Gebietsbeschreibung
Geographische Lage und naturräumliche Charakterisierung
Das ehemalige Munitionsdepot Brüggen-Bracht, wie das Gebiet vorher genannt wurde, liegt im Bereich des Grenzwaldes nahe der Niederländischen Grenze ca. 10 km südlich von Venlo (NL) bzw. 20 km nordwestlich von Mönchengladbach. Politisch gehört es zur Gemeinde Brüggen (Kreis Viersen), naturräumlich zu den Schwalm-Nette-Platten des Niederrheinischen Tieflands. Die eingezäunte Depotfläche, die eine Größe von 1240 ha besitzt, wurde im Jahre 2000 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der größte Teil davon, nämlich 853 ha, befindet sich seit 1997 im Besitz der NRW-Stiftung.
Es handelt sich um ein Waldgebiet mit Kiefernforsten, Birken-Eichenwäldern, Binnendünen und Heiden. Seine Oberfläche ist größtenteils fast eben mit Höhenlagen um 60-65 m. Nur im Süden und im Nordwesten verfügt es über ein deutliches Relief und fällt teilweise bis auf 40 m ab. Es ist von einem dichten, schachbrettartigen Netz aus Straßen und Wegen mit Brandschutzstreifen durchzogen. Aufgrund seiner früheren Nutzung war das Gebiet stark technisch geprägt: ca. 200 Lagerhallen, umgeben von 6-8 m hohen Splitterschutzwällen, 15 km Gleisanlagen, 4 Verladebahnhöfe und 18 km Depotzaun.
Zu erreichen ist das Gebiet von Köln aus über die A4 Richtung Aachen, beim Kreuz Kerpen auf die A 61 Richtung Venlo, beim Kreuz Mönchengladbach auf die A 52 Richtung Roermond bis zur Abfahrt Nr. 3 Niederkrüchten. Dort nach links auf die B 221 Richtung Brüggen und weiter Richtung Kaldenkirchen. Nach der 4. Ampel links in die St. Barbara-Straße (am Restaurant Shanghai), dieser bis zum Ende der Aspaltstraße folgen.
Geologisch gesehen liegt der Brachter Wald auf der Hauptterrasse von Rhein und Maas. Der Untergrund besteht daher aus Lockergestein: Kiesen und Sanden. Darüber liegen stellenweise noch Flugsande der Maas sowie Löss. Aus diesem geologischen Untergrund haben sich ganz überwiegend basen- und nährstoffarme Böden gebildet. Vom Bodentyp ist die Podsol-Braunerde vorherrschend, die mitunter etwas pseudovergleyt ist. Kleinflächig sind auch Braunerde-Podsol oder reiner Podsol entwickelt. Im Norden finden sich - ebenfalls kleinflächig - lehmige Braunerden.
Klimatisch gesehen sind milde, schneearme Winter und mäßig warme Sommer mit etwa 700-750 mm Jahresniederschlägen für das Gebiet charakteristisch. Die Hauptwindrichtung ist Westen. Durch die Lage inmitten von weitläufigen Forsten und Wäldern herrscht im Gebiet ein ausgeglichenes, lokales Waldklima.
Historie
Über die ältere Geschichte des Grenzwaldes ist nur wenig bekannt. Intensive Niederwaldnutzung führte im Laufe der Zeit zu einer Übernutzung und weitgehenden Zerstörung der Wälder, so dass ab ca. 1800 das Gebiet des heutigen Brachter Walds überwiegend Heide war. Diese war teilweise verbuscht, aber nur kleinflächig bestanden noch eichen- und birkenreiche Waldflächen. Die Heideflächen standen als "gemeine Gründe" oder "Allmende" den Bauern von Bracht zur Nutzung zur Verfügung. Hierzu gehörten Beweidung mit Schafen und Rindern, Plaggenhieb und Heidehauen, Torfstechen und das Aufstellen von Bienenstöcken.
Nach einem größeren Waldbrand im Jahr 1864, dem 200 ha Wald zum Opfer fielen, begann man mit systematischen Aufforstungen von Kiefern. Weitere Flächen folgten und um 1890 war das Gebiet weitgehend aufgeforstet. Etwa um diese Zeit wurde auch mit dem Tonabbau begonnen, der heute noch andauert. Um 1939 dienten Teile des Geländes als Segelflugplatz und von 1942-44 als Benzindepot der Wehrmacht. Durch Artelleriefeuer und Stellungs-Ausbau entstanden im zweiten Weltkrieg größere Schäden.
Ab 1945 verwendeten die Briten die Fläche zunächst für die Sprengung von Blindgängern, was des öfteren zu Waldbränden führte. Ab 1948 begannen sie, das von ihnen beschlagnahmte Gelände einzuzäunen und zum größten Munitionsdepot Westeuropas auszubauen. Von 1952 an war das Gebiet dann militärisches Sperrgebiet der britischen Rheinarmee, zu dem nur Förster und Waldarbeiter Zutritt hatten. Noch vor dem endgültigen Abzug der Briten im Jahre 1996 wurde das Gelände 1995 einstweilig sichergestellt und im Jahre 2000 als NSG ausgewiesen.