MIT HERZ UND SACHVERSTAND FÜR DIE NATUR

BIOLOGISCHE STATIONEN IN NORDRHEIN-WESTFALEN

Stationsleiter Peter Fasel bespricht die Mahd mit Landwirtschaftsmeister Dieter Wagener vom Lahnhof in Netphen, dem höchstgelegenen Milchviehhof in NRW.
Stationsleiter Peter Fasel bespricht die Mahd mit Landwirtschaftsmeister Dieter Wagener vom Lahnhof in Netphen, dem höchstgelegenen Milchviehhof in NRW.
In den Landkreisen und größeren Städten Nordrhein-Westfalens nehmen die Mitarbeiter der Biologischen Stationen vielfältige Aufgaben wahr: Sie pflegen und betreuen Naturschutzgebiete, erfassen den Zustand gefährdeter Biotope und ihrer wild lebenden Tier- und Pflanzenarten, beraten Planer und Landwirte und informieren Bürger und Besucher über die Schönheit und den Schutz der heimischen Natur.

Kein anderes Bundesland besitzt ein vergleichbares Netzwerk aus staatlich geförderten Vereinen mit qualifizierten Fachleuten und ihren ehrenamtlichen Helfern. Als Bindeglied zwischen behördlichem und ehrenamtlichem Naturschutz sind sie ebenso wichtig wie für die Zusammenarbeit von Naturschützern und Landwirten. Dabei leisten die rund 40 Biologischen Stationen ihren Dienst für Mensch und Umwelt fast überall unter schwierigen Bedingungen. Immer wieder müssen sie erfinderisch sein und mit neuen Projekten werben, um ihre finanzielle Basis und den Fortgang ihrer Arbeit zu sichern.

In den blumenbunten Arnikawiesen sucht der seltene Neuntöter seine Nahrung.
In den blumenbunten Arnikawiesen sucht der seltene Neuntöter seine Nahrung.
Eine der zentralen Aufgaben ist die Betreuung von Schutzgebieten, zum Beispiel für den Erhalt artenreicher Wiesen und Magerrasen. Sollen diese sich nicht nachteilig verändern, müssen sie richtig bewirtschaftet werden, also gemäht oder beweidet. Entscheidend sind dabei das Wie und Wann. Nur bei Verzicht auf die sonst übliche Düngung behalten die Wiesen ihr blumenbuntes Gesicht, und nur wenn die Mahd nicht zu früh im Jahr einsetzt, haben etwa die Jungen der Wiesenvögel eine Chance, flügge zu werden. Die Bauern müssen also bereit sein oder überzeugt werden, Mahd und Viehauftrieb mit Brut und Blühterminen abzustimmen.

Rund 40 Biologische Stationen leisten in NRW ihren Dienst für Mensch und Umwelt.
Rund 40 Biologische Stationen leisten in NRW ihren Dienst für Mensch und Umwelt.
Im Kreis Siegen-Wittgenstein beispielsweise handeln Peter Fasel und seine Mitarbeiter von der Biologischen Station die Vereinbarungen mit den Bauern aus. "Der Vertragsnaturschutz erfordert jedes Jahr vieles von unserer Arbeitskraft. Aber es lohnt sich, es geht ja hier nicht um ein paar Blümchen, es geht um den Erhalt der Landschaft und der besonders geschützten Lebensräume!"

Für jeden Hektar Wiese, den ein Landwirt nach den Vorgaben des Naturschutzes bewirtschaftet, erhält er eine Förderung aus dem Kulturlandschaftsprogramm des Landes. Für Fasel ist der persönliche Kontakt deshalb das A und O: "Wenn ich dem Landwirt zeigen kann, dass auf seiner Wiese noch Orchideen wachsen oder Braunkehlchen und Wiesenpieper brüten, dann wird er unser Verbündeter. Wenn ich ihm nur einen Brief mit Terminen und Paragrafen schicken würde, dann wären die bunten Wiesen in wenigen Jahren verschwunden."

