INTERNATIONALES JAHR DER ASTRONOMIE

DER BLICK INS NRWELTALL

Der Astropeiler bei Bad Münstereifel war das erste deutsche Radioteleskop, er steht heute unter Denkmalschutz und wird für Besucher hergerichtet.
Der Astropeiler bei Bad Münstereifel war das erste deutsche Radioteleskop, er steht heute unter Denkmalschutz und wird für Besucher hergerichtet.
Nichts ist so schön wie der Mond von Wanne-Eickel, beteuerte 1962 ein beliebter Schlager. Den "größten Mond auf Erden" allerdings kann man zurzeit in Oberhausen bestaunen. Anlässlich des Internationalen Jahrs der Astronomie sorgt im dortigen Gasometer ein spektakuläres Mondmodell mit 25 Metern Durchmesser für ein wahrhaft "astronomisches Erlebnis". Kosmische Perspektiven eröffnen sich aber auch an vielen anderen Orten Nordrhein-Westfalens - angefangen beim Renaissance-Himmel von Medebach über die Bochumer Kuppel von "Kap Kaminski" bis hin zum zweitgrößten Radioteleskop der Welt in der Eifel.

1609, also vor genau 400 Jahren guckte Galileo Galilei in die Röhre - und war fasziniert. Kein Wunder: Die "Röhre" war eins der damals völlig neuartigen Fernrohre, und Galilei hatte es auf den Sternenhimmel gerichtet. Was er da sah, schien zu beweisen, dass sich die Gestirne nicht um die Erde, sondern um die Sonne drehten - eine Auffassung, die der berühmte Astronom später vor der Inquisition als Irrtum bezeichnete, um sein Leben zu retten. Dabei hatte bereits Nikolaus Kopernikus im Jahr 1543, lange vor Galileis Geburt, ganz ähnliche Ideen formuliert, ohne dass die Kirche dagegen besonders rigoros vorgegangen wäre.

Der 2002 verstorbene Prof. Heinz Kaminski und sein Nachfolger Dr. Thilo Elsner in der Bochumer Sternwarte, deren Radom 1999 nach schwerer Beschädigung wieder aufgebaut wurde.
Der 2002 verstorbene Prof. Heinz Kaminski und sein Nachfolger Dr. Thilo Elsner in der Bochumer Sternwarte, deren Radom 1999 nach schwerer Beschädigung wieder aufgebaut wurde.
Kopernikus wurde von den kirchlichen Instanzen meist als reiner Mathematiker abgetan, dessen Theorien nichts mit der realen Schöpfung zu tun hatten. Galileis Fernrohr hingegen erlaubte seinem Besitzer völlig neue Beobachtungen. Er konnte damit erstmals Himmelskörper nachweisen, die eindeutig nicht um die Erde kreisten - die Jupitermonde. Das war zwar noch kein strenger Beweis, wohl aber ein starkes Indiz für das kopernikanische Weltbild. Und es zeigte, dass die Astronomie nun auf einmal über ein Instrument verfügte, mit dem sich das Weltall ganz neu entdecken ließ. Weil Galilei genau das versuchte, anstatt seine Ideen nur als gelehrte Gedankenspiele zu präsentieren, landete er vor der Inquisition.

Wellen aus dem Weltall
Mit dem Internationalen Jahr der Astronomie erinnern die Vereinten Nationen 2009 an den historischen "Augen-Blick", als Galileo Galilei vor 400 Jahren zum ersten Mal durch ein Teleskop schaute. Dass aus dem Weltraum auch Signale kommen, die für das menschliche Auge gar nicht sichtbar sind, konnte er noch nicht ahnen. Dieser natürliche kosmische "Funk" wurde erst in den 1930er-Jahren entdeckt - womit zugleich der erste Schritt ins Zeitalter der Radioteleskope getan war, die mit ihren gigantischen Schüsseln heute elektromagnetische Wellen aus unvorstellbar großen Entfernungen auffangen können.

Das erste Radioteleskop der Bundesrepublik war der sogenannte Astropeiler auf dem Stockert, einer Bergkuppe in der Nordeifel. Seit 1956 reckt er seine 25-Meter-Parabolantenne in den Himmel. Bis 1979 diente diese Antenne der wissenschaftlichen Forschung und sammelte im Vorfeld der US-Mondmissionen zum Beispiel Daten über die Oberfläche des Erdtrabanten. Noch bis 1993 nutzte man den Astropeiler zudem zur Ausbildung von Studenten. Dann aber wurde die Anlage stillgelegt, und ein bedeutender Zeuge der deutschen Technikgeschichte drohte für immer verloren zu gehen. Zum Glück gründete sich 1995 ein Förderverein aus Berufs- und Hobbyastronomen, um das zu verhindern. Mithilfe der NRW-Stiftung, die den inzwischen auch denkmalgeschützten Astropeiler im Jahr 2005 angekauft hat, konnte die dringend notwendige Sanierung der geschichtsträchtigen Parabolantenne inzwischen abgeschlossen werden. Obwohl an den übrigen technischen Einrichtungen noch viel zu tun bleibt, steht der Astropeiler schon jetzt bei sonntäglichen Führungen für Besucher offen.

