BEETHOVEN IN BITS UND BYTES

NEUES AUS DEM DIGITALEN BEETHOVEN-HAUS

Mitten in der Bonner Innenstadt liegt das historische Beethoven-Haus.
Mitten in der Bonner Innenstadt liegt das historische Beethoven-Haus.
Wer Beethoven erleben will, kann Konzerte besuchen, CDs auflegen – oder einfach selbst in die Tasten greifen. Klavierunterricht ist dafür nicht unbedingt notwendig: In der virtuellen Welt des "Digitalen Beethoven-Hauses" genügt schon eine simple Computertastatur, um Leben und Werk des berühmten Komponisten auf völlig neue Weise zu entdecken. Dabei kommen erfahrene Spezialisten ebenso auf ihre Kosten wie musikbegeisterte Laien oder jugendliche Einsteiger, die erst einmal nur "Hallo Beethoven" sagen möchten.

Inmitten der Bonner City liegt das historische Beethoven-Haus - geschichtsträchtig und ganz real. Draußen verkündet eine alte Steintafel, dass der berühmteste Sohn der Stadt hier 1770 zur Welt kam. Drinnen knarren die Fußbodenbohlen unter dem Ansturm von rund 100.000 Besuchern im Jahr. Der Zulauf hat seine guten Gründe: Das Museum besitzt die bedeutendste Beethovensammlung der Welt. Zahlreiche Ausstellungsstücke von der Notenhandschrift bis hin zum originalen Spazierstock veranschaulichen Beethovens Leben als Künstler und als Mensch.

ORIGINAL UND DIGITAL

"Hallo Beethoven" heißt die brandneue Internetseite, die Kindern eine vergnügliche Begegnung mit dem Komponisten ermöglicht.
"Hallo Beethoven" heißt die brandneue Internetseite, die Kindern eine vergnügliche Begegnung mit dem Komponisten ermöglicht.
Die vielen authentischen Gegenstände bieten Geschichte pur, aber der Platz, der dafür im Beethoven-Haus zur Verfügung steht, ist leider begrenzt. Dem Museum ist es dennoch gelungen, sein Angebot eindrucksvoll zu erweitern: Unter der Bezeichnung "Digitales Beethoven-Haus" entführt es die Besucher seit ein paar Jahren per Computer in die unendlichen Weiten der Bits und Bytes und bietet ihnen dabei eine spektakuläre Mischung aus Kunst, Information und Unterhaltung.

Ihren Standort in der Wirklichkeit hat die virtuelle Beethoven-Welt da, wo einst die Taufe des kleinen Ludwig gefeiert wurde – im benachbarten Haus "Im Mohren". Es sind nur wenige Schritte durch den Museums-Innenhof, bis das "Studio für digitale Sammlungen" und die "Bühne für Musikvisualisierung" sich für den musikbegeisterten, geschichtlich interessierten oder ganz einfach nur neugierigen Besucher öffnen.

VIRTUELL UND VISUELL

Der Eingang zur "Bühne für Musikvisualisierung" liegt nur wenige Schritte entfernt vom Geburtshaus.
Der Eingang zur "Bühne für Musikvisualisierung" liegt nur wenige Schritte entfernt vom Geburtshaus.
Bei dem Wort "Bühne" denkt man unwillkürlich an die "Bretter, die die Welt bedeuten". Danach sieht es in dem Kellergewölbe, in dem die "Bühne für Musikvisualisierung" untergebracht ist, aber kaum aus, eher vielleicht wie in einem kleinen Kino. Doch auch dieser Vergleich hinkt. Denn in welchem Kino haben die Besucher die Möglichkeit, mithilfe von vier Steuerpulten direkt in das Geschehen auf der Leinwand einzugreifen? Bevor die Vorstellung beginnt, heißt es noch, sich eine 3D-Brille aufzusetzen. Dann erfüllt Musik aus Beethovens einziger Oper den Raum: Fidelio. Die Stimmen gehören bekannten Sängern, darunter Startenor René Kollo. Doch die Hauptfiguren des Dramas – Florestan, Rocco, Pizarro und Leonore – haben in dieser 20-minütigen Inszenierung keinerlei Ähnlichkeit mit menschlichen Gestalten. Es sind abstrakte Gebilde aus Spiralen, Flächen, Kugeln und Stäben, die synchron zur Musik ständig ihr Aussehen verändern. Ihre Position zueinander lässt sich an den Steuerpulten beeinflussen. Mitten im Raum scheinen die futuristischen 3D-Animationen dabei manchmal zu schweben, kommen oft zum Greifen nahe oder verschwinden in einen Hintergrund, den es in der Realität gar nicht gibt.

