ALLEEN IN NRW

GRÜNES BAND AM WEGESRAND

Pflanztermin am Annaberger Hof mit NRW-Minister Eckhard Uhlenberg (vorn) und dem Vizepräsidenten der NRW-Stiftung, Prof. Wolfgang Schumacher (rechts).
Pflanztermin am Annaberger Hof mit NRW-Minister Eckhard Uhlenberg (vorn) und dem Vizepräsidenten der NRW-Stiftung, Prof. Wolfgang Schumacher (rechts).
"Was riecht hier so gut?" Mancher Fußgänger hält inne und genießt den zarten Nektarduft, der aus den weißen Baumkronen herüberweht. Der Wohlgeruch der Pflaumenblüten und das Summen der Bienen waren früher allgegenwärtig beim Frühjahrsspaziergang um den Annaberger Hof in Bonn. Doch von der ehemals durchgehenden Obstbaumallee waren zuletzt nur noch wenige Einzelgehölze übrig. Jetzt wurden die Baumreihen durch das Anpflanzen junger Hochstämme wieder vervollständigt.

Die erste Generation Obstbäume wurde vor fast 150 Jahren gesetzt, als der Annaberger Hof Versuchsgut der Landwirtschaftlichen Akademie war. Viele Jahrzehnte spendeten die Bäume Blütendüfte, Halbschatten, Blätterrascheln, ein stetig wechselndes Farbenspiel – und dem, der sich nicht erwischen ließ, einen süßen Imbiss ... Während anderswo Alleebäume buchstäblich reihenweise dem Autoverkehr geopfert wurden, starben die Obstgehölze im Annaberger Feld ganz unspektakulär – Stürme und Alter forderten ihren Tribut. In den immer größer werdenden Lücken wuchsen längst Holunder, Schlehen und Brombeeren.
Die ersten zarten Knospen sind schon da.
Die ersten zarten Knospen sind schon da.
Für manche Vögel, Kleinsäuger und Insekten, die hier ihren Lebensraum haben, ein brauchbarer Ersatz, aber nicht für alle. So verschwanden nach und nach Wendehals, Steinkauz und Gartenrotschwanz, jene gefiederten Bewohner, die auf locker stehende Altbäume mit Bruthöhlen angewiesen sind. Auch die Bonner vermissten ihre alte Obstbaumallee. Manchen Spaziergänger überkam Wehmut bei der Erinnerung an rotbackige Äpfel oder ein paar frische Pflaumen, die man im Vorübergehen essen konnte. So auch Ignaz Graf von Westerholt, Jahrgang 1930, der in der Nachbarschaft groß wurde: "Als Halbwüchsige haben wir hier jedes Jahr Obst genascht, da hat niemand was gesagt", erinnert er sich. "Wir haben allerdings auch nicht gefragt", schiebt er kleinlaut nach.

Leckere Früchtchen: Madame Verté und Anna Späth

120 Jahre alte Allee bei Möhnesee.
120 Jahre alte Allee bei Möhnesee.
Schon seit einigen Jahren gab es die Idee, neue Obstbäume zu pflanzen, um die Straßenränder im Annaberger Feld ökologisch und ästhetisch aufzuwerten. Das 100-Alleen-Programm der Landesregierung (siehe Blickpunkt) gab dem Plan neuen Schwung. Grundeigentümer und Pächter waren sofort begeistert. Assistiert vom Stadtförster setzten die Mitarbeiter der Biologischen Station Bonn insgesamt 110 neue Bäume und werden sich in Zukunft um die Pflege kümmern. Anders als "normale" Alleen, die nur aus einer Gehölzart bestehen, kombinierte man auf dem Annaberg gleich zehn verschiedene Sorten. Die erst Ende September reife, zuckersüße Pflaume "Anna Späth" ist darunter, Mostbirnen wie die frostharte "Madame Verté" oder der für schwere Böden besonders geeignete Rheinische Bohnapfel.
Zum Reisen, nicht zum Rasen gemacht

Ursprünglich waren Alleen (vom französischen Verb "aller" = gehen) breite Spazierwege. Gartenarchitekten legten sie als Blickachsen in Parks an oder ließen sie von herrschaftlichen Residenzen aus schnurgerade ins Umland laufen. Erst später schätzte man die praktischen Werte: Alleen spendeten Schatten und Windschutz oder halfen Reisenden bei Schnee, Nebel oder Dunkelheit, die Spur zu halten. Heute haben Alleen in sonst strukturarmen Landschaften weitere Funktionen: Wie grüne Adern verbinden sie getrennte Waldinseln und sind Lebensraum für viele Tiere. Ihr Laub produziert Sauerstoff und bindet Stäube, CO2 und Abgase. Zahlreiche Alleen fielen in der Vergangenheit dem Straßenausbau zum Opfer, aber immerhin gibt es in Nordrhein-Westfalen noch rund 2000 von ihnen. Sie bestehen aus Linden, Eichen, Eschen, Rosskastanien, Platanen, Ahornen oder Obstbäumen und prägen häufig das Landschaftsbild. Mit der aktuellen Initiative rückt diese älteste Form der Straßenbepflanzung wieder stärker in den Blickpunkt. Vielerorts werden Alleen mithilfe von Landschaftsschützern und Heimatvereinen ergänzt oder neu gepflanzt, um sie als Natur- und Kulturgüter zu erhalten.

Quelle: Stiftungsmagazin 1/2007





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Das 100-Alleen-Programm ist eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen zum Erhalt und zur Weiterentwicklung unserer Alleen. Die NRW-Stiftung hat für die Pflanzung von zehn Alleen ihre Unterstützung zugesagt, beispielsweise in Borgholzhausen, Minden, Anröchte, Kleve und Bonn. Zum 100-Alleen-Programm gibt es zugleich auch einen Fotowettbewerb.

Weitere Informationen unter www.alleen.nrw.de
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