STEPHAN SARTER UND SCHLOSS DRACHENBURG

DAS VERMÄCHTNIS DES BÖRSENBARONS

Mit Schloss Drachenburg erfüllte sich Baron von Sarter seinen Traum von einem repräsentativen Wohnsitz.
Mit Schloss Drachenburg erfüllte sich Baron von Sarter seinen Traum von einem repräsentativen Wohnsitz.
1881 beginnt ein emsiges Treiben am Drachenfels. In nur dreijähriger Bauzeit entsteht hier das Schloss Drachenburg, für das ganze Eselskarawanen im Einsatz gewesen sein müssen. Denn Esel beförderten das Baumaterial, das aus den Steinbrüchen des Siebengebirges, aber auch aus dem Spessart und aus der Eifel nach Königswinter geschafft wurde. Allein 2,3 Millionen Ziegelsteine brauchte der Bauherr Baron Cornelius Stephan von Sarter, um seinen Traum von einem repräsentativen Wohnsitz zu erfüllen und so seinen gesellschaftlichen Status zum Ausdruck zu bringen. Wer war der Mann, der als Sohn einer Gastwirtsfamilie geboren wurde und zum Baron aufstieg? Der ein Prunkschloss am Rhein errichtete, sein Leben aber in Paris verbrachte und dort gar die französische Staatsbürgerschaft erwarb?

Baron Stephan von Sarter errichtete Schloss Drachenburg mit Geld, das er an der Pariser Börse erzielt hatte.
Baron Stephan von Sarter errichtete Schloss Drachenburg mit Geld, das er an der Pariser Börse erzielt hatte.
1833 wird Stephan Sarter als fünftes und jüngstes Kind einer Gastwirtsfamilie in Bonn geboren. Bald darauf zieht die Familie nach Köln, wo Sarter die Handelsschule besucht. Er wird Lehrling im Bankhaus Leopold Seligmann und wechselt später zu Salomon Oppenheim jr. & Comp. Die Inhaber empfehlen den tüchtigen jungen Mann nach Paris, das sich gerade zu einem Zentrum des Geldgeschäfts entwickelt. Von dort schreibt Sarter 1857 in einem Brief an seine Mutter: "... Es gehen hier alle Geschäfte gut für die, die in etwa Intelligenz besitzen ...". Er macht sich 1862 als Börsenspekulant selbstständig, bringt ein eigenes Börsenblatt heraus und gehört bereits Ende der 1860er-Jahre zur Pariser Hochfinanz.

Selbst wohnte Sarter nie auf Schloss Drachenburg, lud aber zahlreiche prominente Gäste dorthin ein.
Selbst wohnte Sarter nie auf Schloss Drachenburg, lud aber zahlreiche prominente Gäste dorthin ein.
Ein "Global Player" seiner Zeit
Im Deutsch-Französischen Krieg harrt er bei seiner Schwester in Köln und in den USA aus, gleich nach Kriegsende kehrt er nach Paris zurück. Immer wieder nimmt Sarter Einfluss auf das globale Geschehen. 1871 wirkt er beim Ausgleich der französischen Kriegsschulden mit. In seinen Publikationen, die hohes Ansehen genießen, gibt er Einschätzungen über die Suez-Kanal-Aktien ab. Jahre später ist er es, der für die Finanzierung des Panama-Kanals sorgt. Sarter hat viel erreicht. Doch ein Wunsch ist noch offen, zu dem ihm sein Wohlstand die Tore öffnet: 1881 erhebt ihn Herzog Georg von Sachsen-Meiningen in den Freiherrenstand.

Der "Theaterherzog" kann die 40.000 Mark gut gebrauchen, die Sarter ihm dafür zukommen lässt. Im gleichen Jahr beginnt Sarter mit dem Bau von Schloss Drachenburg. Er stattet sein Schloss mit allem Prunk und Kunstwerken aus und lässt auch viel Persönliches einfließen. So war etwa in einem der Fenster der Kunsthalle Ferdinand de Lesseps dargestellt, der Erbauer des Suez- und des Panama-Kanals.

