KLOSTERLAND NRW

VOM NUTZEN ALTER KLÖSTER

Norbert von Xanten (ca. 1082-1134). Er gründete im Jahr 1120 die Prämonstratenser.
Norbert von Xanten (ca. 1082-1134). Er gründete im Jahr 1120 die Prämonstratenser.
Mindestens 800 klösterliche Niederlassungen wurden seit dem Mittelalter auf dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens gegründet. Doch da, wo einst Mönche und Nonnen beteten, zogen im 19. Jahrhundert oft Schulen, Krankenhäuser oder Fabriken ein. Enteignung und Verkauf machten aus manchen Klöstern Privatschlösser, aus anderen Strafanstalten. Nicht wenige altehrwürdige Gebäude wurden abgerissen oder verkamen zu Ruinen. Heute zeigen in NRW erfolgreiche Initiativen, wie sich alte Klosteranlagen vor dem Verfall retten lassen – und wie man ihnen mit Museen, Konzertsälen und blühenden Gärten neues Leben einhauchen kann.

Im Jahr 1084 gründete der heilige Bruno von Köln in den französischen Alpen die "Große Kartause" – das Stammkloster eines der strengsten Orden der Welt. Die Kartäuser, die sich 1334 auch in Brunos Heimat am Rhein niederließen, verbringen ihre Tage in fast völligem Schweigen. Ihre Wohnzellen nennen sie "Wüsten", was nicht nur die Kargheit ihrer Lebensweise charakterisiert: Es erinnert auch daran, dass die Anfänge des christlichen Mönchtums in der Wüste lagen. In diese radikale Abgeschiedenheit zogen sich im 4. Jahrhundert n. Chr. vor allem in Ägypten und Kleinasien Menschen wie der heilige Antonius zurück, die man als "Wüstenväter" bezeichnet und die sich allein auf Gott konzentrieren wollten. Vom griechischen Wort "mónos" für "allein" leitet sich daher auch der Ausdruck Mönch ab.

Ora et Labora

Auf den heiligen Bruno von Köln (ca. 1030-1101) gehen die Kartäuser zurück, eine der strengsten Mönchsgemeinschaften des Christentums.
Auf den heiligen Bruno von Köln (ca. 1030-1101) gehen die Kartäuser zurück, eine der strengsten Mönchsgemeinschaften des Christentums.
Das christliche Mönchsideal mit seinen drei Grundpfeilern Armut, Keuschheit und Gehorsam fasste bald auch im Abendland Fuß. Wichtige Impulse erhielt es hier im 6. Jahrhundert vor allem durch die Klosterregeln des heiligen Benedikts von Nursia, die u.a. forderten, dass die Mönche sich nicht nur ins Gebet versenken, sondern auch arbeiten sollten. Die berühmte Formel "bete und arbeite" ("ora et labora") geht darauf zurück, auch wenn sie bei Benedikt nicht wörtlich vorkommt.
Unter Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls des Großen, wurde die "Benediktregel" präzisiert und 817 zu einer Art Grundgesetz für das gesamte Klosterwesen erklärt. Künftig sollte es im Reich nur noch "benediktinische" Klöster geben – was fast 300 Jahre lang auch tatsächlich der Fall war! Der ebenfalls 817 gegründeten Abtei Kornelimünster bei Aachen, die heute dem Land Nordrhein-Westfalen gehört, war damals die Rolle eines "Musterklosters" zugedacht. Doch andere Klöster wie das 822 entstandene Corvey an der Weser erlangten bald größere Bedeutung.

