Gebietsbeschreibung
Geographische Lage und naturräumliche Charakterisierung
Die Flächen der NRW-Stiftung, die aus ca. 420, meist kleinen bis sehr kleinen, oft isolierten Parzellen bestehen, liegen im nördlichsten Teil des Hohen Westerwaldes und im südlichsten Zipfel Westfalens rund um die Ortschaft Lippe, die zur Gemeinde Burbach (Kreis Siegen-Wittgenstein) gehört. Die Stiftungsparzellen sind dort Bestandteil eines großflächigen Naturschutzgebietsystems und betreffen 7 NSGs. Der Großteil der Flächen liegt in den seit 2003 bestehenden NSGs "Buchhellerquellgebiet" (203,3 ha, S-SW Lippe), "Mückewies" (97,2 ha, N-NW Lippe), "Oberes Buchhellertal" (18,4 ha, N Lippe) und "Hasseln" (24,7 ha, O-NO Lippe). Nur wenige Parzellen betreffen dagegen die NSGs "Fuchsstein" (97,2 ha, NO Lippe) und "Lipper Höhe" (16,2 ha, am Flughafen östl. Lippe). Etwas isoliert davon findet sich, ca. 3 km nordöstlich von Lippe an der Straße nach Burbach, noch eine weitere Stiftungsfläche, das schon seit 1957 bestehende NSG "Gambach" (6,5 ha).
Die zusammen etwa 50 ha großen stiftungseigenen Flächen (innerhalb der 463,5 ha großen Gesamt-Naturschutzfläche) umfassen Ausschnitte aus großflächigen montanen Grünlandkomplexen mit Goldhafer-, Feucht- und Pfeifengraswiesen bzw. -brachen, Hochstaudenfluren, Seggen-Sümpfen und Quellfluren sowie Borstgrasrasen und Überresten von Bergheiden - begleitet von Gebüschen, Auenwäldern, Sumpf- und Bruchwäldern sowie Blockschuttwäldern.
Zu erreichen sind die Flächen von Köln aus am einfachsten über die A4 und dann die A45 bis zur Abfahrt Haiger-Burbach, um von dort auf die B54 Richtung Limburg zu wechseln. Nach ca. 8 km zweigt nach rechts die L 723 (Richtung Burbach) ab, die nach 1,5 km unmittelbar am NSG "In der Gambach" (bzw. der nördlichen Teilfläche) vorbeiführt. Folgt man der B54 weiter in südlicher Richtung, zweigt nach ca. 2 km rechts eine zur Ortschaft Lippe führende Straße ab, in derem Umkreis, vor allem im Süden, Südwesten und Nordwesten sich ausgedehnte Grünlandflächen befinden.
Große Teile des Gebiets liegen im Bereich einer flachwelligen, nach Norden zu leicht abfallenden Hochfläche auf ca. 500-600 m Meereshöhe. Die Buchheller, ein kleiner, etwa 1,5 m breiter Bach, der das Gebiet von Süden nach Norden durchquert, schneidet in seinem Quellgebiet südlich von Lippe zunächst nur sanft in die Plateaulagen ein. Die Eintalung verstärkt und verbreitert sich unterhalb von Lippe deutlich und in diesem Abschnitt (= Oberes Buchhellertal) liegen am Nordrand die niedrigsten Flächen um 440 m. Das NSG Gambach befindet in einer ca. 470-500 m hoch gelegenen Mulde des nordöstlich hierzu verlaufenden Burbach-Tales.
Der Hohe Westerwald, zu dessen nördlichstem Zipfel größere Teile des Gebietes gehören, ist einem ziemlich rauhen subatlantischen Berglandklima ausgesetzt. Charakteristische Merkmale sind eine niedrige Jahresmitteltemperatur um 6 °C, mittlere Jahresniederschläge von ca. 1100 mm, eine Schneedecke an 70 Tagen, Nebel an 150 Tagen und ein meist aus Westen wehender, ± starker Wind, der permanent über die waldarmen Hochflächen fegt (wie es das bekannte Westerwaldlied ja zum Ausdruck bringt). Dementsprechend kurz ist die Vegetationsperiode mit 150 Tagen, wobei nur die Monate Juli und August meist frostfrei sind.
Unter geologischen Gesichtspunkten liegt das Buchhellerquellgebiet noch ganz im Bereich des spättertiären Vulkanismus, in dessen Verlauf basenreiche Basalte das stark verwitterte unterdevonische Grundgebirge durchbrachen und in Form flächenhafter Deckenergüsse mit bis zu 100 m Mächtigkeit überlagerten. Im Norden des Gebietes sowie im Bereich des NSG Gambach tritt dagegen die Siegenstufe des Unterdevons mit basenarmen Tonschiefern, Grauwacke und Quarziten zutage. Die Grenze zwischen beiden Formationen, zugleich die Grenze zwischen dem Westerwald und dem Siegerland verläuft mitten durch die Ortschaft Lippe, wobei die Basaltdecke v-förmig westlich und östlich von Lippe noch deutlich weiter nach Norden reicht. Periglaziale eiszeitliche Blockströme über geneigten, oberflächlich aufgetauten Dauerfrostböden, spätere Lößauflagerungen und Fließerden haben die geologische Vielfalt weiter erhöht. Das vorwiegend lehmig-tonige, schuttreiche Verwitterungsmaterial hat sich im Gebiet großflächig zu Pseudogleyen und Pseudogley-Braunerden entwickelt. Eigentliche Braunerden und Parabraunerden treten im Gebiet etwas zurück. Sie sind vor allem in hängigem Gelände entwickelt. In der Talaue der Buchheller finden sich Gleye und Anmoorgleye, im Quellgebiet der Buchheller auch Moorgleye.
