Gebietsbeschreibung
Geographische Lage und naturräumliche Charakterisierung
Die in der Westeifel im Kreis Euskirchen gelegene Sistig-Krekeler Heide gehört zur Gemeinde Kall und erstreckt sich über mehrere Teilflächen zwischen den Ortschaften Krekel, Sistig und Benenberg. Zu erreichen ist das Gebiet am einfachsten über die B258 aus Richtung Blankenheim (von Köln oder Bonn - über Euskirchen) oder Schleiden (von Aachen).
Es handelt sich vor allem um relativ großflächige, extensiv genutzte Wiesen und Weiden, Borstgrasrasen und Heiden im Wechsel mit Gebüschen, Pionierwäldern und Resten von Nadelholzforsten. Die NRW-Stiftung hat in dem gleichnamigen FFH- und Naturschutzgebiet rund 65 ha erworben.
Wie die Luftbilder zeigen, liegt das Gebiet inmitten einer flachwelligen Hochfläche auf ca. 600 m Meereshöhe. Entsprechend kühl und feucht ist das subatlantische Klima hier mit einem Jahresmittel von ca. 6,8 °C und mittleren Jahres-Niederschlägen von ca. 950 mm. Aus dem unterdevonischen Untergrund (Klerfer Schichten und Ems-Quarzit) haben sich überwiegend saure, nährstoffarme Böden entwickelt, die - bedingt auch durch tertiäre Tone - zur Staunässe neigen und als Pseudogleye und pseudovergleyte Braunerden zu bewerten sind. Nur kleinflächig haben eiszeitliche Lössverwehungen zu etwas nährstoffreicheren Böden geführt.
Historische und aktuelle Nutzungen
Unter den heutigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ermöglichen die Klima- und Bodenverhältnisse in diesem Gebiet eigentlich nur Grünland- und Waldnutzung. Tatsächlich aber erstreckten sich - wie alte Karten zeigen - zu Beginn des 19. Jahrhundert hier ausgedehnte Heideflächen, die z. T. auch ackerbaulich genutzt wurden. Der Wald war dagegen durch Übernutzung (Waldweide, Rottwirtschaft, Brennholz-, Bauholz-, später Holzkohlengewinnung) zu dieser Zeit bereits stark zurückgedrängt.
Von landschaftsprägender Bedeutung waren vor allem Schafhaltung (Hutungen) und die sog. Schiffelkultur, eine besondere Form der Brandkultur bzw. Feld-Heide-Wechselwirtschaft, die seit dem 14 Jahrhundert in der Eifel bekannt ist. Hierbei wurde in Magerrasen- oder Heideflächen die gesamte Vegetationsdecke abgeplaggt, getrocknet, mit Reisig vermischt, verbrandt und die Asche als Dünger auf den abgeplaggten Parzellen verteilt. Dann wurde 2-3 Jahre lang Getreide (Roggen, Hafer, Buchweizen) eingesäht, worauf wieder eine längere Brachephase (15-20 Jahre) für die notwendige Erholung hinsichtlich der Bodenfruchtbarkeit sorgte (Maul 1997).
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Heiden, Magerwiesen und Borstgrasrasen insbesondere durch Nadelholzaufforstungen nach und nach zurückgedrängt. Dieser Prozess dauerte bis in die 1970er Jahre. Wiesen und Weiden waren zwischen etwa 1800 und 1980 im Gebiet fast nur in feuchten Tälern und an steilen Hängen zu finden, wohingegen der Ackerbau trotz der Höhenlage schon vor rund 200 Jahren dominierte und selbst noch nach dem zweiten Weltkrieg von Bedeutung war.
Interessant ist, dass im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes in der Sistig-Krekeler Heide zahlreiche Entwässerungsgräben gezogen wurden, um mehr Ackerland gewinnen zu können. Spuren dieser Entwässerungsmaßnahmen lassen sich im Gebiet noch heute nachweisen. Der Ackerbau wurde hier gegen Ende des Krieges ganz aufgegeben.