Im einstigen Prämonstratenserinnenstift Oelinghausen bei Arnsberg erinnert das "Klostergartenmuseum" heute an die klösterliche Heilkunde.
Im einstigen Prämonstratenserinnenstift Oelinghausen bei Arnsberg erinnert das "Klostergartenmuseum" heute an die klösterliche Heilkunde.
Noch heute erinnert an der Corveyer Abteikirche das eindrucksvolle Westwerk aus dem 9. Jahrhundert an diese Blütezeit. Es ist einer der Gründe, warum Corvey als Kandidat für die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes gilt. Wobei man den Begriff "Kulturerbe" hier ruhig wortwörtlich nehmen darf: Denn die Klöster mit ihren Schreibstuben und Bibliotheken waren in einem Zeitalter, in dem selbst Kaiser und Könige oft nicht schreiben konnten, im wahrsten Sinne des Wortes Erben – die wichtigsten Erben und Vermittler des antiken Lateins, der grundlegenden Schriftsprache des Mittelalters.

Türme und Täler

Das "Monopol" der Benediktiner dauerte etwa bis zum Ende des 11. Jahrhunderts. Bis dahin hatte es zwar schon einige Reformbewegungen gegeben. Doch jetzt traten neue Orden auf, die einen völlig eigenständigen Charakter entwickelten. Nach und nach entfaltete sich so die verwirrende Vielfalt von Abteien, Einsiedeleien, Zisterzen, Kartausen, Kommenden, Ordensburgen und Bettelordensklöstern, die die folgenden Jahrhunderte prägen sollte.

Die Kirche der Zisterzienserabtei Kamp am Niederrhein hat zwei Zwiebeltürme, denn das mittelalterliche Bauideal der Zisterzienser - das eigentlich turmlose Kirchen verlangte - wurde im Barock oftmals missachtet.
Die Kirche der Zisterzienserabtei Kamp am Niederrhein hat zwei Zwiebeltürme, denn das mittelalterliche Bauideal der Zisterzienser - das eigentlich turmlose Kirchen verlangte - wurde im Barock oftmals missachtet.
Besonders erfolgreich waren die 1098 gegründeten Zisterzienser. Auch sie beriefen sich auf die Benediktregel, legten sie aber sehr viel radikaler aus und sparten dabei nicht mit scharfer Kritik an den etablierten Benediktinerabteien und deren baulichem Pomp. "Wenn man sich dieser Albernheiten schon nicht schämt", so der bedeuten de Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux, "warum reuen dann nicht die Kosten?"

Markenzeichen der Zisterzienser wurden konsequenterweise Kirchen, die keine Türme hatten, sondern lediglich bescheidene Dachreiter. Der Orden siedelte seine "Zisterzen" zudem gerne in abgeschiedenen Tälern an, wie es sich beim Kloster Graefenthal (im Kreis Kleve) schon im Namen spiegelt.

Auch eine romantische Kirchenruine im Heisterbachtal bei Königswinter kündet noch heute von dieser Vorliebe. Ja, sogar der vielbesuchte "Altenberger Dom" im Bergischen Land liegt trotz seines Namens keineswegs auf einem Berg, sondern entpuppt sich bei näherem Hinsehen als alte zisterziensische Abteikirche in typischer Tallage.

Eine Säulengalerie ziert neuerdings wieder das ehemalige Damenstift Asbeck im münsterländischen Legden (Kreis Borken), das heute für Kulturveranstaltungen genutzt wird.
Eine Säulengalerie ziert neuerdings wieder das ehemalige Damenstift Asbeck im münsterländischen Legden (Kreis Borken), das heute für Kulturveranstaltungen genutzt wird.
Wer die alte Faustformel, wonach Benediktiner "den Berg lieben", Zisterzienser aber "das Tal suchen", allzu wörtlich nimmt, kann allerdings durchaus Überraschungen erleben. So präsentiert sich ausgerechnet die älteste deutsche Zisterzienserabtei – das 1123 gegründete Kloster Kamp im heutigen Kamp-Lintfort bei Wesel – auf einer kleinen Erhebung. Womöglich wurde das Kloster einst von einer sumpfigen Niederung hierhin verlegt, um einer unerträglichen Invasion von Mücken zu entgehen – ohne die es die beeindruckenden Kamper Gartenterrassen
dann vielleicht nie gegeben hätte.