Biologen im Bau- und Bodendenkmal

Christiane Schmidt, Ursula Siebel und Elisabeth Fley unterstützen die Arbeit der Biologischen Station.
Christiane Schmidt, Ursula Siebel und Elisabeth Fley unterstützen die Arbeit der Biologischen Station.
Während die Biologen im Bergland die Mähwiesen mit Feuerfalter und Knabenkraut im Visier haben, gilt die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter der Biologischen Station Stadt Düsseldorf/Kreis Mettmann den Altarmen des Rheins und den Streuobstwiesen mit Steinkauz und Wiesenraute. Die Biologen vor den Toren Düsseldorfs sind allerdings noch auf einen anderen Schatz stolz, denn ihr Quartier ist Haus Bürgel in der Monheimer Rheinaue.

Das denkmalgeschützte Haus Bürgel ist heute Sitz der Biologischen Station Stadt Düsseldorf/Kreis Mettmann.
Das denkmalgeschützte Haus Bürgel ist heute Sitz der Biologischen Station Stadt Düsseldorf/Kreis Mettmann.
Der Gutshof ist zwar nicht das einzige denkmalgeschützte Gebäude in unserem Land, das eine Biologische Station beherbergt, aber sicher das mit der spannendsten Vorgeschichte. Es ruht auf den Fundamenten eines 2.000 Jahre alten Römerkastells und liegt inmitten einer der letzten nicht eingedeichten Auenlandschaften des Rheins. Ohne viel Tamtam wird manche Biologische Station so zum Botschafter einer Idee: Die Erhaltung unseres Naturerbes verbindet sich mit dem Erhalt des kulturellen Erbes.

Für die NRW-Stiftung ergab sich hier die glückliche Situation, dass sie nicht nur Haus Bürgel kaufen, restaurieren und als Sitz der Biologischen Station herrichten konnte, sondern auch großflächig Glatthafer- und Silgen-Auenwiesen in der benachbarten Urdenbacher Kämpe erwarb. Die werden nun mithilfe der Biologischen Station dauerhaft für den Naturschutz gesichert.

Einsatz im Hohen Venn

Die Biologische Station im Kreis Aachen kümmert sich unter anderem um Moorgebiete...
Die Biologische Station im Kreis Aachen kümmert sich unter anderem um Moorgebiete...
Um gefährdete Lebensgemeinschaften zu bewahren, erwirbt die NRW-Stiftung auch an vielen anderen Stellen Nordrhein-Westfalens Grundeigentum und übergibt die Flächen den nächstgelegenen Biologischen Stationen zu treuen Händen. Der Besitz allein ist aber nur selten ein Garant für eine heile Natur. Oft sind umfassende Maßnahmen notwendig, um Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu reparieren. Das zeigt das Beispiel des Naturschutzgebiets Feuerbach-Laufenbachtal bei Monschau-Konzen: Dort, am Rand des Hohen Venns, war seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ein mooriger Hang mit Fichten bepflanzt worden, die hier ursprünglich nicht vorkamen. Torf zu stechen hatte nicht mehr gelohnt, und als Weidefläche fürs Vieh waren die morastigen Böden nicht geeignet. Gewinn versprach den Privateigentümern somit nur eine Aufforstung.

...und um den Fortbestand der vom Aussterben bedrohten Flussperlmuschel in den Eifelbächen.
...und um den Fortbestand der vom Aussterben bedrohten Flussperlmuschel in den Eifelbächen.
Als Mitarbeiter der Biologischen Station im Kreis Aachen bei einer Kartierung in den 1990er-Jahren nach dem Hangmoor suchten, fanden sie dessen Reste in den Lücken der Fichtenplantagen. "Manchmal wünscht man sich, man könnte die Uhr 50 Jahre zurückdrehen", sagt Dr. Manfred Aletsee, der sich für das Überleben der Moorbiotope einsetzt. Die Realität ist aber leider mühsamer: "Seit dem Kauf der Flächen durch die NRW-Stiftung haben wir auf zehn Hektar Fichten fällen und abtransportieren lassen. Danach sah es erst mal aus wie nach einem Militärmanöver, aber dann konnte man beinahe zuschauen, wie sich die Wunden in der Vegetation schnell schlossen."

