NATUR-HEIMAT-KULTUR

25 JAHRE NRW-STIFTUNG

Als Vorsitzender des Stiftungsrates nahm Johannes Rau am 3. September 1991 den Schlüssel zum restaurierten "Haus der Stiftungen" in Düsseldorf entgegen. Im Hintergrund rechts der erste Präsident der NRW-Stiftung, Dr. Diether Deneke, und der Sekretär der 1990 gegründeten Kunststiftung NRW, Reinhard Linsel.
Als Vorsitzender des Stiftungsrates nahm Johannes Rau am 3. September 1991 den Schlüssel zum restaurierten "Haus der Stiftungen" in Düsseldorf entgegen. Im Hintergrund rechts der erste Präsident der NRW-Stiftung, Dr. Diether Deneke, und der Sekretär der 1990 gegründeten Kunststiftung NRW, Reinhard Linsel.
In der ersten Hälfte der 1980er Jahre gab es unter Landespolitikern um den früheren Kultusminister Hans Schwier erste Überlegungen, für das Bundesland Nordrhein-Westfalen eine private Stiftung zu gründen, die den Naturschutz und die Belange der Kulturförderung gleichermaßen unter einem Dach vereint und dabei auf ein "Mitmachen" aus der Bevölkerung setzt. Vorbild hierfür war der altehrwürdige, Ende des 19. Jahrhunderts gegründete National Trust in Großbritannien, der vor allem in den 1970er Jahren einen enormen Zulauf verzeichnen konnte und auf der Insel bereits zahlreiche Burgen, Schlösser, Herrenhäuser und wichtige Denkmäler sowie – damals schon – über 200.000 Hektar geschützter Landschaftsflächen in sein Eigentum übernommen hatte.

In seiner Regierungserklärung von 1985 kündigte der damalige NRW- Ministerpräsident Johannes Rau an: "Wir werden die Grundlage für eine Stiftung‚ Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege schaffen. Ähnlich dem National Trust in England wollen wir die Eigeninitiative unserer Bürger für Natur, für Kultur und für ihre Heimat herausfordern. Denn nicht alles kann, nicht alles soll der Staat allein machen". Man wollte damit der zu jener Zeit stark zunehmenden Bedeutung des Naturschutzgedankens Rechnung tragen, man wollte Heimatvereinen und ehrenamtlichen Denkmalschützern mehr Gewicht geben und zugleich deutlich machen, dass mit dem Begriff "Heimat" Naturschutz und Kultur eng verbunden sind.



Heimat als Verbindung von Natur und Kultur

Erfolgreiches Projekt aus dem Gründungsjahr:wild lebende Störche an der Weser
Erfolgreiches Projekt aus dem Gründungsjahr:wild lebende Störche an der Weser
Zum 40. Geburtstag des Landes NRW am 9. September 1986 setzte die Landesregierung diese Pläne in die Tat um und gründete die "Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege". Ihr Name ist bis heute Programm: Von Anfang an setzte diese Stiftung gleichermaßen auf Partnerschaft mit ehrenamtlichen Denkmalpflegern und Naturschutzvereinen und -verbänden, auf gemeinsame Zusammenarbeit mit Kulturförderern und den in den 1990er Jahren gegründeten Biologischen Stationen.

Diese themenübergreifende Aufgabenverbindung stellt "Heimat" als eine gewachsene Kulturlandschaft in den Mittelpunkt. Es ist ein Heimatbild einer von Menschen gestalteten Landschaft, in der wir in der Natur und in gebauten Denkmalern, aber auch in Sprache, Musik und Bildern Spuren hinterlassen haben. Bis heute hat die NRW-Stiftung mit diesem ganzheitlichen Anspruch, mit dieser thematischen Verbindung von Natur und Kultur, ein Alleinstellungsmerkmal unter vergleichbaren Stiftungen in Deutschland.



