DER BLAUSCHILLERNDE FEUERFALTER

LUFTIGE FLITZER IN BLAU-METALLIC

Der Blauschillernde Feuerfalter ist der seltenste von sechs in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Arten der Gattung Lycaena (Feuerfalter).
Der Blauschillernde Feuerfalter ist der seltenste von sechs in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Arten der Gattung Lycaena (Feuerfalter).
Er ist ein schillerndes Wesen, flatterhaft und meist blau – was als Charakterisierung eines Menschen wenig schmeichelhaft klänge, lässt als Beschreibung eines Schmetterlings die Herzen von Naturfreunden höherschlagen. Denn der "Blauschillernde Feuerfalter" aus der Familie der Bläulinge gehört in Mitteleuropa zu den absoluten Raritäten und ist auch in Nordrhein-Westfalen hochgradig gefährdet. Am Rand des Hohen Venns, in der Nordeifel und im Siegerland leistet die NRW-Stiftung durch Grunderwerb in Naturschutzgebieten einen wichtigen Beitrag dazu, sein Überleben hierzulande dauerhaft zu sichern.

Mit gerade mal 28 Millimetern Flügelspannweite gehört der Blauschillernde Feuerfalter eher zu den Zwergen unter den heimischen Tagschmetterlingen. Was ihm an Größe fehlt, macht er aber durch Farbenpracht wett: Die braunen, von orangefarbenen Flecken und weißen Säumen geschmückten Flügeloberseiten besitzen eine auffallende blauviolette "Metallic-Beschichtung". Bei den Männchen nimmt sie etwa die Hälfte der Oberseite ein, bei den Weibchen ist sie auf schmale Bänder beschränkt. Die Flügelunterseiten dagegen sind vorwiegend orange gefärbt, übersät von schwarzen hell gesäumten Flecken.

"Helle" liebt es kühl und hell
Aus dem einzeln abgelegten Ei schlüpft die gut getarnte Raupe.
Aus dem einzeln abgelegten Ei schlüpft die gut getarnte Raupe.
In seinem Hauptverbreitungsgebiet, das von Skandinavien bis weit nach Sibirien reicht, ist Lycaena helle, so der wissenschaftliche Name, ein Bewohner der Waldtundra. In Mitteleuropa dagegen ist er inselartig auf wenige Gebirge beschränkt und kommt nur in Feuchtwiesen vor, in denen Schlangenknöterich (Bistorta officinalis) dominiert. Aber lange nicht jede Knöterichwiese genügt seinen hohen Ansprüchen. Abwechslungsreich müssen sie sein und möglichst in kleinen Bachtälern der montanen Stufe liegen. Dort gibt es Kaltluftrinnen, in denen der nasse Boden keine rentable Mahd zulässt. Wenn dann auch noch einzelne Gehölze für Windschutz sorgen, herrschen ideale Bedingungen.

Trotz seiner Bindung an ein kühles Berglandklima ist der Blauschillernde Feuerfalter aber ein echter Freund des Lichts. Mit halb geöffneten Flügeln, die er wie Sonnenkollektoren den wärmenden Strahlen zukehrt, sitzt der männliche Falter erhöht auf einer Pflanze und wartet auf vorüberfliegende Artgenossen. Andere Männchen verfolgt und vertreibt er in einer wilden Jagd, die Feuerfalterdamen dagegen umwirbt er mit Hingabe. Zwischendurch müssen die Ultraleichtflieger immer wieder Treibstoff tanken. Dafür lassen sie sich kurz auf Knöterich, Wiesenschaumkraut oder Sumpf-Vergissmeinnicht nieder, tunken ihre Rüssel in die engen Blüten und saugen Nektar. Verdunkelt eine dicke Wolke den Himmel, verfällt die flatterhafte Schar in Regungslosigkeit, als hätte man einen Schalter umgelegt. Der Flugplatz scheint dann verwaist, bis die Sonne wieder hervorkommt.

