NATIONALPARK EIFEL - ENGAGEMENT DER NRW-STIFTUNG

WO DER EIFELTIGER JAGT

Buchennaturwald im Kermeter. Die erste Stufe zur Wildnisbildung, ohne menschliche Hilfe von der Natur selber begonnen.
Buchennaturwald im Kermeter. Die erste Stufe zur Wildnisbildung, ohne menschliche Hilfe von der Natur selber begonnen.
Wenn man die Größe außer Acht lässt und auch bei der Färbung nicht zu pingelig ist, erinnert eine jagende Wildkatze tatsächlich an einen Tiger. Der scheue Mäusejäger kommt in NRW nur noch in der Eifel regelmäßig vor. Deshalb ist der "Eifeltiger" für den Nationalpark Eifel auch ein Markenzeichen, ebenso wie Rothirsch, Biber und Schwarzstorch. Es gehört jedoch viel Glück dazu, eines dieser Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Dass ein Besuch des Nationalparks trotzdem immer lohnt, auch im Winter, das garantiert die abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft, in der selbst die Beobachtung von häufigeren Arten zu einem unvergesslichen Erlebnis werden kann.

Mehr als 50 Exemplare der Wildkatze leben im Gebiet des Nationalparks.
Mehr als 50 Exemplare der Wildkatze leben im Gebiet des Nationalparks.
"Na, kennt Ihr die Blätter?" fragen Hermann-Josef Jöpen und Bernd Wiesen in die Runde und verteilen Herbstlaub an die jungen Exkursionsteilnehmer. Nachdem sie erläutert haben, wie die Streu von Buche und Bergahorn am Boden zu neuer Pflanzennahrung zersetzt wird, zeigen sie noch, woran man die Baumarten auch im Winterzustand erkennen kann. Die beiden Forstangestellten sind zwei von über 15 Rangern, die interessierte Besucher im Nationalpark Eifel zu ausgewählten Zielen führen, ihnen die Naturschönheiten nahe bringen und geduldig Fragen beantworten.
Vereine und private Gruppen buchen solche Veranstaltungen gerne im Voraus, aber regelmäßig werden auch Touren angeboten, bei denen man ohne Anmeldung mit geschulten Ortskennern im Nationalpark wandern kann.

Ein hohes Schutzgut: Der Buchenwald

Der seltene Schwarzstorch ist wie sein "weißer Bruder" ein Zugvogel, lebt aber versteckt im Wald.
Der seltene Schwarzstorch ist wie sein "weißer Bruder" ein Zugvogel, lebt aber versteckt im Wald.
Die ausgedehnten Wälder sind das Herzstück des Nationalparks. Auf den Schiefer-Verwitterungsböden im Norden des 110 Quadratkilometer großen Schutzgebiets sind es vor allem atlantische Buchenwälder und – an den süd-exponierten Steilhängen – wärmegetönte Traubeneichenwälder. Zusammen bedecken sie nur ein Drittel der Nationalparkfläche. Ein weiteres Drittel wird von ausgedehnten Nadelholzwäldern eingenommen. Experten gehen davon aus, dass sich in den Fichten- und Kiefernwäldern der Nordhälfte des Nationalparks in den kommenden Jahrzehnten Buchen, Eichen und andere Laubbäume durchsetzen werden. Die ausbreitungsfreudigen Douglasien hingegen müssen in den nächsten Jahren vollständig entfernt werden.

Der "Eifeltiger" ist aber so scheu, dass selbst die Ranger Bernd Wiesen und Hermann-Josef Jöpen ihn nur selten einmal zu Gesicht bekommen.
Der "Eifeltiger" ist aber so scheu, dass selbst die Ranger Bernd Wiesen und Hermann-Josef Jöpen ihn nur selten einmal zu Gesicht bekommen.
In den Hochlagen im Süden des Nationalparks, dort, wo es am kühlsten ist und die meisten Niederschläge fallen, reicht es dagegen nicht, abzuwarten. Fichten, größtenteils in den 1950er-Jahren gepflanzt, beherrschen dort noch das Landschaftsbild. Die Nationalparkverwaltung wird noch eine Reihe von Jahren benötigen, um die Nadelholzbestände mit Buchen zu unterpflanzen, sodass sich auch dort langfristig naturnahe Laubmischwälder einwickeln können. Im Berglandklima der Nordwesteifel sind die gebietsfremden Fichten beim Wettlauf um Licht, Wasser und Nährsalze nämlich eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die heimischen Laubgehölze. Nach dem Umbau wird es dann mindestens weitere 100 Jahre dauern, bis man den Buchenwäldern diese Geburtshilfe nicht mehr ansieht. Anders als Schutzgebiete in weitgehend unberührten Naturlandschaften ist der Nationalpark Eifel deshalb ein sogenannter "Ziel- oder Entwicklungsnationalpark". Auch wenn das Motto des Nationalparks Eifel "Wald – Wasser – Wildnis" lautet, gehören zu dem landschaftlich und klimatisch vielfältigen Gebiet neben Wäldern und zahlreichen Gewässern viele weitere Lebensraumtypen, zum Beispiel Ginsterheiden, Zwischenmoore sowie moos- und flechtenreiche Schieferfelsen.

