KINDER ERLEBEN NATUR

RAUS IN DIE NATUR!

Die Kinder vom Bedburger Waldkindergarten haben viel Spaß beim Werkeln an der frischen Luft.
Die Kinder vom Bedburger Waldkindergarten haben viel Spaß beim Werkeln an der frischen Luft.
Wenn es um die Zukunft des Naturschutzes geht, werden immer wieder zwei Feststellungen bemüht: Frühe Schlüsselerlebnisse im Kindesalter sind besonders wichtig, um das Interesse an den Zielen des Naturschutzes zu wecken. Und zugleich wird – besonders von den Medien – eine zunehmende Naturferne von Kindern und Jugendlichen beklagt. Diese Diagnose mag ihre Berechtigung haben, doch hilft Jammern alleine nicht weiter. Dabei ist es durchaus möglich, Kinder und Jugendliche über die üblichen Angebote der Schulen und Kindergärten hinaus für die Natur zu begeistern, wie einige Fördermaßnahmen der NRW-Stiftung beispielhaft zeigen.


Seit 1997 schreckt uns regelmäßig der "Jugendreport Natur" auf. Anfangs mochte man über "lila Kühe" und "gelbe Enten" noch schmunzeln. In der darauffolgenden Studie machte das "Bambi-Syndrom" nachdenklich: Kinder gaben an, ohne Natur nicht leben zu können, nahmen sich selbst jedoch hauptsächlich nicht als Naturwesen, sondern als "Störfaktor" wahr. Die Verklärung der Natur als hilflos, harmonisch und schön führt zu einer Berührungsscheu und Naturentfremdung, was der Entwicklung einer inneren Naturbindung kaum dienlich sein dürfte. Fragen nach heimischen Arten ließen so auch nicht auf fundierte Kenntnisse schließen: Nicht einmal ein Viertel der Kinder konnte fünf Kräuter benennen, bei den Zehnjährigen kannte kaum jemand drei Zugvögel beim Namen und Blätter heimischer Bäume vermochte fast kein Kind richtig zu bestimmen.

Und auch der aktuelle Jugendreport 2010 fördert manch erstaunliche Kenntnis zutage: Für viele der 3.000 befragten jungen Menschen im Alter von elf bis 15 Jahren geht etwa die Sonne im Norden auf und ein Huhn legt drei Eier pro Tag. Während viele Eltern und Großeltern in ihrer Kindheit noch relativ große Freiräume für eigene Naturerfahrungen hatten, beklagte der "Jugendreport" schon 2003 die zunehmende Entwicklung vieler Kinder in den engen Grenzen selbst geschaffener Kunstwelten zwischen PC-Bildschirmen, voll klimatisierten Autos, TÜV-geprüften Klettergerüsten und durchgestylten Geburtstagsfeiern. Der beständigen Aufforderung, endlich nach draußen zu gehen, stehen zudem Eltern gegenüber, denen schon bei einer überschaubaren Kletterpartie ihrer Sprösslinge draußen der Angstschweiß ausbricht – selbstbestimmte Naturerfahrungen sind so nur schwer möglich.


Vielfältige Angebote

Den Nachwuchs mit vielfältigen Angeboten für den Naturschutz begeistern.
Den Nachwuchs mit vielfältigen Angeboten für den Naturschutz begeistern.
Dabei stehen Kinder als Zielgruppe bei allen Naturschützern hoch im Kurs: Die Naturschutzverbände und Umweltorganisationen im Land bemühen sich mit vielfältigen Angeboten um den Nachwuchs. So etwa Andrea Schaupp von der BUNDjugend NRW, die auf direkte Naturerfahrungen im Kindesalter setzt: "Bei unseren Naturerlebniswochen erkunden Kinder spielerisch Bäche, Bäume und Böden und sehen, wie artenreich und vielfältig die sie umgebenden Ökosysteme sind. Dadurch lernen sie, den Wert der verschiedenen Lebensräume zu schätzen, was Grundvoraussetzung ist, um diese schützen zu wollen."