Artenschutz hoch drei

Die Mitarbeiter der Biologischen Stationen nehmen vielfältige Aufgaben wahr.
Die Mitarbeiter der Biologischen Stationen nehmen vielfältige Aufgaben wahr.
Wissenschaftlicher und praktischer Sachverstand ist in den Biologischen Stationen immer wieder gefragt. Unterstützt von Verwaltungskräften arbeiten hier Biologen und Geografen, Landschaftspfleger, Landwirte und Umweltpädagogen zusammen - Multitalente mit hervorragenden Orts- und Artenkenntnissen. Viele werden zusätzlich zu Spezialisten, so wie Dr. Burkhard Beinlich von der Landschaftsstation im Kreis Höxter. Unter anderem kümmert er sich um die wertvollen ostwestfälischen Kalkmagerrasen.

Seit vielen Jahren schon kümmert sich die Landschaftsstation Höxter um Kalkmagerrasen in der Nähe von Willebadessen und Ottbergen.
Seit vielen Jahren schon kümmert sich die Landschaftsstation Höxter um Kalkmagerrasen in der Nähe von Willebadessen und Ottbergen.
Auch wenn dort der Erhalt der ganzen Lebensgemeinschaft im Vordergrund steht, ist ökologisches Detailwissen gefragt: "Es gibt hier einen extrem seltenen Schmetterling aus der Familie der Bläulinge, dessen Raupen in einer ganz besonderen Beziehung mit einer bestimmten Ameisenart leben." Beinlich und seine Kollegen müssen also nicht nur das Nahrungsangebot der erwachsenen Bläulinge im Blick haben, sie dürfen auch die Lebensbedingungen der Ameise nicht vergessen. Aber das reicht noch nicht, denn der Schmetterling ist eine echte Diva. Er legt seine Eier ausschließlich an die Blüten des Kreuzenzians und der wiederum wächst nur dort, wo Schafe und Pferde grasen. "Die Weidetiere hinterlassen durch ihren Tritt ein ideales Keimbett für den Enzian, und sie fressen die Pflanze später nicht - wegen der Bitterstoffe."

Im Naturschutzgebiet "Kalkmagerrasen um Ottbergen und Bruchhausen" steht das Ökologie-Lehrstück gerade wieder auf der Tagesordnung. Weitere sieben Hektar Land hat die NRW-Stiftung dort gekauft, und Beinlich verhandelt die notwendigen Absprachen mit dem Tierhalter und der Naturschutzbehörde. Nur so lässt sich der Fortbestand des hochgradig gefährdeten Trios aus Enzian, Ameise und Schmetterling sichern.

Mit dem Blasrohr auf die Pirsch

Im Kalkmagerrasen ist unter anderem der äußerst seltene Kreuzenzian- Ameisenbläuling zu Hause.
Im Kalkmagerrasen ist unter anderem der äußerst seltene Kreuzenzian- Ameisenbläuling zu Hause.
Der Einsatz von Schafen in der Landschaftspflege ist nur ein Beispiel dafür, wo der Rat der Biologischen Stationen beim Aufstellen von Weideplänen gefragt ist. In der Lippeaue bei Soest etwa setzt man auf imposantere Huftiere wie urtümliche Konikpferde und auerochsenähnliche Großrinder, um frühere Landschaftsbilder von besonderem ästhetischen Reiz wiederherzustellen. Hier wie auch auf ehemaligen militärischen Übungsplätzen bieten die "wilden Weiden" einer Fülle von Pflanzen und Tieren dauerhafte Existenzmöglichkeiten, und rund die Hälfte aller Biologischen Stationen in NRW verfügt mittlerweile über Praxiserfahrungen im Management solch halboffener Weidelandschaften.

In der Nähe von Willebadessen hat die NRW-Stiftung etwa 24 Hektar Land gekauft, die von der Biologischen Station betreut werden.
In der Nähe von Willebadessen hat die NRW-Stiftung etwa 24 Hektar Land gekauft, die von der Biologischen Station betreut werden.
Wissenschaftlicher Vorreiter ist die Biologische Station der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest (ABU). Ihre Mitarbeiter gehen auch schon mal mit dem Blasrohr auf die Pirsch, wenn sie ein unnahbares Taurusrind für den jährlichen Gesundheitstest "immobilisieren" müssen. Mehr als 20 Taurusrinder und Koniks weiden hier in dem insgesamt 260 Hektar großen Naturschutzgebiet, das in großen Teilen der NRW-Stiftung gehört.