In nur dreijähriger Bauzeit entstand Schloss Drachenburg auf halber Höhe des Drachenfelses.
In nur dreijähriger Bauzeit entstand Schloss Drachenburg auf halber Höhe des Drachenfelses.
Das Rheinland bleibt Heimat
Sarter nutzt Rang und Reichtum für ein wohltätiges Engagement, das Bedürftigen sowohl in Frankreich als auch in Deutschland zugute kommt. Er spendet 25.000 Mark für die Armen der Residenzstadt Meiningen. Das davon errichtete Armenhaus wird heute noch als soziale Einrichtung genutzt und trägt den Namen "Sarter-Stift". Das "Klösterchen", ein kleines Krankenhaus in Königswinter, erhält eine jährliche Zuwendung von 1.000 Francs. Einer Königswinterer Schützengesellschaft stiftet er zwei wertvolle Pokale in "Erinnerung an das glanzvolle Schützenfest des Jahres 1882", wie Theo Hardenberg schreibt, ein Heimatforscher des Siebengebirges. Für rheinische Volksfeste hat Sarter viel übrig, obwohl er als ernste Natur galt.

In der Baugrube sieht man Stephan von Sarter bei der Grundsteinlegung, ganz vorne<br />
links im schwarzen Mantel.
In der Baugrube sieht man Stephan von Sarter bei der Grundsteinlegung, ganz vorne
links im schwarzen Mantel.
Ein Heim in der Fremde
In der deutschen Presse und in der deutschen Gemeinde in Paris mehren sich böse Gerüchte über waghalsige Spekulationen des Barons, über Börsenverluste und Zahlungsunfähigkeit, bis dieser sich frustriert von seinen Landsleuten abwendet. In einem Brief an seinen Schwager Jacob Hubert Biesenbach schreibt er 1885: "Ich ... mache mich zum französischen Bürger und lebe entfernt von dieser Hanaken-Atmosphäre." Doch zuvor, 1887, kommt es zum großen Börsenkrach in Paris und Berlin. Sarter verliert sein Vermögen, es gelingt ihm aber, Schloss Drachenburg zu halten. Unermüdlich baut er ein neues Vermögen auf und beantragt 1889 dann doch noch die französische Staatsbürgerschaft. In seinem Antrag schreibt er, er habe "jedwede Neigung, wieder in sein Heimatland zurückzukehren, ... verloren".

Seit 15 Jahren wird Schloss Drachenburg von der NRW-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Land NRW und der Stadt Königswinter behutsam restauriert.
Seit 15 Jahren wird Schloss Drachenburg von der NRW-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Land NRW und der Stadt Königswinter behutsam restauriert.
Tatsächlich wohnt er nie auf Schloss Drachenburg. Die beträchtlichen Kosten für den Unterhalt des Schlosses trägt er dennoch pflichtbewusst, und eine illustre Schar prominenter Zeitgenossen weiß als Gäste des Barons die Vorzüge des prächtigen Bauwerks zu genießen. Darunter sind etwa der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland und die Prinzessin Charlotte zu Schaumburg-Lippe. Jede Woche berichtet ihm sein Verwalter nach Paris und erhält Anweisungen von Sarter. Kurz vor seinem Tod versucht Sarter, das Schloss zu verkaufen, jedoch ohne Erfolg. Baron Stephan von Sarter stirbt Ostern 1902 im Alter von knapp 70 Jahren als Junggeselle an einer Lungenentzündung in seiner Pariser Mietwohnung als "Cornelius Etienne Sarter". So steht es auf seinem Leichenschein - der deutsche Adelstitel war vom französischen Staat nicht offiziell anerkannt worden. Ein Jahr später überführt sein Neffe seine Leiche nach Königswinter, wo er mit Schloss Drachenburg eine Ikone der Rheinromantik am Tor des Rheintals geschaffen hat. Die Stadt pflegt bis heute sein Grab, und auf seinem Grabstein ist er wieder "Baron Stephan von Sarter"...

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 3/2009





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Schloss Drachenburg in Königswinter wird seit nunmehr 15 Jahren von der NRW-Stiftung in enger Zusammenarbeit mit dem Land NRW und der Stadt Königswinter restauriert. Öffnungszeiten: Von November bis März samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr. Im Sommer ist das Schloss dienstags bis sonntags, an Feiertagen und in den Ferien von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im Schloss können Räume für Trauungen und Veranstaltungen gemietet werden.

Schloss Drachenburg
gemeinnützige GmbH
Drachenfelsstraße 118
53639 Königswinter
Tel.: 02223 9019-70
Fax: 02223 9019-78
mail@schloss-drachenburg.de
www.schloss-drachenburg.de

Öffnungszeiten:
Mitte März bis Ende Oktober:
Dienstags bis sonntags und Feiertage von 10 bis 18 Uhr
In den Schulferien in NRW sind beide Einrichtungen auch montags geöffnet.

November bis März:
Samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr.
Öffentliche Führungen: Stündlich ab 13 Uhr (erste Führung) bis 16 Uhr (letzte Führung).

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