Die BUND-Bildungsreferentin unternahm als Kind selbst viele Streifzüge durch Wälder und Wiesen und hält den Schutz der Natur seither für außerordentlich wichtig. Auch die NABU-Jugendorganisation NAJU bietet in NRW ein breites Spektrum an Seminaren und Freizeiten mit praktischer Naturschutzarbeit für Kinder- und Jugendgruppen an, um unter sachkundiger Anleitung unmittelbare Naturerlebnisse zu ermöglichen: Mal wird im Frühjahr der Lebensraum für sonnenhungrige Eidechsen frei geschnitten, mal werden die Winterquartiere für die Zwergfledermaus auf Vordermann gebracht und für Frühaufsteher gibt es Exkursionen zur Bestimmung heimischer Vogelarten.

Kinder und Jugendliche lernen, wie sie unsere Natur schützen können.
Kinder und Jugendliche lernen, wie sie unsere Natur schützen können.
Katharina Glaum, Jugendbildungsreferentin der NAJU, sieht aktuell einen Schwerpunkt der Kinder- und Jugendarbeit im Artenschutz: "Kinder und Jugendliche sollten früh lernen, welche Tiere und Pflanzen selten sind, warum sie selten sind und wie sie geschützt werden können. Das erreichen wir beispielsweise mit Exkursionen oder mit Arbeitseinsätzen, wobei heutzutage etwa Wanderungen mit GPS-Systemen das Interesse von Kindern zusätzlich wecken können." Der Abenteuer-Aspekt darf aber nicht zu kurz kommen – Kinder sind besonders an "survival" interessiert: "Holz schnitzen, Waldsofas bauen, in der Wildnis kochen und sich im Wald nachts orientieren gefällt vielen Kindern." Auch Katharina Glaum zeigte früh Interesse am Naturschutz, weil die Pflanzen im elterlichen Garten eine wichtige Rolle in ihrer Kindheit spielten.

NEUE WILDNIS IN DEN STÄDTEN

Mit der Biologischen Station Östliches Ruhrgebiet nehmen Kinder das Gelände der ehemaligen Eisengießerei Beien in Herne-Mitte in Besitz.
Mit der Biologischen Station Östliches Ruhrgebiet nehmen Kinder das Gelände der ehemaligen Eisengießerei Beien in Herne-Mitte in Besitz.
Auch die Biologischen Stationen in NRW haben Kinder und Jugendliche als wichtige Zielgruppe längst ausgemacht: Das Netzwerk der Biologischen Stationen im Rheinland etwa vermittelt "Niepkuhlenbiotop- Patenschaften", bei denen Schulklassen eines Krefelder Gymnasiums Pflege- und Entwicklungsarbeiten an den Uferabschnitten der Niepkuhlen übernehmen. Unter nicht gerade einfachen Rahmenbedingungen gibt es im Ballungsraum im Ruhrgebiet aktuell das Projekt "Wildnis für Kinder" der Biologischen Station Östliches Ruhrgebiet. Gerade in den großen Städten ist es für viele Kinder schwer, Zusammenhänge der Natur zu sehen und im wahrsten Wortsinn zu begreifen.


