RUND UM DIE KRICKENBECKER SEEN

VIEL ZU SEHEN AN DEN SEEN!

Bei einem Wochenendausflug ins Gebiet der Krickenbecker Seen kann man zwischen den Nettetaler Ortsteilen Leutherheide und Hombergen gleich vier niederrheinische Einrichtungen kennenlernen, die von der NRW-Stiftung gefördert werden.

Das Infozentrum der Biostation ist gleich nebenan.
Das Infozentrum der Biostation ist gleich nebenan.
Um zu verstehen, wie die Landschaft der Krickenbecker Seen entstanden ist, lohnt zunächst ein Besuch des Informationszentrums der Biologischen Station. Es liegt direkt am Hinsbecker Bruch, dem größten Gewässer im Gebiet der Krickenbecker Seen. Auf Karte oder Luftbild erinnert deren Anordnung an ein Kleeblatt, mit Schloss Krickenbeck in der Mitte. Bei allen vier Seen handelt es sich um ausgedehnte ehemalige Torfstiche, die durch die Umleitung des Flüsschens Nette im 18. Jahrhundert geflutet wurden.



Abgesoffene Torfstiche

Der Steg eröffnet beste Vogelperspektiven über die Seefläche des Hinsbecker Bruchs.
Der Steg eröffnet beste Vogelperspektiven über die Seefläche des Hinsbecker Bruchs.
Die Dauerausstellung zeigt auch, wie die Niedermoorregion ursprünglich aussah. Das Landschaftsmodell beginnt bei der Anlage der ersten Flachskuhlen um 100 nach Christus und reicht bis zum heutigen Naturschutzgebiet. Schaukästen, Infotafeln und animierte Projektionen stellen die Artengemeinschaften der Seen, Röhrichte und Sumpfwälder vor und zeigen, wie sie geschützt werden. Doch auch die modernste Computergrafik kann nicht das eigene Erleben ersetzen. Der Gang durch die Ausstellung lässt sich gut ergänzen mit einer Rundwanderung entlang der Seen durch das Ensemble aus Weiden, Wald und Wasser. Mit einem Fernglas kann man von einem erhöhten Steg am Ufer die Vögel auf dem Hinsbecker Bruch bequem beobachten. Oder planen Sie einen halben Tag extra ein, und lassen Sie sich von den Fachleuten der Biostation auf eine Exkursion zu Bibern oder Blaukehlchen entführen!

Weben und Wirken in der Scheune

Dort wird Flachs gehechelt, gesponnen und Leinen gewebt.
Dort wird Flachs gehechelt, gesponnen und Leinen gewebt.
Eine Sammlung funktionstüchtiger Werkzeuge und Maschinen erwartet Besucher im Textilmuseum.
Eine Sammlung funktionstüchtiger Werkzeuge und Maschinen erwartet Besucher im Textilmuseum.
Nur fünf Gehminuten vom Infozentrum und Seeufer entfernt liegt der denkmalgeschützte Fachwerkhof Alt Kämpken aus dem 17. Jahrhundert. Er beherbergt ein originelles Textilmuseum, das auf eine private Initiative zurückgeht. Die Sammlung funktionstüchtiger Werkzeuge und Maschinen dokumentiert rheinische Handwerksgeschichte, vom manuellen Spinnen, Weben und Wirken für den Eigenbedarf bis zur vorindustriellen Tuchfertigung. Ein über Lochkarten programmierbarer Jacquard-Webstuhl aus jener Zeit markiert diesen Übergang. Schafwolle und der niederrheinische Flachsanbau bildeten die Grundlagen, die Nettetal im 18. Jahrhundert zu einem Zentrum für die Samtweberei machten. Die Nettetaler selbst waren zwar nie auf Samt gebettet, aber die gute Qualität ihrer Produkte und die Nachfrage nach dem Luxusstoff brachte dem Ort einen bescheidenen Wohlstand.

Musterhaus für Mäusejäger

An der Baumtafel lernen wie, was wächst.
An der Baumtafel lernen wie, was wächst.
Die nächste Perle in der Kette der Einrichtungen liegt nur zwei Kilometer südlich in Sichtweite des Großen De Wittsees. Wer sehen möchte, wie man biologische Vielfalt in den eigenen Garten lockt, der ist hier beim NABU-Naturschutzhof richtig. Nisthilfen für Wildbienen und höhlenbrütende Singvögel, Blütenpflanzen, die wie Magneten auf Schmetterlinge wirken, Empfehlungen für Gartenteiche, Hecken und Obstgehölze, Kompostwirtschaft und Baubiologie – all das findet man im 1,5 Hektar großen Außenbereich des Hofes, in dem geh- oder sehbehinderte Menschen besonders willkommen sind. Buchstäblich überragend auf dem jederzeit zugänglichen Außengelände ist der sogenannte Lebensturm, eine hölzerne Pagode mit Musterwohnungen für heimische Turmfalken, Bachstelzen, Bienen und Hummeln.

Eng verflochten: Handwerk und Natur

Alles aus dem Garten: Weidenruten als Rohstoff.
Alles aus dem Garten: Weidenruten als Rohstoff.
Auch im Landschaftshof Baerlo begegnet man typischen Niederrheinern. Die Arbeitsgemeinschaft Biotopschutz im Kreis Viersen e.V., die seit vielen Jahren Landschaftspflege und Umweltpädagogik miteinander verbindet, hat das Thema Kopfweiden in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gerückt. In der Ausstellung "Weide und Korb" zeigt sie Gerätschaften und Gebrauchsgegenstände aus Weidenruten, vom Brot- bis zum Bienenkorb, vom Kinderwagen bis zur Kiepe. Durch die traditionellen Korbwaren ist zugleich auch die praktische Naturschutzarbeit mit dem Landschaftshof eng verflochten. Denn Kopfweiden, die den Charme der niederrheinischen Landschaft entscheidend prägen, verdanken ihre Existenz nun mal dem alten Handwerk. Regelmäßig finden Kurse zum Weidenschnitt im weitläufigen Außengelände statt. Dort kann man Farbe und Flexibilität der nachwachsenden Rohstoffe schon an der lebenden Pflanze vergleichen. Das Korbflechten lernen Interessierte in der neu eingerichteten Flechtwerkstatt. Auf einer Planke, dem klassischen Sitz der Korbflechter, übt man den richtigen Umgang mit den einfachen Werkzeugen und den biegsamen Ruten.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 1/2012





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Gleich vier Einrichtungen an den Ufern der Krickenbecker Seen konnten in den vergangenen Jahren von der NRW-Stiftung gefördert werden. Wir empfehlen, vor einem Besuch der Stationen in deren Veranstaltungsprogramme zu schauen, dort gibt es regelmäßig auch Vorführungen oder Mitmachaktionen.

Infozentrum Krickenbecker Seen, Krickenbecker Allee 36, 41334 Nettetal, Tel.: (02153) 912909, www.bsks.de/infozentrum.html

Textilmuseum "Die Scheune", Krickenbecker Allee 21, 41334 Nettetal, www.textilmuseum-die-scheune.de

NABU-Naturschutzhof Nettetal, Sassenfeld 200, 41334 Nettetal, Tel.: (02153) 89374

Landschaftshof Baerlo, Baerlo 14a,
41334 Nettetal-Leutherheide, Tel.: (02153) 972972

Öffnungszeiten und Angebote der vorgestellten Einrichtungen finden Sie auch über die Internetseite des Naturparks Maas-Schwalm-Nettte (www.naturpark-msn.de – dann "Naturpark erleben" und "Infozentren" anklicken)

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