Kindersitz mit Gurt
Die Raupe nagt kleine Fenster in die Knöterichblätter.
Die Raupe nagt kleine Fenster in die Knöterichblätter.
Nach der Paarung kleben die Weibchen ihre Eier einzeln an die Unterseiten von Knöterichblättern. Hier beginnen die winzigen Larven gleich nach dem Verlassen der Eihülle die erste Mahlzeit. Wie verwöhnte Kleinkinder, die mit ihren Zähnchen Butter und Honig von einer Brotscheibe ziehen, so schaben sie das zarte Grün von den Blattunterseiten. Da sie die faserigen Blattrippen verschmähen, hinterlassen sie Reihen typischer Fraßfenster. Hat das frisch geschlüpfte Räupchen noch die gleiche milchige Farbe wie die Blattunterseite, so "ergrünt" sein zarter Körper nach wenigen Tagen vollständig. In diesem Tarnkleid kann es dann auch auf den Blattoberseiten "spazieren kauen". Nach einigen Wochen strenger Knöterichdiät erstarrt die Raupe zur Puppe, nachdem sie sich zuvor mit einem seidenen Sicherheitsgurt an ihrer Lieblingspflanze verankert hat. Mit dem welkenden Gewächs sinkt der Kindersitz im Herbst in die Bodenstreu. Dort überwintert die Puppe im Schutz der Schneedecke. Erst ab Mitte Mai des Folgejahres schlüpft die neue Faltergeneration, genau wenn die Knöterichwiesen wieder Nektar und Blattnahrung im Überfluss bieten.

Das Dasein als flugfähiger Schmetterling währt übrigens kaum einen Monat. Da die
Tiere etwas zeitversetzt schlüpfen, erstreckt sich die Flugzeit einer ganzen Population aber meist auf die sechs Wochen zwischen Mitte Mai und Anfang Juli.

(Leider) kein Landstreicher
Wie häufig Lycaena helle früher in den Feuchtwiesen der nordrhein-westfälischen Mittelgebirge vorkam, lässt sich heute nur schwer abschätzen. Sicher ist nur, dass die Bestände durch Entwässerung, Düngung und Aufforstung vieler Wiesen stark zurückgegangen sind. Die Hoffnung auf eine Wiederausbreitung sind indes gering, denn so unstet und ungebunden die Feuerfalter wirken, so "heimatverbunden" sind sie. Sie bleiben stets dort, wo sie selbst geschlüpft sind, und wandern nur ausnahmsweise in geeignete Nachbartäler aus. Deshalb sind Naturschützer schon froh, wenn die Bestände nicht weiter schrumpfen.

Die metallisch glänzenden Schillerschuppen enthalten keine blauen Pigmente, sondern "spiegeln" Blau nur vor.
Die metallisch glänzenden Schillerschuppen enthalten keine blauen Pigmente, sondern "spiegeln" Blau nur vor.
In den Kreisen Aachen und Euskirchen gibt es immerhin Anzeichen, dass die Art dort nicht weiter zurückgeht. Kleine, aber stabile Populationen kennt man beispielsweise in den Naturschutzgebieten Perlenbach-Fuhrtsbachtal, Gebirgsbach Rur oder im Nonnenbachtal. Die Lebensräume werden seit einigen Jahren so gepflegt, dass Lycaena helle und viele andere bedrohte Schmetterlingsarten dort überleben können. Auch im Siegerland zeigen Zählungen, dass die Art nicht mehr überall zurückgeht. "Die Abwärtsentwicklung im Süden des Siegerlandes scheint gestoppt", sagt Peter Fasel, wissenschaftlicher Leiter der Biostation Siegen-Wittgenstein, "dazu haben die Grundstückskäufe der NRW-Stiftung die Voraussetzung geschaffen, zum Beispiel in den Naturschutzgebieten ‚Buchheller-Quellgebiet‘ und ‚Mückewies‘ in der Gemarkung Lippe." Als Treuhänder der Stiftung können die Biologischen Stationen bestimmen, wann und wie die Flächen bewirtschaftet werden. "Und wir haben hier verlässliche Landwirte, die unsere Pflegepläne umsetzen", ergänzt Fasel.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2010





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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung hat für einige besonders gefährdete Tier- und Pflanzenarten eine Patenschaft übernommen. Dazu gehören der Blauschillernde Feuerfalter, der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling und das Große Mausohr.

Biologische Station Siegen-Wittgenstein
Hauptmühle 5
57339 Erndtebrück
Telefon: 02753 598-330
Fax: 02753 598-332
post@biostation-siwi.de
www.biologische-station-siegen-wittgenstein.de

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