Ein zugewachsener Lärmschutzwall wird zur "Wildnis für Kinder".
Ein zugewachsener Lärmschutzwall wird zur "Wildnis für Kinder".
Die Biologische Station Östliches Ruhrgebiet lässt deshalb jetzt auf dem rund zwei Hektar großen Beiengelände rund um das Haus der Natur in Herne und auf einigen ausgesuchten Brachflächen in Bochum eine neue "Wildnis" entstehen: In Herne werden auf einem zugewachsenen Lärmschutzwall Trampelpfade und Lichtungen in das undurchdringliche Dickicht geschnitten und an der Kindertagesstätte "Phantasia" wird eine Matschzone eingerichtet. Im Frühjahr trafen sich neugierige Kinder mit Mitarbeitern der Biologischen Station, um das Gelände erst einmal aufzuräumen, bevor die Landschaft mit selbst gepflanzten Büschen, Hecken und Bäumen zu einer urbanen "Wildnis" entwickelt wird.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden im Ruhrgebiet zahlreiche alte Industrieflächen stillgelegt, die man heute Kindern zur Verfügung stellen könnte. Darin sieht Jürgen Heuser, Leiter der Biologischen Station, eine große Chance: "Auf den neuen innerstädtischen Brachflächen, die oft nicht wirtschaftlich genutzt werden können, entsteht an vielen Stellen neue Wildnis." Der ideale Raum für kindliche Naturerlebnisse, die auch Heuser selbst geprägt haben: "Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich oft spät nach Hause gekommen bin, weil ich erst noch auf einen Baum klettern oder einen Schmetterling entdecken wollte." Heuser setzt auf den eigenen Antrieb der Kinder: "Der Naturschutz selbst profitiert davon: Denn die Wertschätzung für Natur entwickelt sich am leichtesten und tiefsten während ausgiebiger Naturkontakte in der Kindheit."

Naturkunde im Baumhaus

Im Baumhaus Neuenbeken finden Schülerinnen und Schüler ideale Bedingungen mitten in der Natur.
Im Baumhaus Neuenbeken finden Schülerinnen und Schüler ideale Bedingungen mitten in der Natur.
Ortswechsel: Neuenbeken ist ein Stadtbezirk von Paderborn am Westrand des Eggegebirges. Dessen grüne Höhen haben die Grundschüler im Blick, wenn sie im Baumhaus einen Naturkundeunterricht der besonderen Art genießen dürfen. Unter idealen Bedingungen lernen sie mit allen Sinnen in der Natur, von der Natur und über die Natur, während Eichhörnchen durch die Äste turnen und das Vogelgezwitscher die Stimme der Lehrerin übertönt. Ein Wald und der Bachlauf der Beke laden in unmittelbarer Nähe zu spannenden Entdeckungsreisen ein. Das Baumhaus wurde an mehreren Bäumen in einer Höhe zwischen etwa zwei und sieben Metern angebracht, und es bietet Platz für eine komplette Schulklasse.

Als Vorstandsmitglied der Abteilung Neuenbeken im Eggegebirgsverein ist Wolfgang Lütkemeier stolz auf das 2008 eröffnete "Klassenzimmer im Grünen": Das Baumhaus gilt als Musterbeispiel für einen gelungenen außerschulischen Lernort, und es ist zudem eine echte Gemeinschaftsproduktion, für die sich vor allem die Senioren des Ortes mächtig ins Zeug gelegt haben. Nach den Plänen eines Statikbüros verarbeiteten sie in rund 2.600 Arbeitsstunden 65 Kubikmeter Lärchenholz, 30 Kubikmeter Eichenholz, 350 Liter Farbe und über 14.000 Schrauben – alles ehrenamtlich, versteht sich.

Die nur 15 Fußminuten entfernte Grundschule Neuenbeken hat das Haus in ihre Obhut genommen, dort können sich auch Lehrerinnen und Lehrer von anderen Schulen melden, die ihren Kindern einen unvergleichlich praxisnahen und konkreten Unterricht bieten wollen.