Statt Panzern röhren nur noch Hirsche

Auch die Rothirsche kommen nur auf die Freiflächen, wenn sie sich sicher fühlen.
Auch die Rothirsche kommen nur auf die Freiflächen, wenn sie sich sicher fühlen.
Daneben gibt es Standorte, die über Jahrhunderte landwirtschaftlich genutzt wurden und auch in Zukunft waldfrei bleiben sollen. Ein Beispiel sind die durch Narzissen- und Bärwurzwiesen bekannten Täler im Süden oder Teile der im Zentrum des Nationalparks gelegenen "Dreiborner Hochfläche". Das ausgedehnte Plateau in der Nachbarschaft des "Geisterdorfes" Wollseifen wird von artenreichen Magerwiesen und -weiden eingenommen und war bis vor einigen Jahren ein Truppenübungsplatz der belgischen Streitkräfte. Geschützdonner und Militärfahrzeuge bestimmten über Jahrzehnte das Geschehen. Doch nicht jeder sonore Ton, der vom Platz herüberschallte, kam aus dem Auspuff eines übenden Panzers. Während der Brunftzeit im Herbst gehörte auch das Röhren von Rothirschen zur typischen Geräuschkulisse bei Dreiborn. Das ist bis heute so. Mit etwas Glück kann man ein Rudel Hirsche auch im Rahmen einer geführten Wanderung beobachten – eine Garantie dafür gibt es freilich nicht.

Der Schwarzspecht ist typisch für alte Buchenwälder.
Der Schwarzspecht ist typisch für alte Buchenwälder.
Seit dem Ende des militärischen Übungsbetriebs und der Eröffnung des Nationalparks ist das Wild scheuer geworden. Die Panzer waren für die Tiere berechenbar, neugierige Naturfreunde sind es offenbar nicht. Vielleicht werden die Hirsche schon bald lernen, dass ihnen von den Besuchern keine Gefahr droht. Im Übrigen sollte man nicht enttäuscht sein, wenn Wildtiere in einem Schutzgebiet die Bereiche bevorzugen, in denen sie ungestört sind. Schließlich ist es die vorrangige Aufgabe von Nationalparks, große Rückzugsräume für Fauna und Flora zu schaffen. Ein intensives Naturerleben ist schließlich auch beim Beobachten von Arten möglich, die keinen der vorderen Ränge in den Roten Listen einnehmen. Wer Geduld und ein Fernglas mitbringt, kann beispielsweise in der kalten Jahreszeit von den Waldwegen aus viele charakteristische Vögel sehen und hören.

Vogelstimmen im Winterwald

An das ehemalige Dorf Wollseifen erinnert heute nur noch die Ruine der Dorfkirche St. Rochus. Neue Fenster und ein neues Dach sollen sie vor dem Verfall retten.
An das ehemalige Dorf Wollseifen erinnert heute nur noch die Ruine der Dorfkirche St. Rochus. Neue Fenster und ein neues Dach sollen sie vor dem Verfall retten.
Seltenheiten sind es meist nicht, aber lehrreich, faszinierend und stimmungsvoll sind die Begegnungen mit den gefiederten Bewohnern des Winterwaldes allemal. Oft "begrüßt" einen als Erster der Eichelhäher mit lautem Rätschen in den Baumkronen, während Zaunkönige aus dem Unterwuchs warnen und an ihren harten "trrt-trrt"-Rufen zu erkennen sind. Das Rotkehlchen scheint dagegen keine Notiz vom Wanderer zu nehmen. Besonders morgens und ab dem Nachmittag ertönt sein perlender Gesang aus den Wipfeln. Bei sonnigem Wetter beginnen die im Nationalpark in hoher Dichte vorkommenden Spechte schon im Winter mit der Markierung ihrer Reviere, indem sie an trockenen Ästen Trommelwirbel schlagen.

Der wärmeliebende Elsbeeren-Traubeneichenwald ist charakteristisch für die steilen Südhänge des Kermeters.
Der wärmeliebende Elsbeeren-Traubeneichenwald ist charakteristisch für die steilen Südhänge des Kermeters.
Auch bei der Nahrungssuche gehen sie oft recht geräuschvoll zur Sache. Vor allem in und über den Nadelwäldern kann man die Stimmen der nimmermüden Fichtenkreuzschnäbel hören. Ständig "gipp gipp gipp ..." rufend halten die Mitglieder eines Trupps Kontakt untereinander. Der Zwerg unter den Waldvögeln ist das Wintergoldhähnchen. So klein, wie es ist, so hoch ist seine Wisperstimme. Am ehesten entdeckt man es deshalb bei Windstille in den Kronen der Nadelbäume. Mit nur etwa sieben Gramm Körpergewicht lässt es sogar den zehn Gramm schweren Zaunkönig als Dickerchen erscheinen. Getarnt durch seinen olivgrünen Rücken turnt der Winzling an den Unterseiten der Fichtenzweige herum und sucht unermüdlich nach kleinen Kerbtieren. Nur sein goldfarbener Irokesenscheitel und die schwarzen Augenbrauen verleihen ihm etwas Farbe.