Ordensgründer vom Niederrhein

Zu den vielen bedeutenden Männern, mit denen der große Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert in Verbindung stand, gehörte auch ein waschechter Niederrheiner. Um 1082 geboren, hatte er lange Zeit wenig auffällig – und auch wenig fromm – in seiner Heimat gelebt. Doch nach einer religiösen Erweckung, die ihn zu einer Wanderschaft nach Frankreich veranlasste, gründete er 1120 im Tal von Prémontré das Stammkloster der "Prämonstratenser". Sein Name war Norbert von Xanten.

Das Prämonstratenserinnenstift Knechtsteden in Dormagen wurde 1130 gegründet.
Das Prämonstratenserinnenstift Knechtsteden in Dormagen wurde 1130 gegründet.
Von einem Niederrheiner in Frankreich ins Leben gerufen, sorgte der neue Orden bei den Zeitgenossen schon bald für Aufsehen – und zwar in Westfalen. Grund war Norberts Zusammentreffen mit einem jungen Mann namens Gottfried von Cappenberg. Dessen Familie gehörte zu den vornehmsten Adels geschlechtern ihrer Zeit, ein Bruder war sogar Taufpate Kaiser Friedrich Barbarossas. Doch Gottfried wurde von Gewissensnöten geplagt: Aus Reue über seine Beteiligung an einem blutigen Angriff auf den Bischofssitz Münster vermachte er seine Burg und viele andere Besitztümer daher dem Orden Nor berts von Xanten, in dem er bald darauf auch selbst Mitglied wurde.

In einem Nebengebäude des Prämonstratenserinnenstift Knechtsteden ist die Biologische Station im Kreis Neuss e.V. untergebracht.
In einem Nebengebäude des Prämonstratenserinnenstift Knechtsteden ist die Biologische Station im Kreis Neuss e.V. untergebracht.
So entstand 1122 im südlichen Münsterland das erste Prämonstratenserstift auf deutschem Boden – heute eine sehenswerte Barockanlage, die im frühen 19. Jahrhundert dem bedeutenden preußischen Staatsmann Freiherr vom Stein (1757–1831) als Alterssitz diente. Sie lohnt ebenso einen Abstecher wie z. B. auch das schön gelegene sauerländische Prämonstratenserinnenkloster Oeling -hau sen, in dem seit Kurzem ein von der NRW-Stiftung gefördertes Museum an eine 800-jährige Klostergartentradition erinnert.

Ritter und Bettler

Mithilfe der NRW-Stiftung konnte die prachtvolle Stuckausstattung von Haus Hohenbusch bei Erkelenz gerettet werden, einem 1302 gegründeten Kreuzherrenkloster.
Mithilfe der NRW-Stiftung konnte die prachtvolle Stuckausstattung von Haus Hohenbusch bei Erkelenz gerettet werden, einem 1302 gegründeten Kreuzherrenkloster.
Untrennbar verbunden mit dem Zeitalter Bernhards von Clairvaux und Norberts von Xanten ist auch das düstere Kapitel der Kreuzzüge, die in Bernhard ebenso einen nachdrücklichen Fürsprecher fanden wie die damals neu entstehenden "Ritterorden": Tempelherren, Johanniter und Deutscher Orden. Sie leisteten im Heiligen Land nicht zuletzt Hospitaldienste, waren allerdings auch für grausame Gemetzel unter den "Ungläubigen" verantwortlich. In ihren Heimatländern unterhielten sie regionale Stützpunkte, die man "Kommenden" nennt. Der Deutsche Orden etwa rekrutierte seit 1267 im sauerländischen Mülheim an der Möhne Ritter für seine damals nach Livland verlagerten militärischen Unternehmungen. Wesentlich friedvoller waren da die Wege, die die Bettelorden – insbesondere Franziskaner und Dominikaner – seit dem 13. Jahrhundert beschritten. Sie lehnten jeden Besitz radikal ab, suchten dabei aber nicht klösterliche Abgeschiedenheit, sondern ganz im Gegenteil die Nähe zu den Menschen. Mitten in den Städten richteten sie ihre Predigten an die Bevölkerung. Es war eine Zeit, die zunehmend nach religiöser Orientierung
suchte, in der sich die katholische Kirche immer öfter von "Ketzern" angegriffen sah – und die im 16. Jahrhundert schließlich in die Reformation mündete.

