RADIOASTRONOMIE

EIN TELESKOP ALS KLASSENZIMMER

Die selbstgebaute Plastikflaschen-Rakete wird nur durch Luft in den Himmel geschossen.
Die selbstgebaute Plastikflaschen-Rakete wird nur durch Luft in den Himmel geschossen.
Zischend schießt die Plastikflasche in die Luft und zieht dabei einen Schweif aus Wasser hinter sich her. Ein Dutzend begeisterter Kindergesichter unter rot leuchtenden Schutzhelmen verfolgt die Flugbahn der Flasche, die in zehn Metern Höhe vor dem Parabolspiegel des Astropeilers vorbeizieht. Die "Rakete" wurde nur durch Luft in den Himmel geschossen, die die Kinder in die Flasche gepumpt hatten. "Das richtige Gemisch von Luft und Wasser ist bei der ‚Zündung‘ entscheidend", erklärt Horst Niederehe vom Förderverein Astropeiler Stockert e.V. Experimente wie dieses aus dem Bereich der Physik und anderer Naturwissenschaften können Kinder am außerschulischen Lernort Astropeiler erleben.

Ausserschulischer Lernort
Das Radioteleskop Astropeiler in der Eifel dient heute als außerschulischer Lernort.
Das Radioteleskop Astropeiler in der Eifel dient heute als außerschulischer Lernort.
Seit 2009, dem internationalen Jahr der Astronomie, ist das Radioteleskop auf dem Stockert bei Bad Münstereifel-Eschweiler ein außergewöhnlicher Lernort geworden. Das Technikdenkmal ist bestens geeignet, Kindern einen Zugang zu Fächern wie Mathematik, Informatik, Technik und Physik zu verschaffen, den sie vorher nicht hatten. Dazu haben die Mitglieder des Fördervereins eigens die "Arbeitsgemeinschaft Lernort & Bildung" gegründet und Unterrichtspakete für die Vorschule bis zur Sekundarstufe II entwickelt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Praxis. Fernrohre selber bauen, mit einem Sextanten navigieren können macht Unterrichtsfächer plötzlich spannend, die vorher vielleicht eher langweilig und abstrakt waren.

Das Technikdenkmal ermöglicht Schülern leichteren Zugang zu Fächern wie Mathematik und Physik.
Das Technikdenkmal ermöglicht Schülern leichteren Zugang zu Fächern wie Mathematik und Physik.
Physiklehrer aus der Umgebung von Bad Münstereifel führten damals erstmals Unterricht am Astropeiler durch. Die Resonanz darauf war so groß, dass der Förderverein das Angebot ausweiten möchte. Seit der Wiedereröffnung des Astropeilers nach der Restaurierung im Mai 2010 steht ein neuer Unterrichtsraum zur Verfügung, der ausgestattet werden muss. Außerdem sollen weitere Unterrichtspakete entwickelt werden und mehr technisches Equipment für die spannenden Experimente zur Verfügung stehen. Dafür sammelt der Förderverein Spenden – der Clou daran: Jede Spende wird von der NRW-Stiftung verdoppelt.

Vom Prestigeobjekt zum Technikfossil
Experimente und praktische Übungen machen so manches Unterrichtsfach spannend.
Experimente und praktische Übungen machen so manches Unterrichtsfach spannend.
Der Astropeiler selbst blickt übrigens auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die eine Ausstellung im Innenraum dokumentiert. Er wurde 1956 fertiggestellt und war das größte Radioteleskop sowie das teuerste Forschungsprojekt seiner Zeit in NRW. Das einstige Prestigeobjekt der deutschen Wirtschaftswunderzeit diente auch dem Militär zur Erforschung der Radartechnik. 1964 räumte das Militär das Gelände und überließ es den Radioastronomen der Universität Bonn. Im Jahr 2005 erwarb die NRW-Stiftung den baufälligen Astropeiler und begann mit der Restaurierung. Bis dahin war die Zukunft des Technikfossils lange Zeit ungewiss und es stand sogar der Abriss im Raum. Der Niedergang begann 1972 mit dem Bau des leistungsstärkeren Radioteleskops Effelsberg. 1995 zog sich die Universität Bonn ganz vom Stockert zurück. Fast zeitgleich gründete sich der Förderverein Astropeiler Stockert aus Profi - und Amateurastronomen, Funkamateuren und Anwohnern, die sich seitdem um den Erhalt des Technikdenkmals bemühen. Mit dem Kauf und der Restaurierung sowie der neuen Nutzung als außerschulischer Lernort ist dafür ein guter Weg eingeschlagen.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2010





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Die NRW-Stiftung hat auf Antrag des Fördervereins Astropeiler das baufällige Radioteleskop erworben und restauriert. An jedem Sonntag von 14 bis 16 Uhr bietet der Verein allen Interessierten einen Vortrag zur Radioastronomie und zur Geschichte der Sternwarte an. Danach besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch den Astropeiler teilzunehmen.

www.astropeiler.de"_blank">www.astropeiler.de">www.astropeiler.de.

Astropeiler Stockert 1
53902 Bad Münstereifel-Eschweiler
Tel.: 02 25 7/13 70
(Klaus Schlich, Förderverein)

Web: www.astropeiler.de

Der Astropeiler ist in der Regel
Sonntags von 14 - 18 Uhr geöffnet.

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