Erfolgsmodell grünes Klassenzimmer

Auf dem Gelände der Landesgartenschau in Hemer entstand ein gern genutztes Angebot mit Unterstützung des Naturschutzzentrums Arche Noah in Menden und des Vereins "Grünes Klassenzimmer e. V."
Auf dem Gelände der Landesgartenschau in Hemer entstand ein gern genutztes Angebot mit Unterstützung des Naturschutzzentrums Arche Noah in Menden und des Vereins "Grünes Klassenzimmer e. V."
Auch das Grüne Klassenzimmer in Hemer zeugt davon, dass Unterrichtseinheiten über die Natur am besten in die Natur verlegt werden: Das "Klassenzimmer" war eine der großen Attraktionen während der Landesgartenschau 2010 im märkischen Hemer, wo knapp 24.000 Schüler Kurse wie "Wasserreise durch Himmel und Erde" auf dem Stundenplan hatten. Seit Abschluss der Gartenschau wird das Grüne Klassenzimmer vom Sauerlandpark weitergeführt. "Mit rund 2.000 Teilnehmern im Jahr 2011 sind wir durchaus zufrieden", sagt Eva Diepes vom Sauerlandpark. Der Ruf dieses besonderen Lernortes reicht mittlerweile weit über die nähere Umgebung hinaus: Auch Klassen aus Witten, Hagen oder Lüdenscheid werden hier von ihr begrüßt. "Die Kinder sollen bei uns möglichst viel selber machen. Dabei setzen wir auf ein Miteinander, wenn die Kinder etwa Schmetterlinge, Insekten, Gliederfüßer und andere Bodentiere entdecken und bestimmen. Gerade für Kinder aus schwierigen Lebensverhälltnissen ist das Grüne Klassenzimmer eine wunderbare Gelegenheit, in der Gruppe intensive und nachhaltige Naturerfahrungen zu erleben."

Regenwurmterrarien und Regenwasserzisterne

Die Station Natur und Umwelt in Wuppertal trägt ihre Ziele im Namen. Mitten in einem Naturlehrgebiet setzt das moderne Holzhaus neue Maßstäbe im ökologischen Bauen.
Die Station Natur und Umwelt in Wuppertal trägt ihre Ziele im Namen. Mitten in einem Naturlehrgebiet setzt das moderne Holzhaus neue Maßstäbe im ökologischen Bauen.
Seit 1984 gibt es die Station Natur und Umwelt in Wuppertal. Jedes Jahr nutzen über 25.000 Besucherinnen und Besucher die zahlreichen Angebote im sieben Hektar großen Naturlehrgebiet, im benachbarten Gelpetal sowie im neuen Stationsgebäude. Das 2009 eröffnete Holzhaus mit Solaranlage, Regenwasserzisterne und begrüntem Dach ist zudem ein Musterbeispiel ökologischen Bauens. "Seitdem wir das neue Gebäude haben, können wir neben den Naturschutzthemen in unseren Kursen auch das Thema Energie auf vielfältige Art angehen", freut sich Dr. Katja Hombrecher, die Leiterin der Station. Auch sie ist selbst in einem naturverbundenen Haushalt aufgewachsen und hat als Kind "sehr viel im Wald gespielt". Manche Kinder begleitet sie schon über viele Jahre und beobachtet dabei regelmäßig: "Es ist enorm wichtig, bereits im zarten Alter die Grundsteine für ein intensives Verhältnis zur Natur zu legen." Dafür werden zusammen mit den Kindern etwa die Wanderwege von Erdkröten und Grasfröschen gesichert, "Hotels" für Wildbienen gebaut, Molche und Kaulquappen im hauseigenen Teich beobachtet und Terrarien für Regenwürmer gebaut, die nach ein paar Tagen dann wieder in die Freiheit entlassen werden.

Kultur und Natur verknüpfen

Das Naturschutzgebiet um die Burg Ravensburg beherbergt viele Tier- und Pfanzenarten.
Das Naturschutzgebiet um die Burg Ravensburg beherbergt viele Tier- und Pfanzenarten.
Hoch oben auf der Bergkuppe des Teutoburger Waldes bietet das "Grüne Klassenzimmer" der Burg Ravensberg überdachte Plätze für bis zu 150 Personen und zudem einen idealen Ort für die Kombination von Natur- und Kulturthemen: Der 20 Meter hohe Bergfried ist als Wahrzeichen der Region ohnehin ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen, die von diesem Denkmal aus eine einmalige Aussicht in den Teutoburger Wald haben. Das Naturschutzgebiet besitzt zudem eine europaweite Bedeutung und beherbergt in seinen ausgedehnten Buchenwäldern viele seltene Tier- und Pflanzenarten, darunter fast alle in Deutschland vorkommenden geschützten Fledermausarten.