Mitten in dieser größten Krise der katholischen Kirche gründete der Baske Ignatius von Loyola 1534 die Jesuiten. In der sogenannten "Gegenreformation" versuchten sie dem Papsttum verlorenen Einfluss zurückzugewinnen. Der Orden unterhielt zu diesem Zweck einflussreiche Schulen wie etwa das 1588 in Münster gegründete Jesuitenkolleg. Schon 1557 hatte er auch das "Tricoronatum" in Köln übernommen – das heutige Dreikönigsgymnasium. Hier unterrichtete einst auch der berühmte Jesuitenpater Friedrich Spee (1591–1635), der als erbitterter Gegner der Hexenprozesse Geschichte schreiben sollte. Später wechselte er an die Jesuitenuniversität in Paderborn – die erste Universität Westfalens.

Die Welt im Kloster

Kloster Bredelar in Marsberg wird von einem engagierten Förderverein u.a. mithilfe der NRW-Stiftung restauriert.
Kloster Bredelar in Marsberg wird von einem engagierten Förderverein u.a. mithilfe der NRW-Stiftung restauriert.
Klöster unterlagen in ihrer langen Geschichte durchaus dem Zeitgeist, ja, sogar der Mode. Auch da, wo die Ordenstradition eigentlich Schlichtheit und Demut erforderte, entstanden daher im 17. und 18. Jahrhundert bisweilen recht unbescheidene Barockbauten. Manche Frauenklöster erlebten seit dem Spätmittelalter aber auch eine noch direktere Form der "Verweltlichung". Sie wurden häufig in sogenannte "freiweltliche Damenstifte" umgewandelt wie z.B. das Stift Asbeck in Legden. Solche Damenstifte waren in erster Linie Versorgungsanstalten für unverehelichte
Frauen aus Adelsfamilien. Die Stiftsdamen mussten keine Gelübde ablegen und konnten den Konvent unter Um ständen auch wieder verlassen – falls sich doch noch ein Heiratskandidat auftreiben ließ. Auch wenn sie oft in alten Klosteran lagen lebten, führten sie also keineswegs ein Klosterleben.

Für "Verweltlichung" im krassesten Sinne des Wortes sorgte schließlich die "Säkularisation" – die Aufhebung der geistlichen Fürstentümer und die Enteignung des kirchlichen Besitzes zu Beginn des 19. Jahrhunderts, zu der der "Reichsdeputationshauptschluss" aus dem Jahr 1803 die rechtliche Grundlage lieferte. Für Hunderte nicht mehr genutzter Klosteranlagen mussten jetzt neue Verwendungszwecke oder Kaufinteressenten gefunden werden: "Dem Ankäufer bleibt überlassen, diese Grund stücke zu einer Fabrik oder zu irgendeinem andern Geschäfte einzurichten und zu benutzen, auch können die Gebäude abgebrochen, das Holz gehauen und die Länderreyen zerstückelt und wieder verkauft werden." So pries man beispielsweise das westmünsterländische Kloster Zwillbrock an, von dem heute kaum mehr übrig ist als die einstige Klosterkirche.