SO HAT MAN BEETHOVEN NOCH NICHT ERLEBT

Impressionen aus der virtuellen Beethoven-Welt: Fidelio im Cyberspace.
Impressionen aus der virtuellen Beethoven-Welt: Fidelio im Cyberspace.
So hat man Beethoven noch nicht erlebt. Und manch einer wird sich spätestens jetzt neugierig fragen: Wer war dieser Mann eigentlich, der 180 Jahre nach seinem Tod eine solche Hightech-Interpretation seiner Musik inspiriert? Antworten darauf gibt es eine Etage höher im "Studio für digitale Sammlungen". Hier wurde ein virtuelles Archiv mit 5000 historischen Dokumenten zu Beethovens Leben, Werk und Wirkung eingerichtet. Noten, Briefe, Drucke, Fotos und Karikaturen lassen sich an mehreren PC-Plätzen in hoher Bildqualität – und mit umfassenden Erläuterungen – aufrufen. Zu den Highlights der Präsentation gehört z. B. Beethovens letzte Wohnung in Wien, die dem Besucher in einer digitalen Rekonstruktion offen steht.

Nicht übersehen sollte man die an jedem Platz bereitliegenden Kopfhörer:
Schließlich war Beethoven ein Tonkünstler. Alle seine Werke sind in der digitalen Sammlung in hochwertigen Einspielungen verfügbar. Und nicht nur das: Briefe aus des Meisters Feder kann man sich nicht nur ansehen, sondern von professionellen Sprechern auch vorlesen lassen. Die Digitalisierung macht so authentische Dokumente leicht zugänglich, schützt sie aber zugleich vor dem konservatorisch bedenklichen Zugriff allzu vieler Hände. In geringerer Bildauflösung ist fast das gesamte digitale Archiv auch im Internet verfügbar. Manch einer mag angesichts der Materialfülle jedoch eher zögern und stattdessen lieber nach einem möglichst leichten Einstieg ins Thema Beethoven suchen. Doch auch dafür ist jetzt gesorgt: "Hallo Beethoven" heißt eine von der NRW-Stiftung finanzierte brandneue Internetseite, die für vergnügliche Begegnungen mit dem Komponisten sorgt. Das Angebot wendet sich in erster Linie an Kinder im Alter von zehn bis dreizehn Jahren. Erwachsene werden aber kaum weniger Spaß daran haben.

"HALLO BEETHOVEN" – DIE NEUE WEBSEITE FÜR KINDER

Wer mehr entdecken will, muss mit der Maus umherstöbern und klicken.
Wer mehr entdecken will, muss mit der Maus umherstöbern und klicken.
"Hallo Beethoven" führt uns in das Arbeitszimmer des Komponisten – nach realem Vorbild liebevoll gestaltet von dem Kinderbuchillustrator Alexander Steffensmeier. Während man auf dem Bildschirm zwischen Schreibtisch, Klavier und Noten des Meisters umherstöbert, setzt der Mauszeiger immer wieder einzelne Gegenstände in Bewegung. Hier heißt es klicken, um Beethoven anschließend in ganz unterschiedlichen Situationen zu erleben: als Schüler in Bonn ebenso wie als musikalischen "Profi" in Wien, als genussfreudigen Gasthausbesucher genauso wie als geplagten Patienten mit einer langen Leidensgeschichte.

"Hallo Beethoven" will den so häufig zum Titan verklärten Künstler vor allem als Menschen präsentieren. Und so erfährt man neben vielen geschichtlichen Hintergründen auch, dass Beethoven ein leidenschaftlicher Spaziergänger war, dass er verblüffend oft seine Wohnung wechselte, gerne Fisch aß und sogar eine Kaffeemaschine besaß. Trockene Chronologien gibt es nirgendwo, stattdessen viel Humor, aber auch Musikbeispiele, gesprochene Originaltexte und zahlreiche authentische Abbildungen. Die leicht lesbaren Darstellungen von Julia Ronge mischen sich mit Elementen aus Comic, Bilderbuch und Karikatur. Auch Quiz und Rätsel spielen eine große Rolle. Alle Einzelkapitel stehen für sich. Jeder kann einfach da starten, wo es ihm am meisten Spaß macht, und selber entscheiden, wie tief er ins Thema eintauchen will.