Manchmal trauen sich Salamander und Kröte sogar auf die Burg.
Manchmal trauen sich Salamander und Kröte sogar auf die Burg.
Im Teutoburger Wald leben viele Amphibien wie dieser Feuersalamander.
Im Teutoburger Wald leben viele Amphibien wie dieser Feuersalamander.
Den umgebauten Fachwerkkotten am Fuß der Burg nutzten 2011 rund 3.300 Kinder und Jugendliche, die sich neben selbst inszenierten Theaterstücken zur Burggeschichte hier auch mit Fledermäusen, Feuersalamandern und Erdkröten beschäftigen. Was der Amphibien- und Reptilienexperte Armin Bauer von der Stiftung Burg Ravensberg gut verstehen kann: "Ich habe selber seit meiner Kindheit ein Faible für Kröten und Lurche." Er bietet den Besuchern des Grünen Klassenzimmers die Chance, hier ähnlich nachhaltige Naturerfahrungen zu machen.



Umweltschutz mit Rad und Karte

Neben Broschüren, Informationstafeln und Faltblättern kann der Wassererlebnispfad Dalke auch mit einem Bollerwagen erkundet werden, der für Schulklassen und Gruppen Instrumente für Wasseruntersuchungen bietet.
Neben Broschüren, Informationstafeln und Faltblättern kann der Wassererlebnispfad Dalke auch mit einem Bollerwagen erkundet werden, der für Schulklassen und Gruppen Instrumente für Wasseruntersuchungen bietet.
Nicht weit von Borgholzhausen entfernt hat die Umweltstiftung Gütersloh mit Partnern aus dem städtischen Bereich, der Wirtschaft, Verbänden, Vereinen und interessierten Bürgern einen innovativen Ansatz für einen außerschulischen Lernort umgesetzt: Mit Fahrrad, Karte und Infobroschüre sind hier ganze Schulklassen seit 2011 auf dem "Wassererlebnispfad" unterwegs. Von den 20 geplanten Stationen entlang der Dalke sind zurzeit mehr als ein Dutzend fertiggestellt. Wer an den Informations-Stellen und blauen Pflasterquadraten hält, erfährt alles über die Renaturierung der Dalke oder über das Naturschutzgebiet "Große Wiese" mit seinen gefährdeten Sumpfpflanzen, Wat- und Wasservögeln, Heuschrecken und Libellen.

Dr. Jürgen Albrecht vom Fachbereich Umweltschutz der Stadt Gütersloh ist froh über die große Nachfrage: "Die Broschüre war schnell vergriffen, wir müssen jetzt rasch nachdrucken" – auch das ist sicher ein gutes Zeichen für die Akzeptanz eines Angebotes, das als außerschulischer Lernort noch an Bedeutung gewinnen wird.

Waldwichtel: Der Name bestimmt das Programm

Waldwichtel in Aktion, auch bei schlechtem Wetter. Bei Regen finden die Kinder in der "Wichtelhütte" Unterschlupf, die mithilfe der NRW-Stiftung gebaut wurde.
Waldwichtel in Aktion, auch bei schlechtem Wetter. Bei Regen finden die Kinder in der "Wichtelhütte" Unterschlupf, die mithilfe der NRW-Stiftung gebaut wurde.
Die aktuelle UN-Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung rückt die Bedeutung frühkindlicher Umweltbildung ebenfalls zunehmend ins öffentliche Bewusstsein. So verbreitet sich die aus Skandinavien kommende Idee des Waldkindergartens auch bei uns, mittlerweile gibt es in Deutschland mehrere Hundert solcher Einrichtungen.