Historie
Die Besiedlung des Hohen Westerwaldes erfolgte im Gegensatz zu den niedriger liegenden Teilen des Ober- und Niederwesterwald recht früh im 5. vorchristlichen Jahrhundert durch die Kelten, da die ebene Basaltoberfläche schon damals als gute Waldweide erkannt wurde. Später (ab dem 1. Jahrhundert n. Chr.) drangen dann die Germanen von Norden ins Siegerland vor. Rodungen und die Gewinnung von Brennholz und Holzkohle führten schon bald zu einer an Wäldern verarmten Hochfläche.
Etwa seit dem 15. Jahrhundert ist die Viehzucht die landwirtschaftliche Haupterwerbsquelle im Hohen Westerwald. Etwa seit dieser Zeit bestehen die großen Allmenden, gemeindeeigene Viehtriften (Huteweiden), die nur ausnahmsweise mal ackerbaulich genutzt wurden. Dauergrünland sind seit alters her auch die Auenwiesen bzw. -weiden. Bei den übrigen, Einzelpersonen gehörenden Flächen verkleinerte die vorherrschende nassauisch-fränkische Realerbteilung die Parzellen im Laufe der Zeit derart, dass die meisten Flächen nur noch im landwirtschaftlichen Nebenerwerb genutzt werden konnten. Auf ihnen wurde im Gebiet des Hohen Westerwaldes früher - etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts - vor allem die geregelte Feldgraswirtschaft betrieben, die einen regelmäßigen Wechsel zwischen Acker und Grünland vorsah. Hierzu teilte man die Feldmark in vier Felder. Zwei Felder waren mit Getreide (meist Hafer, daneben Roggen) bestellt, das dritte trug Hackfrüchte wie Kartoffeln, Kohlrüben, Buchweizen oder Lein, das vierte blieb - je nach Ertragsschwäche - sechs bis zehn Jahre lang unbebaut und wurde als sog. "Driesch" oder "Triesch", d.h. als einschürige Wiese oder Weide genutzt.
Ab den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ging man dazu über, die Flächen durch mineralische Düngung (Thomasmehl, Kali, Kalk) in Daueräcker bzw. im Gebiet überwiegend in Dauergrünland umzuwandeln. Äcker gibt es im Umkreis von Lippe heute nur noch ganz wenige. In den 50er Jahren wurde versucht, die Lipper Grünlandflächen durch Dränage und Entfernung der überall herumliegenden Basaltblöcke zu meliorieren. Nach ersten Arbeiten wurde der Plan alsbald aber wieder aufgegeben, so dass die naturgebundenen standörlichen Bedingungen heute noch fast unverändert vorliegen. Übrig geblieben sind die regelmäßig angeordneten Lesehaufen, die durch das Zusammenschieben und Aufschichten der Basalblöcke mit schwerem Gerät entstanden. Allerdings wurden die meisten Grünlandflächen bis vor kurzem als sog. Grenzertragsflächen immer weniger genutzt und fielen brach. Es entstanden Strukturbrachen, die zwischen 1975 und 1985 ihren Höhepunkt erreichten, als ca. 50 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Gemarkung vorübergehend brach lag.
Das NSG Gambach ist kulturhistorisch etwas anders zu sehen, denn es liegt naturräumlich bereits im angrenzenden Siegerland. Hier wurde auf basenarmen Böden vornehmlich die Haubergswirtschaft betrieben. Die niederwaldartigen Bestände in den Haubergen wurden alle 16-22 Jahre eingeschlagen, dann als Acker zwischengenutzt und schließlich noch als Waldweide verwendet. Auch dienten sie zur Gewinnung zur Loheichenrinde. Die Waldbauern schlossen sich dabei zu Haubergsgenossenschaften zusammen, denen die Flächen auch heute noch gehören. Die wacholderreichen Bergheiden entstanden dadurch, dass ehemalige Haubergsflächen, die vorher als Waldweide dienten, aus Gründen zunehmenden Flächenbedarfs frühzeitig in reine Viehweiden umgewandelt wurden. Die NRW-Stiftungsfläche des NSG Gambach war, wie alte Photographien zeigen, so schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine gehölzarme Wacholderheide.
Um 1955 wurde die reine Haubergswirtschaft aufgegeben, d.h. vor allem die Waldhude. Auch die wacholderreichen Heiden, Borstgrasrasen und Magerweiden fielen danach zunehmend brach. Bis auf das heutige NSG Gambach wurden die meisten übrigen Wacholderheiden der Umgebung erstaufgeforstet.