Die Biologischen Stationen sind beliebtes Ziel von Exkursionen und bieten spannende Aktionen für Groß und Klein.
Die Biologischen Stationen sind beliebtes Ziel von Exkursionen und bieten spannende Aktionen für Groß und Klein.
Nachdem dort unter Federführung der Biologischen Station die früheren Uferbefestigungen rückgebaut wurden, hat sich die Lippeaue zu einer naturnahen Flusslandschaft mit Sandbänken, Kolken, Steilufern und Hochflutrinnen entwickelt, die man von einem eigens angelegten Aussichtshügel beobachten kann. Neben der regelmäßigen Beobachtung von Pflanzen- und Tiervorkommen und der Betreuung von Naturschutzgebieten haben die Biologischen Stationen eine dritte Kernaufgabe: Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit.

Tu Gutes und rede darüber

Unterstützt von Verwaltungskräften arbeiten in den Biologischen Stationen Biologen und Geografen, Landschaftspfleger, Landwirte und Umweltpädagogen zusammen.
Unterstützt von Verwaltungskräften arbeiten in den Biologischen Stationen Biologen und Geografen, Landschaftspfleger, Landwirte und Umweltpädagogen zusammen.
Hinter diesen Begriffen verbergen sich längst nicht mehr nur klassische Lichtbildervorträge oder schlichte Pressemitteilungen. "Wir versuchen hier vor allem, die Kinder zu erreichen", sagt Jürgen Heuser von der Biologischen Station Östliches Ruhrgebiet. "Das geht am besten mit einer Portion Abenteuer. Dann merken die plötzlich, dass eine Naturrallye viel spannender ist als Fernsehen." Zunehmend setzt die Biologische Station deshalb auf Exkursionen mit Erlebniswert - Stadtökologie und Heimatkunde als Event. Ein beliebtes Ziel ist beispielsweise der Erlebnispfad "Glückauf Natur!", der im Emscher-Landschaftspark über das Gelände der ehemaligen Zechen "Hannover" und "Königsgrube" führt.

Die Mitarbeiter der ABU Soest fangen Heckrinder für die tierärztliche Untersuchung.
Die Mitarbeiter der ABU Soest fangen Heckrinder für die tierärztliche Untersuchung.
Er macht die Entwicklung der Region von einer bäuerlichen Kulturlandschaft über die Industrielandschaft des Steinkohlenbergbaus bis hin zur Bergbaufolgelandschaft nachvollziehbar. Gerade die Industriebrachen mit ihrem Reichtum an neu eingewanderten Pflanzen und tierischen Pionieren sind reizvolle Expeditionsziele für kleine Nachwuchsforscher. "Hier ist die Natur nie fertig, Veränderung, Experiment und Improvisation, wohin man schaut. So etwas gibt es weit und breit kein zweites Mal!", sagt Stationsleiter Heuser.

Ohne Ehrenamtler geht gar nichts

Die ABU Soest koordiniert umfangreiche Rückbaumaßnahmen für die Lippeaue...
Die ABU Soest koordiniert umfangreiche Rückbaumaßnahmen für die Lippeaue...
Im Alltag der Biologischen Stationen ist Improvisation mitunter ein Grundprinzip, besonders in Zeiten knapper Kassen. Der Rettungsanker, ohne den die Flotte der Biologischen Stationen längst verloren wäre, ist die von Idealismus und Liebe zur Natur getragene Leistung der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Während die Profis sich auch um komplizierte Verträge, Förderanträge, Versicherungen und notwendige Verwaltungsarbeiten kümmern, sind die Ehrenamtler häufiger in der Landschaftspflege im Einsatz. Beim Naturschutzzentrum Gelderland zum Beispiel schultern die Freiwilligen seit jeher einen großen Teil des Arbeitspensums.