Unten das Modell eines "Mondmobils", das in der Ausstellung zum Thema "50 Jahre Sputnik" gezeigt wird.
Unten das Modell eines "Mondmobils", das in der Ausstellung zum Thema "50 Jahre Sputnik" gezeigt wird.
Vom Berg ins Tal
Die wissenschaftlichen Aufgaben des Astropeilers übernahm ab 1972 nach und nach das nur wenige Kilometer entfernte Radioteleskop Effelsberg. Seine bewegliche Schüssel ist mit 100 Metern Durchmesser fast so groß wie ein Fußballfeld. Anders als sein kleinerer Vorgänger steht der blendend weiße Gigant aber nicht auf einem Berg, sondern in einem Tal und ist dadurch weit besser vor irdischen Störsignalen geschützt.

Wer möchte, darf die Effelsberger Riesenschüssel ruhig auch "Waschschüssel" nennen, immerhin ist es ihr schon mehrfachgelungen, in entlegenen Winkeln des Weltalls Wasser zu orten, zum Beispiel in Galaxien mit so schönen Bezeichnungen wie "MG J0414+0534". Doch wenn Effelsberg mit solchen Erfolgen auch buchstäblich "Radio-Wellen" geschlagen hat, so ist ihm in der Disziplin "internationaler Ruhm" die Volkssternwarte Bochum doch um einiges voraus. Denn ausgerechnet in Bochum wurden erstmals in der westlichen Welt die piepsigen Funksignale des von der UdSSR 1957 überraschend gestarteten Satelliten "Sputnik" aufgefangen. Es war der weltweit beachtete Beweis dafür, dass das Zeitalter der Raumfahrt von den Sowjets nicht nur angekündigt, sondern auch tatsächlich eingeläutet worden war.

Kap Kaminski
Von den Bochumern wird die 1946 ursprünglich als Volkshochschulprojekt ins Leben gerufene Sternwarte liebevoll auch "Kap Kaminski" genannt - nach ihrem Gründer und langjährigen Leiter Heinz Kaminski. Ursprünglich nur Freizeitastronom machten ihn seine zahllosen Erfolge in der Weltraumbeobachtung auf die Dauer zu einer international beachteten Kapazität, was 1972 durch eine Honorarprofessur an der Universität Essen zusätzlich unterstrichen wurde.

Kaminskis einstige Volkssternwarte hat sich längst zum renommierten Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung (IUZ) weiterentwickelt. Sein Wahrzeichen ist das kuppelförmige "Radom", der "Radar-Dom", dessen Außenhaut aus 161 vernähten Polyesterbahnen besteht. Diese Hülle fiel 1999 nach einer Rissbildung in sich zusammen, und es kam dabei zu schweren Beschädigungen an der Innenausstattung des Radoms. Mithilfe der NRW-Stiftung konnten jedoch neue Vortrags- und Ausstellungsräume zur Geschichte von Sternwarte und Raumfahrt eingerichtet werden. Man kann sie besuchen, um dem Alltag zu entfliehen - und dort einen erlebnisreichen "All-Tag" zu verbringen.

Der Astronom und Kartograph Caspar Vopelius schuf 1546 die heute in seinem Geburtsort Medebach ausgestellte Armillarsphäre (unten).
Der Astronom und Kartograph Caspar Vopelius schuf 1546 die heute in seinem Geburtsort Medebach ausgestellte Armillarsphäre (unten).
Himmelsbilder und Himmelsuhren
Auch als sie noch auf ihre bloßen Augen angewiesen waren, machten sich die Menschen schon ein Bild vom Himmel – zum Beispiel in Form von Himmelsgloben, wie sie etwa der hoch angesehene Kartograph Gerhard Mercator (1512–1594) in Duisburg anfertigte. Sogar der berühmte englische Seefahrer und Entdecker Sir Walter Raleigh führte bei seinen Expeditionen im 16. Jahr hundert Mercator-Globen mit sich. Ein Himmelsglobus zeigt den Sternenhimmel über der Erde gewissermaßen von außen. Alle Sternbilder sind daher spiegelverkehrt dargestellt. Um sie "richtig" zu sehen, müsste man im Zentrum des Globus sitzen. Ähnlich aufgebaut sind die sogenannten Armillarsphä ren, zu deutsch "Ringkugeln", die auf ihren Metallbändern allerdings nur die wichtigsten Himmelskreise darstellen.

Eine kostbare Armillarsphäre aus dem Jahr 1546 ist heute mit Unterstützung der NRW-Stiftung im Heimatmuseum Medebach zu sehen. Sie stammt von dem Astronomen Caspar Vopelius, der 1511 in Medebach geboren wurde. Vielleicht hat er auch einmal die 1542 errichtete große astronomische Uhr im Dom zu Münster besucht. Sie beweist, dass man schon zu Vopelius’ Zeiten ein wenig an das 21. Jahrhundert dachte - ist ihr Kalendarium doch immerhin noch bis ins Jahr 2071 gültig.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2009





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Dreimal hat die NRW-Stiftung Maßnahmen mit Bezügen zur Astronomie fördern können: Für das Museum im sauerländischen Medebach kaufte die NRW-Stiftung die Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte Armillarsphäre des 1511 in Medebach geborenen Astronomen Caspar Vopelius. Im Museum wurde für ihn ein eigener Raum eingerichtet. 1999 unterstützte die NRW-Stiftung den Wiederaufbau der kurz zuvor beschädigten Sternwarte Bochum, die heute als "Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung" regelmäßig auch für Besucher offensteht.

2005 kaufte die NRW-Stiftung zudem das denkmalgeschützte Radioteleskop auf dem Stockert bei Bad Münstereifel, das inzwischen saniert ist und regelmäßig sonntags für Besucher geöffnet wird.
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