SPUREN DER RÖMER IM RHEINLAND

ALLE WEGE FÜHRTEN NACH ROM

Noch heute sind im Blankenheimer Wald Straßenreste zu finden.
Noch heute sind im Blankenheimer Wald Straßenreste zu finden.
Römische Soldaten sind mit Sicherheit hier vorbeigekommen. Legionäre, schwer beladen mit Schild, Spieß und Schanzzeug, auf dem Marsch zu den Kastellen am Rhein. Kuriere galoppierten vorbei, vielleicht mit Eilmeldungen auf dem Weg von Trier zum niedergermanischen Provinzstatthalter in Köln. Und Ochsenkarren müssen hier unterwegs gewesen sein, mit Handelswaren oder Baustoffen aus der Eifel: Weil man die Güter nicht über Flüsse verschiffen konnte, musste man damit eben langsam über die Landstraßen ziehen.

Die Eisennägel der Legionärssandalen, die Räder der Wagen, die Hufe von Pferden und Ochsen zertrampelten und zerfurchten den Straßenbelag, denn außerhalb der Städte waren römische Straßen nicht gepflastert. Diesen Luxus gab es höchstens hier und da im italischen Kernland. Trotzdem hat ein römisches Stück Straße im Blankenheimer Wald bis heute überdauert – sie ruhte auf einem besonders soliden Fundament.

Die Zülpicher Thermen sind sogenannte Herbergsthermen, in denen sehr wahrscheinlich auch Reisende gebadet haben. Es ist die besterhaltene Thermenanlage nördlich der Alpen.
Die Zülpicher Thermen sind sogenannte Herbergsthermen, in denen sehr wahrscheinlich auch Reisende gebadet haben. Es ist die besterhaltene Thermenanlage nördlich der Alpen.
Man kann es noch heute sehen, nach rund 1.900 Jahren, auf einem kleinen Stück bei Blankenheimerdorf: Zuunterst liegt auf sechs Meter Breite eine Schicht Kalkbruchstein, darüber kommt eine dünne Lage Sand, etwa 20 Zentimeter hoch. Obenauf folgte ein Straßenbelag aus Lehm, Sand und Steinen, mit Wasser gemischt, der eine haltbare Decke bildete. Diese Oberfläche ist mittlerweile verschwunden, sie dürfte etwa die Höhe gehabt haben wie der Waldboden, der sich inzwischen auf dem römischen Fundament angesammelt hat.

Der gesamte Straßenkörper, vom Bruchstein-Fundament an, war leicht gewölbt, Regenwasser konnte so problemlos seitwärts abfließen. An vielen anderen Römerstraßen zogen sich sogar Gräben entlang, die das Wasser aufnahmen.

100.000 Kilometer Fernstrassen

Diese alte Zeichnung zeigt, wie aufwendig der römische Straßenbau war.
Diese alte Zeichnung zeigt, wie aufwendig der römische Straßenbau war.
Römische Arbeitskräfte, meist Soldaten, besserten Schäden in den Straßen regelmäßig aus: Bei Schmidtheim haben Archäologen ein Stück ausgegraben, das durch die zahllosen Reparaturen schließlich auf eine Stärke von einem Meter angewachsen war. Den Römern waren die Straßen sehr wichtig, sie wussten eben, dass die Verkehrswege Lebensadern des Imperiums waren. Das Reich verfügte über rund 100.000 Kilometer Fernstraßen, von Schottland bis zum Rand der Sahara. Sie wurden meist von der Armee gebaut und dienten auch in erster Linie der Armee: Solide Wege waren nötig, um schnell die Legionen heranzuführen, wenn feindliche Streitkräfte eine Grenze überschritten hatten oder irgendwo ein Aufruhr ausgebrochen war.

Die Straßen wurden bald perfektioniert – insbesondere für alle, die darauf im staatlichen Auftrag unterwegs waren: An den Straßen fanden sie in regelmäßigen Abständen Stationen, die frische Pferde bereit hielten. Unterwegs konnten sie in Raststätten absteigen, die ein erstaunliches Maß an Komfort boten. In Ahrweiler sind die Grundmauern eines solchen Gasthauses restauriert worden: Neben Schlafräumen und Garküchen fand man dort auch heiße und kalte Bäder vor. Für die Sicherheit auf den Straßen war eine spezielle Militäreinheit eingerichtet worden: Die "Benefiziarier" unterhielten Kontrollposten am Wegesrand.

Relikt aus alter Zeit: Mit Reisewagen wie diesem waren die Römer unterwegs. Die geschlossenen Wagen waren so konstruiert, dass möglichst komfortabel gereist werden konnte.
Relikt aus alter Zeit: Mit Reisewagen wie diesem waren die Römer unterwegs. Die geschlossenen Wagen waren so konstruiert, dass möglichst komfortabel gereist werden konnte.
Über die Entfernungen wurden Reisende durch Meilensteine auf dem Laufenden gehalten: Hohe Säulen, in die die Distanz zur Provinzhauptstadt eingemeißelt war. Außerdem konnte man darauf ablesen, wem der aktuelle Zustand der Straße zu verdanken war: Man trug den Namen des Kaisers ein, der den Auftrag zum Bau oder zur Ausbesserung der Straße gegeben hatte.