...die sich so zu einer naturnahen Flusslandschaft entwickelt hat.
...die sich so zu einer naturnahen Flusslandschaft entwickelt hat.
Unter ihnen sind Fachleute, die Kartierungsdaten zu gefährdeten Arten beisteuern, zupackende Helfer beim winterlichen Rückschnitt der Kopfweiden oder Organisationstalente. Die Vorsitzende des NABU-Kreisverbands Kleve beispielsweise, Monika Hertel, ist im Hauptberuf Lehrerin an einer Schule in Dinslaken. Nachmittags kümmert sie sich um Pachtverträge, bereitet Förderanträge vor oder betätigt sich als Naturschutz-Redakteurin - und das alles ohne Bezahlung. Um die vielen Tätigkeiten professionell erledigen zu können, wird das ehrenamtliche Team des Naturschutzzentrums durch eine hauptamtliche Biologin unterstützt. Für dieses vorbildliche Engagement erhielt die Gruppe übrigens im Jahr 2005 den "Wegweiser" - eine Auszeichnung, die der Förderverein der NRW-Stiftung landesweit einmal jährlich an eine Person oder eine Gruppe vergibt, die sich besonders beispielhaft für den Naturschutz oder in der Kulturarbeit engagieren.
Interview

"Wir haben einen Heimvorteil"

Fünf Fragen an Klaus Nottmeyer-Linden, Vorsitzender des Dachverbands der Biologischen Stationen in NRW e.V.

NRW-Stiftung: Was sind die Aufgaben der Biologischen Stationen und wer betreibt sie?
Nottmeyer-Linden: Es gibt drei Hauptaufgaben: Erfassung von Pflanzen und Tieren als Grundlage für Schutzmaßnahmen, Betreuung von Schutzgebieten und Öffentlichkeitsarbeit. Träger der Stationen sind gemeinnützige Vereine, in denen Vertreter der Naturschutzverbände sitzen, in vielen Fällen gemeinsam mit Vertretern der Land- und Forstwirtschaft und der Städte oder Kreise.

NRW-Stiftung: Wie ist das Netz der Biologischen Stationen entstanden?
Nottmeyer-Linden: Ausgangspunkt waren die zahlreichen lokalen Initiativen, in denen sich Naturschützer seit den 1970er-Jahren engagierten. Ihr Mitwirken etwa bei der Ausweisung von Schutzgebieten war grundlegend, aber nicht flächendeckend. Etwa 1990 wurde deshalb ein Vorschlag entwickelt, der die Biologischen Stationen landesweit zum zentralen Bindeglied zwischen dem behördlichen und dem ehrenamtlichen Naturschutz aufwertete, ihnen klare Aufgaben gab und ihre Förderung regelte.

NRW-Stiftung: Und wer bezahlt die Biologischen Stationen?
Nottmeyer-Linden: Etwa 80% der öffentlichen Fördermittel kommen vom Land und 20% von den Kreisen bzw. kreisfreien Städten. Das reicht aber bei weitem nicht, zumal die Mittel wiederholt deutlich gekürzt wurden. Die Stationen sind deshalb auch auf Sponsoren und Spender angewiesen, oder auf sogenannte Drittmittelprojekte, die etwa mit Mitteln des Bundes, der Europäischen Union oder auch mit privaten Fördergeldern finanziert werden. Ein großes Problem für uns ist die geringe Planungssicherheit. Im Augenblick haben wir eine Finanzierungszusage nur bis 2010. Was dann kommt, wissen wir nicht.

NRW-Stiftung: Wie sähe es denn in NRW aus, wenn es keine Biologischen Stationen gäbe?
Nottmeyer-Linden: Ich fürchte, der behördliche Naturschutz würde viele Aufgaben allein nicht wahrnehmen können. Planung und Verwaltung sind sehr wichtig, aber sie können biologisches Wissen und eine praxisnahe Beratung von Landwirten, Waldbauern und Jägern nicht ersetzen. Unsere Landschaft wäre sicher viel eintöniger, und wahrscheinlich ginge es vielen Pflanzen- und Tierarten noch schlechter oder sie wären sogar schon ausgestorben.