Während die bisher genannten Arten den Eifelwald ganzjährig bewohnen, sind Bergfinken nur Wintergäste aus dem hohen Norden. In manchen Jahren, besonders wenn die Rotbuchen überreich Eckern ausgestreut haben, erscheinen sie in großer Zahl. Einen Schwarm der orangebraun, schwarz und weiß gezeichneten Vögel könnte man leicht mit einem Haufen welker Blätter verwechseln, der von einer Windböe hochgepustet wurde, doch die metallischen djüp-djüp-Rufe verraten die Urheber sofort. Wenn sie im Frühjahr wieder in ihre skandinavische Brutheimat abreisen, erfüllt längst der schmetternde Gesang der heimischen Buchfinken den Buchenwald und in der Bachaue des Wüstebachtals öffnen die ersten Narzissen ihre gelben Blütenknospen.
Vertreibung aus Wollseifen

Kaum hatten die 120 Familien des Dorfes Wollseifen die Kriegsschäden an ihren Häusern notdürftig geflickt, bekamen sie im August 1946 von der britischen Militärverwaltung die Anweisung, innerhalb von drei Wochen ihr Dorf zu verlassen. Es war der Einrichtung des Truppenübungsplatzes "Vogelsang" im Wege. Die vertriebenen Bewohner, die bei Verwandten in den Nachbarorten unterkamen, mussten lange nach Kriegsende mit ansehen, wie ihre Häuser von den britischen Soldaten nach und nach dem Erdboden gleichgemacht wurden. Fast zynisch kam es ihnen vor, dass später an der Stelle der alten Fachwerkhöfe neue Gebäude errichtet wurden. Doch diese waren nichts weiter als steinerne Attrappen. Sie dienten den NATO-Soldaten als Kulisse für Häuserkampf-Übungen. Zu den wenigen alten Gebäuden von Wollseifen, die nicht ganz zerstört wurden, gehörte die Kirche St. Rochus. Damit die Ruine nicht weiter verfiel und damit die Besucher bei Gedenkgottesdiensten vor der Witterung geschützt sind, bekam die alte Eifler Dorfkirche ein neues Schieferdach und Fenster. Die NRW-Stiftung gab dafür das Geld.

Wussten Sie schon…

... dass der Yellowstone-Nationalpark in den USA das erste Schutzgebiet seiner Art war? Er ist fast 9.000 qkm groß. Seit seiner Ausweisung im Jahr 1872 sind weltweit über 3.800 Nationalparks entstanden.
... dass es in Deutschland mittlerweile 14 Nationalparks gibt? Sie sind im Durchschnitt fast 690 qkm groß und repräsentieren die wichtigsten Naturlandschaften wie Wattenmeer, Boddenküste, Wälder in Mittel- und Hochgebirge, Flussauen und Seen.
... dass der älteste deutsche Nationalpark der Nationalpark Bayerischer Wald ist? Er wurde 1970 eröffnet.
... dass der größte deutsche Nationalpark das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer ist? Er erstreckt sich über eine Fläche von 4.415 qkm. Dagegen gehört der Nationalpark Eifel mit 107 qkm eher zu den kleineren "Großschutzgebieten".
... dass mindestens drei Viertel eines Nationalparks sich selbst überlassen bleiben sollen? Spätestens nach einer Übergangsphase von 30 Jahren wird dort jegliche Nutzung eingestellt.
... dass es in Nordrhein-Westfalen nur einen Nationalpark, aber fast 2.900 Naturschutzgebiete gibt? Ihre Durchschnittsgröße beträgt 87 Hektar, also weniger als einen Quadratkilometer. Zusammen bedecken sie aber 7,3 Prozent unseres Bundeslandes.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 3/2008





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Die NRW-Stiftung unterstützte im Nationalpark Eifel die Instandsetzung der Kirchenruine Wollseifen, einst Mittelpunkt in dem gleichnamigen Dorf, das die Bewohner nach dem Krieg für die Einrichtung eines Truppenübungsplatzes verlassen mussten. Im "Fuhrtsbachtal" hat die NRW-Stiftung großflächige Grundstücke für Zwecke des Naturschutzes erworben. Sie sind heute Teil des Nationalparks Eifel.

Im Nationalpark Eifel gibt es vier Besucheranlaufstellen: die Nationalparktore in Simmerath-Rurberg, in Schleiden-Gemünd, im Bahnhof Heimbach und in Monschau-Höfen. Hier gibt es Auskünfte, Infomaterial und spannende Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen rund um den Nationalpark Eifel.

Weitere Informationen auch unter: Nationalparkforstamt Eifel, Urftseestraße 34, 53937 Schleiden-Gemünd (Tel.: 024 44 / 95 10-0) und im Internet unter:
www.nationalpark-eifel.de
www.eifel-blicke.de
www.eifelverein.de

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