Ideen statt Verfall

Auch das rheinische Adelsarchiv im Stift Ehreshoven in Engelskirchen bei Köln wurde von der NRW-Stiftung unterstützt.
Auch das rheinische Adelsarchiv im Stift Ehreshoven in Engelskirchen bei Köln wurde von der NRW-Stiftung unterstützt.
Die Konsequenzen für den Baubestand waren teilweise dramatisch: Aus Bredelar wurde eine Eisengießerei, das Marsberger Kapuzinerkloster machte man zur "Irrenanstalt" und die Zisterze Benninghausen zur "Strafund Besserungsanstalt" – um nur drei Beispiele zu nennen. Doch so paradoxes auf den ersten Blick klingen mag, gerade die Säkularisation zeigte in aller Deutlichkeit: Nutzung wirkt weit eher konservierend als Leerstand, der oft die Vorstufe zu Abriss oder Verfall bildet. Nicht in der "Stilllegung zum Denkmal", sondern in einer denkmalgerechten Umnutzung liegt daher heute auch der Schlüssel für die fast immer sehr kostspielige Rettung bedrohter Klosteranlagen. Denn nur für ideenreiche Nutzungskonzepte lassen sich Stifter, Spender und Helfer mobilisieren – und das Interesse der Öffentlichkeit wecken.

In NRW kann man inzwischen auf manche gelungene Realisierung solcher Nutzungskonzepte verweisen – etwa im münsterländischen Kloster Bentlage bei Rheine, in dem eine kulturelle Begegnungsstätte eingerichtet wurde. Nicht nur Ausstellungen und Veranstaltungen lassen sich darin durchführen, nach sorgfältiger Restaurierung ist zugleich auch die "Begegnung" mit der spätmittelalterlichen Klosterarchitektur wieder möglich.

Auf ins Klosterland

Das Musterbeispiel einer nahezu vollständig erhaltenen Benediktinerabtei in herrlicher Lage ist das Kloster Marienmünster im Kreis Höxter.
Das Musterbeispiel einer nahezu vollständig erhaltenen Benediktinerabtei in herrlicher Lage ist das Kloster Marienmünster im Kreis Höxter.
Wer neugierig geworden ist, sollte sich aufmachen ins Klosterland Nordrhein-Westfalen – z. B. in den Kreis Höxter, der mit dem angrenzenden Paderborner Land Deutschlands "Klosterregion Nr. 1" bildet, in der es nicht weniger als 41 Klöster und Klosterruinen zu entdecken gibt, darunter Perlen wie die Abteien Corvey und Marienmünster. Was allerdings nicht heißt, dass es nicht auch im übrigen NRW genug gute Gründe gäbe, auch im 21. Jahrhundert noch "ins Kloster zu gehen".

Viele Klöster, darunter das Abteizentrum in Duisburg-Hamborn, haben die Zeichen der Zeit erkannt: Sie bieten zum Beispiel Einkehrtage oder "Managerkurse" an, bei denen gestresste Menschen hinter klösterlichen Mauern das finden, was sie draußen oft vergebens suchen: Ruhe und Zeit, um innezuhalten.
Frauenklöster zwischen Rhein und Weser

Einige Frauenkonvente auf dem Gebiet des heutigen NRW gehen noch bis in die Karolingerzeit zurück, so die Stifte Herford und Essen. Doch vor allem seit dem 12. und 13. Jahrhundert nahm die Zahl der Frauenklöster und -stifte stark zu, allein in Köln waren es im späten Mittelalter etwa 40. Sehr viele Orden wie z. B. die Zisterzienser bildeten weibliche Zweige aus, die man als "zweite Orden" bezeichnet. Aber auch "dritte Orden" entstanden, die sogenannten "Tertiaren", in denen sich Laien beiderlei Geschlechts unter weniger strengen Regeln zusammenschließen konnten, z. B. bei den Franziskanern.

Eine Entdeckungsreise zu über 80 Orten enthält das Buch "Frauenklöster im Rheinland und in Westfalen" von Hiltrud Kier und Marianne Gechter (Verlag Schnell und Steiner, 2004, 14,90 Euro). In 13 Tagestouren führt es zu reichen Klöstern ebenso wie zu bescheidenen "Beginenhöfen", deren Bewohnerinnen nur Gelübde auf Zeit ablegten.