Johannes Rau bei der "Schatzsuche 1996" anlässlich des 10. Geburtstag der NRW-Stiftung.
Johannes Rau bei der "Schatzsuche 1996" anlässlich des 10. Geburtstag der NRW-Stiftung.
Aus meiner Sicht kann sich die Bilanz der NRW-Stiftung nach dem ersten Vierteljahrhundert durchaus sehen lassen: Rund 2.400 Natur- und Kulturprojekte hat die NRW-Stiftung mit ihren Partnern inzwischen auf den Weg gebracht. Sie hat geholfen, Denkmäler zu restaurieren, Museen und Informationszentren einzurichten. Und sie hat inzwischen rund 5.000 Hektar Land in Eigentum genommen – hier reicht das Spektrum von kleinen Biotopen bis zu großflächigen ehemaligen Truppenübungsplätzen, die heute einen Rückzugsraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten bieten.





Sorgenvoller Blick in die Zukunft

Mit Gründung der NRW-Stiftung wurde 1986 die so genannte "Rubbellos-Lotterie" von WestLotto eingeführt, deren Erträge vor allem in den Anfangsjahren für eine vergleichsweise komfortable Finanzausstattung für die Aufgaben der NRW-Stiftung sorgten. Nach den ersten 25 Jahren sind rund 230 Mio. Euro in Natur- und Kulturförderungen investiert worden. Dies ist eine stolze Summe, doch darf in dieser Bilanz nicht übersehen werden, dass vor allem in den 1990er Jahren die Lotterieerträge zugunsten der NRW- Stiftung deutlich zurückgingen. 2008 hat eine Neuverteilung der Zuwendungen aus Lotterieerträgen immerhin für eine Konsoli- dierung der Fördermittel geführt, doch bräuchte die NRW-Stiftung heute noch deutlich mehr Mittel, um weitere, durchaus wünschenswerte Natur- und Kulturprojekte unterstützen zu können. Im Jubiläumsjahr der NRW-Stiftung geben die aktuellen Entwicklungen des europaweiten Lotteriemarktes und damit verbunden die Erträge für die gemeinnützigen Aufgaben der NRW- Stiftung jedoch eher Anlass zur Sorge.

Zum Abschluss der Restaurierung von Schloss Drachenburg kam der damalige Stiftungsratsvorsitzende Jürgen Rüttgers.
Zum Abschluss der Restaurierung von Schloss Drachenburg kam der damalige Stiftungsratsvorsitzende Jürgen Rüttgers.
Immerhin haben die Gründungsväter seinerzeit der Nordrhein-Westfalen-Stiftung einen eigenen Förderverein an die Seite gestellt, der durch steigende Spenden und Mitgliedsbeiträge zunehmend an Bedeutung gewinnt. Wir sind dankbar, dass wir dieses Standbein haben und nehmen unser Jubiläumsjahr zum Anlass, um gemeinsam mit unserem Förderverein und der Kampagne "Schütze, was Du liebst" um mehr Unterstützung für die Aufgaben der NRW-Stiftung zu werben. Dabei helfen auch Vermächtnisse und treuhänderische Stiftungen, die unter unserem Dach gegründet wurden – dies ist ein Bereich, den wir künftig weiter ausbauen werden.



Motor Ehrenamt

Bundesminister a.D. Jochen Borchert ist seit 2007 <br />
Präsident der NRW-Stiftung.
Bundesminister a.D. Jochen Borchert ist seit 2007
Präsident der NRW-Stiftung.
Ohne das ehrenamtliche, gemeinnützige Engagement, das die Mitglieder der zahlreichen Heimatvereine und Naturschutzvereinigungen in den vergangenen 25 Jahren aufgebracht haben, wären nahezu alle Projekte der NRW-Stiftung schlichtweg nicht denkbar. Dieses bürgerschaftliche Engagement ist der "Motor" vieler Natur- und Kulturprojekte, die uns im lokalen Umfeld eine "liebenswerte Heimat" liefern. Die Summe aller Einzelprojekte gibt wiederum ein umfassendes Bild von einer "liebenswerten Heimat Nordrhein-Westfalen", zu der wir seit 25 Jahren beitragen konnten und gern auch künftig beitragen werden. Dabei werden wir verstärkt auch die mehr als 20 Prozent Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in den Blick nehmen, die in Nordrhein-Westfalen eine Heimat haben.


Ihr

Jochen Borchert

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 1/2011





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