hat der Förderverein Kloster Bredelar eine Auszeichnung mit dem "WegWeiser" erhalten: Hier geht es um den Erhalt eines ehemaligen Zisterzienserklosters in Marsberg mit einer höchst wechselvollen Geschichte.

Der Förderverein Kloster Bredelar wurde mit den "WegWeiser" für den Erhalt des ehemaligen Zisterzienserklosters in Marsberg ausgezeichnet.Dass das ehemalige Kloster vor dem Verfall bewahrt und neuen Nutzungen zugeführt werden konnte, ist in erster Linie ein Verdienst des Bredelarer Fördervereins und seines Vorsitzenden Dr. Franz-Josef Bohle. Das Kloster befindet sich heute weitgehend im Besitz des Vereins, der die denkmalgeschützten Gebäude in Teilen restauriert und durch Veranstaltungen und Veröffentlichungen sowohl für historische Erinnerung als auch für lebendige Aktivitäten sorgt.
Die Everglades am Niederrhein
Als der Förderverein NRW-Stiftung den "WegWeiser" erstmals für ein Naturschutzprojekt vergab, erhielt 2005 das Team vom Naturschutzzentrum Gelderland im Kreis Kleve den Zuschlag. Monika Hertel und ihre Mitstreiter setzen sich seit vielen Jahren für das Naturschutzgebiet Fleuthkuhlen bei Issum ein.
Anfang der 90er-Jahre begann die NRWStiftung, in dem Naturschutzgebiet entlang der Issumer Fleuth Flächen für die Ziele des Naturschutzes zu erwerben. Als bei der Pflege und Entwicklung des Gebietes Fachwissen und persönlicher Einsatz gefragt waren, nahm Biologielehrerin Monika Hertel kurz entschlossen die Hebel in die Hand. Seit nunmehr 15 Jahren steckt sie, die in einer Gesamtschule in Dinslaken unterrichtet, einen Großteil ihrer Freizeit in die Naturschutzarbeit.

Das Team vom Naturschutzzentrum Gelderland im Greis Kleve um Monika Hertel, Biologielehrerin und Leiterin des Zentrums.Tatkräftige Hilfe bekommt Monika Hertel von rund einem Dutzend ehrenamtlicher NABU-Mitarbeitern wie Theo Mohn und Hermann-Josef Windeln – beide ebenfalls Lehrer. Während die Herren hauptsächlich "im Außendienst" tätig sind und sich um die Aufstellung von Krötenzäunen, die Kontrolle und die Säuberung von Schleiereulenkästen und die Wochenstuben von Kleinen Abendseglern (Fledermaus-Nistkästen) kümmern, muss Monika Hertel viel Zeit am Schreibtisch für die Verbandsarbeit aufbringen. "Ein bisschen neidisch bin ich schon, wenn mir andere von ihren Fledermausfunden erzählen", sagt sie, "aber als Vorsitzende des NABU Kleve und Leiterin des Naturschutzzentrums Gelderland muss ich mich auch um die nötigen organisatorischen Dinge kümmern." Den "WegWeiser" hat sie übrigens nicht auf ihren Schreibtisch gestellt, der steht mitten auf dem Besprechungstisch, weil er eben für das ganze Team ist.
Text: Waltraud Ridder
Fotos: Lars Langemeier, Werner Stapelfeldt, Guido Anacker
Quelle: Stiftungsmagazin 2/2006