NRW-Stiftung: Größe und Arbeitsschwerpunkte der Stationen sind regional unterschiedlich. Ist das nicht ein Schwachpunkt?
Nottmeyer-Linden: Im Gegenteil, diese Vielfalt ist eine Stärke und entspricht den differenzierten Herausforderungen in den einzelnen Naturräumen. Das geht aber nur, weil wir in jeder Region Mitarbeiter mit langjährigen Orts- und Detailkenntnissen der jeweiligen Schutzgebiete haben. Dieser Heimvorteil macht unsere Arbeit so effizient.

Klaus Nottmeyer-Linden ist Leiter der Biologischen Station Ravensberg, die in einem 1676 errichteten, denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Klosters Quernheim untergebracht ist.

Alltag in der Biologischen Station

Wie sieht der Tag von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Biologischen Stationen aus? Notizen eines Arbeitstages von Monika Hachtel in der Biologischen Station Bonn.

8:30 Uhr: Die Biologin Monika Hachtel beginnt ihren Arbeitstag mit dem Beantworten von E-Mails.
9:00 Uhr: Anruf einer Lehrerin; sie möchte eine geführte Wald-Exkursion für ihre Schüler buchen. Frau Hachtel beantragt dafür gleich einen Zuschuss durch die Stadt Bonn und teilt den Termin ans Forstamt mit.
9:30 Uhr: Schreiben einer Pressemitteilung für eine Exkursion ins Naturschutzgebiet "Rodderberg".
10:00 Uhr: Dateneingabe zu Vorkommen der Wechselkröte im Stadtgebiet. Solche Informationen sind die Grundlage für regelmäßige Berichte über den Bestand gefährdeter und geschützter Arten.
10:20 Uhr: Ein Gartenbesitzer ruft an und hat Fragen zu den Amphibien in seinem Gartenteich.
10:30 Uhr: Entwerfen einer Informationstafel für eine Wildbienen-Nistwand.
13:45 Uhr: Nach der Mittagspause Fahrt an den östlichen Stadtrand; Bestandserfassung gefährdeter Pflanzen im Naturschutzgebiet "Kohlkaulwiesen", unerlässlich für die Erfolgskontrolle der Wiesenpflege.
15:30 Uhr: Weiterfahrt ins Siebengebirge, wo eine streng geschützte Schmetterlingsart vorkommt. Die Wiesen dort soll der Landwirt per Vertrag nur abschnittsweise mähen, damit sich die Falter noch fortpflanzen können. Markierung der Teilflächen, die zunächst geschont werden sollen.
17:30 Uhr: Ende der Geländearbeit und Rückfahrt nach Bonn.
20:00 Uhr: Monika Hachtel hält einen anderthalbstündigen Vortrag im Naturkunde-Museum Koenig.

Die engagierte Diplom-Biologin Monika Hachtel aus Bonn ist Wissenschaftlerin, Sachbearbeiterin, Pressereferentin und Umweltpädagogin in einer Person.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2009





Rund zwei Drittel der knapp 40 Biologischen Stationen, die es derzeit in NRW gibt, profitieren von Fördermaßnahmen der Nordrhein-Westfalen-Stiftung. Oftmals hat die NRW-Stiftung geholfen, zumeist denkmalgeschützte Gebäude als Sitz der Biologischen Stationen herzurichten und dort öffentlich zugängliche Veranstaltungs- und Ausstellungsräume rund um Themen des Naturschutzes einzurichten.

Besonders eng ist die Zusammenarbeit zwischen den Biologischen Stationen und der NRW-Stiftung bei der fachlichen und praktischen Betreuung von inzwischen rund 4.500 Hektar Land, das die NRW-Stiftung in allen Teilen Nordrhein-Westfalens für Zwecke des Naturschutzes erworben hat. Die NRW-Stiftung hat darüber hinaus viele Biologische Stationen beim Kauf naturschutzwürdiger Grundstücke und bei Maßnahmen für die Landschaftspflege unterstützt.

Nicht zuletzt hat die NRW-Stiftung mit einem auf drei Jahre angelegten Strukturförderprogramm die Arbeit der Biologischen Stationen und die Öffentlichkeitsarbeit ihres Dachverbandes gestärkt.
Jubiläumsbuch der NRW-StiftungDer Dachverband Biologische Stationen NRW informiert auf seinen Internetseiten ausführlich über das Engagement seiner Mitglieder.

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