"LUDWIG VAN BEETHOVEN, HIRNBESITZER"

Auch ein musikalisches Genie vergreift sich mal im Ton: Beethoven war für heftige Zornesausbrüche bekannt.
Auch ein musikalisches Genie vergreift sich mal im Ton: Beethoven war für heftige Zornesausbrüche bekannt.
Nicht nur Teens wird die Frage interessieren, ob der große Künstler, der bekanntlich nie die Frau fürs Leben fand, vielleicht trotzdem einmal verliebt war. Die Antwort lautet: ja. Es ist sogar ziemlich schwierig, den Überblick über all seine amourösen Hoffnungen und Niederlagen zu behalten. Berühmt geworden ist sein bewegender Brief an die "unsterbliche Geliebte", obwohl sich dessen Adressatin bis heute nicht hat identifizieren lassen. "Hallo Beethoven" demonstriert den kriminalistischen Spürsinn, den die Wissenschaft aufbringen musste, um zumindest den Kreis der möglichen Kandidatinnen einzuengen – und gibt damit zugleich einen auch für Kinder spannenden Einblick in die Techniken der historischen Quellenkritik.
War Beethoven auch häufig zärtlich gestimmt, so beweist sein Leben auf der anderen Seite, dass sich selbst ein Meister kunstvoller Klänge öfters im Ton vergreifen kann. Berühmt für heftige Zornesausbrüche und plötzlichen Stimmungswandel, kannte er für Menschen, die ihm nicht behagten, eine wenig schmeichelhafte Ausdrucksweise – auch für Familienmitglieder. Seine Schwägerin beispielsweise nannte er "Fettlümmel". Und einen Brief an seinen Bruder, der sich selbst als "Johann van Beethoven, Gutsbesitzer" bezeichnet hatte, unterschrieb er als "Ludwig van Beethoven, Hirnbesitzer".

Die oft schroffe Art des Komponisten hängt zweifellos auch mit seinem durch
viele Krankheiten getrübten Leben zusammen. So litt Beethoven nachweislich an einer chronischen Bleivergiftung, wie man auf "Hallo Beethoven" erfährt. Die Schädlichkeit des Bleis für den menschlichen Körper war zu seiner Zeit, als man es häufig mit der Nahrung aufnahm, noch unbekannt. Vielleicht war das Schwermetall auch die Ursache seiner häufigen Stimmungsschwankungen und seiner Gehörprobleme – beides mögliche Symptome einer Bleivergiftung.

HÖRROHRE UND KONVERSATIONSHEFTE

Seine Hörrohre zeugen von seinem vergeblichen Kampf gegen die Taubheit.
Seine Hörrohre zeugen von seinem vergeblichen Kampf gegen die Taubheit.
Seit den späten 1790er-Jahren waren Beethovens Gehörprobleme nicht mehr zu verdrängen. Vollständig ertaubte er ca. 1818. Damals war er noch keine 50 und hatte noch neun Jahre zu leben. Musik wurde für ihn jetzt endgültig zu einer Sache des Notenpapiers und seiner phänomenalen musikalischen Vorstellungskraft. Beides genügte ihm, um weiterhin Meisterwerke zu komponieren wie die 1822 bis 1824 geschriebene neunte Symphonie. Stärker als beim Komponieren machte Beethoven sein schwächerwerdendes Gehör im Alltag zu schaffen. Die von ihm hinterlassenen, teilweise ziemlich monströsen Hörrohre lassen erahnen, welche Probleme ihm selbst einfache Gespräche bereiteten. Unterhaltungen konnte er schließlich nur noch mithilfe der sogenannten Konversationshefte führen, von denen noch 139 existieren. Darin wurden die Äußerungen seiner Gesprächspartner notiert, nicht aber seine mündlichen Entgegnungen. Für uns sind es daher nur "halbe Gespräche". Die knifflige Aufgabe ist es herauszufinden, was Beethoven in so einem Gespräch wohl konkret gesagt haben könnte. Auf "Hallo Beethoven" kann man anhand eines Beispiels selbst einmal probieren, wie weit man dabei kommt.

Die neue Internetseite beweist, dass sich auch vermeintlich schwere Themen mit großer Leichtigkeit vermitteln lassen. Das Beethoven-Haus bereichert damit sein digitales Angebot um ein zugleich fundiertes und unterhaltsames Highlight. Doch auch in der nichtvirtuellen Welt ist das Museum natürlich weiterhin tätig. Derzeit bemüht es sich darum, die Originalnoten der sogenannten "Diabelli-Variationen" zu erwerben – ein eindrucksvolles Zeugnis beethovenscher Eigensinnigkeit: 1819 hatte der Musikverleger Anton Diabelli bekannte Komponisten aufgefordert, über ein von ihm selbst verfasstes Walzerthema eine Variation zu schreiben. Viele Einsender erfüllten die Aufgabe schlicht so, wie sie gestellt war, darunter prominente Namen wie Franz Schubert oder (der damals erst elfjährige) Franz Liszt. Beethoven hingegen lehnte das Ansinnen zunächst schroff ab - allerdings nur um einige Zeit später statt mit einer gleich mit 33 Variationen aufzuwarten. Das Walzerthema machte dabei Verwandlungen durch, die es in völlig neue Sphären hoben und an die Anton Diabelli wohl in seinen kühnsten, pardon: in seinen "virtuellsten" Träumen nicht gedacht hätte.