Nach der Gründung des Vereins "Waldwichtel e. V." wurde im Sommer 2006 der gleichnamige Waldkindergarten in Bedburg eröffnet, seit 2010 bietet der Waldkindergarten auch Plätze für Kinder unter drei Jahren an. Die Kinder und ihre Betreuerinnen sind täglich bei nahezu jedem Wetter zwischen fünf und sieben Stunden im Wald. Nur bei extremen Temperaturen, Sturm oder starken Niederschlägen nutzen die "Waldwichtel" ein Holzhaus mit Aufenthaltsräumen und sanitären Einrichtungen.

Der Tagesablauf mit Essen, Spielen und Basteln ähnelt dem anderer Kindergärten. Das Programm richtet sich nach den jahreszeitlichen Besonderheiten in der Natur. Kälte oder Nässe machen den "Waldwichteln" nichts aus, und die spannenden Begegnungen mit Tieren und Pflanzen führen zu einer tiefen Naturverbundenheit. "Unsere Kinder erleben jeden Tag als neues Abenteuer und möchten mittags oft nicht mehr nach Hause", erzählt Oksana Stang, die Leiterin des Kindergartens. Diesen Kindern müsse man später die Notwendigkeit von Natur- und Umweltschutz nicht mehr erklären, sind die Erzieherinnen und Erzieher überzeugt.

Der Bedburger Waldkindergarten und alle anderen Einrichtungen dieser Art folgen damit einer Empfehlung, die zwar wie die Richtlinie eines Schulministeriums klingt, tatsächlich aber schon über 90 Jahre alt ist: "Heraus aus der Schulstube!" betitelte schon 1922 der Pädagoge und Kinderliedkomponist Cornel Schmitt eines seiner Werke. Darin schrieb er in seiner Einleitung "Wie ich meine Jungen zu einer Naturschutztruppe erzog [...]" und brachte auf den Punkt, worauf es bei allen theoretischen Überlegungen ganz besonders ankommt: "Aber es gilt, auf den Wanderungen nicht nur Material zu sammeln. Es muss auch das Herz dabei sein. Der für die Natur begeisterte Lehrer wird auch die Mehrzahl seiner Schüler mit fortreißen. Wie überall! Und wenn Augen und Ohren weit geöffnet sind für das Schöne in der Natur, dann findet es ganz von selbst auch den Weg zum Herzen."

Text: Bernd Pieper Fotos: Armin Bauer, Nils Bentlage, Frank Grawe, Lars Langemeier, Werner Stapelfeld, Simon Wiggen/WAZ

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 1/2012





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Die NRW-Stiftung unterstützte mehrfach Maßnahmen zur Einrichtung "Grüner Klassenzimmer" und zu einer naturnahen Gestaltung von Kindergärten. Sie unterstützte zudem die Herausgabe einer Praxisbroschüre für die Ausbildung von Kindergärtnerinnen mit dem Titel "Natur rund um den Kinder-Garten". Die daraus entstandene Nachfolgebroschüre "Natur-Spiel-Räume für Kinder" kann bei der Natur- und Umweltakademie NUA, Siemensstraße 5 in 46459 Recklinghausen bezogen werden.

www.nua.nrw.de

Die beschriebenen Beispiele wurden alle von der NRW-Stiftung unterstützt. Nähere Informationen gibt es bei den Trägern:

Baumhaus Neuenbeken (betreut von der Grundschule Neuenbeken)
www.Paderborner-Naturschule.de

Wildnis für Kinder (betreut von der Biologischen Station Östliches Ruhrgebiet e. V.)
www.biostation-ruhr-ost.de

Grünes Klassenzimmer Hemer (betreut vom Sauerlandpark Hemer) www.hemer/sauerlandpark/

Grünes Klassenzimmer Borgholzhausen (betreut von der Stiftung Burg Ravensberg)
www.burg-ravensberg.de

Station Natur und Umwelt Wuppertal
Jägerhofstraße 229
42349 Wuppertal
www.stnu.de

Wassererlebnispfad Dalke (betreut von der Umweltstiftung Gütersloh) www.umweltstiftung-guetersloh.de

Kindergarten Waldwichtel (betreut von Waldwichtel Bedburg e.V.) www.waldwichtel-bedburg.de

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