Das Zisterzienserinnenkloster Graefenthal in Goch (Kreis Kleve) diente nicht zuletzt als Versorgungsstätte für unverheiratete Frauen aus Adelsfamilien. Das Kloster wurde 1248 gegründet, im gleichen Jahr, als der Bau des Kölner Doms begann. Seit 1260 war Graefenthal dem Kloster Kamp unterstellt. Ein Teil der Graefenthaler Klostergebäude wird heute mithilfe der NRW-Stiftung restauriert.

Rückbesinnung auf die kulturelle Tradition

Es ist mehr als 200 Jahre her, dass fast alle rheinischwestfälischen Klöster durch die Säkularisation von 1803 aufgehoben wurden. Wie das "Leben danach" für eine Klosteranlage aussah, hing u. a. stark davon ab, ob sie in der Stadt oder auf dem Land stand. In den Städten fanden sich meist vielfältige neue Nutzungen – für Schulen, Kasernen, Krankenhäuser, Verwaltung oder Gewerbe. Allerdings wurden dabei häufig die zu jedem Kloster gehörenden Wirtschaftsgebäude abgerissen, weil man keine Verwendung mehr für sie hatte. Im ländlichen Raum war es zwar weit schwerer, eine Klosteranlage überhaupt wieder "neu zu füllen". Dafür blieben die Wirtschaftsgebäude aber eher erhalten – einfach weil sie wie schon vor der Säkularisation landwirtschaftlich genutzt wurden. Umgekehrt sah es allerdings bei den Klosterkirchen aus: In ländlicher Abgeschiedenheit hatten sie geringere Überlebenschancen, weil es an Gemein den fehlte, die sie hätten nutzen können.

Auch von der Größe und vom jeweiligen Zustand hing die Zukunft einer Klosteranlage natürlich ab. Ein barockes Konventsgebäude z. B. brauchte meist nur wenige Veränderungen, um zur Adelsresidenz oder zum Wohnhaus zu werden. Für Gewerbe und Kleinindustrie hingegen reichten simple Eingriffe nicht aus – wo sie einzogen, ging das meist erheblich zulasten der Bausubstanz. Noch immer stellt sich bei vielen erhaltenen Klosteranlagen die Frage: Wie können sie heute angemessen gepflegt und genutzt werden? Für die öffentliche Hand oder private Eigentümer ist eine denkmalgerechte Instandsetzung und verträgliche Nutzung meist kaum allein zu finanzieren. Rein gewerbliche Verwendungen aber würden wertvolle Baudenkmäler allzu sehr gefährden, weil sie einen zu großen "Veränderungsdruck" mit sich bringen.

Besser ist es da, sich auf die einstige spirituelle, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der Klosteranlagen zu besinnen. Nicht um sie alle wieder in Klöster zu verwandeln, sondern um ihnen erneut einen zentralen Platz im Kulturleben ihrer jeweiligen Region zu verschaffen. Mit solchen guten Argumenten lassen sich auch öffentliche, private und gewerbliche Finanzquellen erschließen.

Stiftungsmodelle bilden dabei eine stabile Konstruktion, um die unterschiedlichen neuen Nutzungsansprüche zu koordinieren. Vielleicht sollten wir uns beim Umgang mit den alten Klosteranlagen aber auch an die Worte erinnern, die sich schon vor rund 500 Jahren in der Chronik des Kreuzherrenklosters Bentlage finden: "Nun mögen die Brüder darauf achten, dass sie die mit so viel Schweiß und Mühsal von frommen Mitbrüdern errichteten Gebäu de auch geziemend und fromm bewohnen."

Es lohnt sich, ein wenig darüber nachzudenken, denn dahinter steckt weit mehr als nur ein "frommer Wunsch".

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2/2008





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Die NRW-Stiftung half in den vergangenen Jahren mehrfach bei der Restaurierung oder Einrichtung von Klöstern im Rheinland und in Westfalen. Dazu gehören beispielsweise das Kloster Bentlage in Rheine, das Kloster Corvey in Höxter, die Klöster Knechtsteden und Langwaden im Kreis Neuss, das Stift Ehreshoven in Engelskirchen oder Kloster Bredelar im Sauerland.
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