"DUNKLE GERÜCHTE"

Klatschpresse - um Ludwig van Beethoven ranken sich dunkle Gerüchte.
Klatschpresse - um Ludwig van Beethoven ranken sich dunkle Gerüchte.
Zu den Themen, die sich auf der Webseite "Hallo Beethoven" anklicken lassen, gehört auch die "Gerüchteküche" – symbolisiert durch eine aufgeschlagene Klatschzeitung. Und tatsächlich sind über Ludwig van Beethoven buchstäblich "dunkle" Gerüchte im Umlauf. Eins davon hängt mit dem dunklen Hautton zusammen, den er gehabt haben muss und der ihm sogar den Spitznamen "Spangol" - Spanier - eintrug. Die erstaunliche Behauptung allerdings, Beethoven stamme in Wirklichkeit aus Afrika ab, gehört ganz unzweifelhaft zu den Gerüchten ohne jede Grundlage, auch wenn das Beethoven-Haus immer wieder mit entsprechenden Anfragen konfrontiert wird. Beethovens Mutter kam aus Ehrenbreitstein bei Koblenz, seine väterlichen Vorfahren stammten aus Brabant. Schon der Namenszusatz "van" weist auf den flämischen Sprachraum hin. Anders als das deutsche "von" ist dieses "van" übrigens kein Hinweis auf eine adelige Abstammung - womit ein weiteres Beethoven-Gerücht widerlegt wäre.

FAMILIE BEETHOVEN

So kennt man ihn: Büste des Komponisten.
So kennt man ihn: Büste des Komponisten.
Die alte Tafel am Beethoven-Haus besagt, dass der kleine Ludwig hier am 17. Dezember 1770 geboren wurde. Sicher belegt ist für dieses Datum allerdings nur seine Taufe. Vielleicht erblickte er auch schon tags zuvor das Licht der Welt. Viel früher wird es nicht gewesen sein, war angesichts hoher Kindersterblichkeit eine schnelle Taufe im 18. Jahrhundert doch üblich. In Bonn lebte Beethoven bis 1792. Die rheinische Stadt war damals Residenz der Kurfürsten von Köln. Ludwigs gleichnamiger Großvater hatte es bis zum kurfürstlichen Kapellmeister gebracht. Sein Vater stand – als Hoftenorist – ebenfalls in allerhöchsten Diensten. Er musste das Singen später jedoch aufgrund schwerer Alkoholprobleme aufgeben. Wohl einer der Gründe, warum Beethovens Mutter das Heiraten folgendermaßen definierte: "Ein wenig Freud, aber nachher eine Kette von Leiden."

Schon mit 14 Jahren zählte auch Ludwig zu den Mitgliedern der Hofkapelle - als Organist und Cembalist, später auch als Bratschist. In seinem Geburtshaus, dem Hinterhaus des heutigen Beethoven-Museums, hatte das Wunderkind allerdings nur seine ersten Lebensjahre verbracht. Danach zog die Familie noch mehrfach um. Von allen Wohnsitzen der Beethovens in Bonn blieb jedoch nur das heutige Museum vom Abriss verschont. Zu verdanken ist die Rettung des Gebäudes zwölf Bonner Bürgern, die dazu 1889 eigens einen Verein gründeten, der unter dem Namen "Verein Beethoven-Haus" heute noch existiert.




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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützte die Realisierung der Internetseite "Hallo-Beethoven.de". Mit diesem zusätzlichen Angebot richtet sich das Digitale Beethoven-Haus speziell an Kinder und Jugendliche. Bereits in der Vergangenheit konnte die NRW-Stiftung den Verein Beethoven-Haus in Bonn beim Kauf einer Originalhandschrift und bei der Restaurierung des Museums unterstützen.

Das neue Internetangebot für Kinder und Jugendliche ist unter: www.hallobeethoven.de abrufbar. Das Beethoven-Haus in Bonn mit seinen
Museumsräumen befindet sich in der
Bonngasse 20
in 53111 Bonn.

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