Natürlich wurde das Straßennetz damals auch zivil genutzt: von Fußgängern und Reitern, von den Wohlhabenden in ihren Reisewagen und den Händlern mit Maultieren und Ochsenkarren. Ebenso wie die Straßen waren auch die Transportmittel zur Römerzeit komfortabler als in den folgenden mittelalterlichen Jahrhunderten. Die geschlossenen Reisewagen waren so konstruiert, dass die Passagiere nicht allzu sehr durchgeschüttelt wurden, wenn es über Unebenheiten ging: Der Wagenkasten war nämlich nicht fest mit dem Unterbau verbunden, an dem die Räder saßen, sondern an Riemen aufgehängt, die einen Teil der Erschütterungen auffingen. Kürzere Strecken legte man in einem leichten Einspänner zurück.

Wege zu den Eifeler Bodenschätzen

Die wohl bedeutendste Römische Straße war die "Via Agrippinensis" und reichte von Köln über Jülich und Maastricht bis nach Boulogne-sur-Mer an der Atlantikküste.
Die wohl bedeutendste Römische Straße war die "Via Agrippinensis" und reichte von Köln über Jülich und Maastricht bis nach Boulogne-sur-Mer an der Atlantikküste.
Die Straße bei Blankenheimerdorf führte nordöstlich nach Bonn zum Rhein hinunter, im Südwesten traf sie nahe Jünkerath auf die Fernstraße Neuss – Trier, eine der beiden wichtigen Nord-Süd-Achsen im Rheinland. Die andere war die Limesstraße am Rhein, die die Städte und Kastelle an der Reichsgrenze verband: Von Mainz lief sie über Bonn und Köln nach Xanten und weiter in die heutigen Niederlande. Die wohl bedeutendste Ost-West-Verbindung, "Via Agrippinensis" genannt, reichte von Köln über Jülich und Maastricht bis nach Boulogne-sur-Mer an der Atlantikküste.

Dieses Straßenraster wurde durch zahlreiche Querverbindungen ergänzt, es gab allein drei Strecken in Richtung Eifel: vom Rhein über Zülpich, über Marmagen und eben über Jünkerath. Die Verbindungen entstanden nicht zuletzt deshalb, weil man sie zum Transport von Bodenschätzen brauchte. Die Römer gewannen Blei bei Mechernich und Kalk bei Münstereifel, sie holten Eisen aus der Nähe von Nettersheim, Sandstein aus Kall und Basalt aus Mayen.

Das römische Fundament kann geschützt werden, wenn es mit einer Kieselschicht überdeckt wird.
Das römische Fundament kann geschützt werden, wenn es mit einer Kieselschicht überdeckt wird.
Um die Mitte des 5. Jahrhunderts nach Christus brach das Imperium schließlich zusammen. Nach rund 450 Jahren zogen die Legionen aus dem Rheinland ab, doch die Straßen blieben. Sie wurden noch lange ge-nutzt – aber nicht mehr instandgesetzt. Im Straßenbau tat sich kaum etwas, bis weit über das Mittelalter hinaus. Man ritt, fuhr und lief auf den alten Trassen, Ochsen und Pferde traten Löcher hinein, die Räder schwerer Wagen rissen tiefe Rinnen, Regen und Frost taten ein Übriges und das Reisen wurde über die Jahrhunderte immer mehr zur Qual.

Erst Napoleons Ingenieure nahmen die Traditionen des römischen Straßenbaus wieder auf. Als die Franzosen das Rheinland besetzten, demonstrierten sie zuerst einmal, was eine ordentliche "Chaussee" ist: Eine Straße, aufgebaut aus drei Schichten unterschiedlicher Materialien, mit Meilensteinen am Rand! Sie schufen das Fundament für das moderne Straßennetz, oft genug auf alten römischen Trassen. Noch heute liegt manche Bundesstraße auf eben dem Boden, auf dem einst Legionäre marschierten und Ochsenkarren rollten: die Bundesstraße 51 zwischen Blankenheimerdorf und Schmidtheim zum Beispiel. Oder die Bundesstraße 55, eine schnurgerade Verbindung zwischen Köln und Jülich, nur vom Braunkohlentagebau Hambach unterbrochen, auf der Route der "Via Agrippinensis". Die wichtige Limesstraße hat ebenfalls "überlebt": als Teil der B 57 bei Xanten. Auch der römischen Straße bei Blankenheimerdorf winkt eine bessere Zukunft. Sie wird nicht im dunklen Wald dem Vergessen anheim fallen: Dank der Anregung des "Dörfer Kultur- und Geschichtsvereins" ist das kleine, von Archäologen des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege freigelegte Stück bereits mit einem Dach versehen worden, daneben steht eine Schutzhütte für Wanderer. Der weitere Verlauf des Straßendamms durchs Unterholz ist schon mit einigen weißen Pfählen markiert, doch der Ausgräber Klaus Grewe träumt von mehr: Er möchte einen längeren Abschnitt freilegen und in den bestehenden Römer-Wanderweg einbauen. Wenn man das römische Fundament mit einer Kiesschicht überdeckt, sagt Grewe, wird es vor Zerstörung geschützt – und dient zugleich wieder seinem ursprünglichen Zweck: Es bildet einen soliden Untergrund für die modernen Vibram-Sohlen der Wanderer in der Eifel.




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Die NRW-Stiftung erwarb mehrere Naturschutzgrundstücke, auf denen sich Bodendenkmale aus der Zeit der Römer im Rheinland befinden. Dazu gehören beispielsweise das Bau- und Bodendenkmal Haus Bürgel bei Monheim, in dem heute ein kleines römisches Museum untergebracht ist. Außerdem der Teil der römischen Wasserleitung im Urfttal und der Teil einer römischen Straße auf dem "Olbrück" bei Blankenheimerdorf.
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