Gebietsbeschreibung
Geographische Lage und naturräumliche Charakterisierung
Das NSG Fleuthkuhlen liegt im Niederrheinischen Flachland (Naturraum der Niersniederung) zwischen den Ortschaften Geldern, Kapellen und Issum. Das seit 1985 bestehende, heute 588 ha große Naturschutzgebiet setzt sich aus 4 Teilgebieten zusammen, von denen die Teilgebiete Wörchem, Gaisberg und Finkenhorst zusammenhängen, während das Teilgebiet Witthey deutlich von den übrigen getrennt liegt. Die Stiftungsflächen selbst umfassen ca. 147 ha in den Teilgebieten Wörchem und Finkenhorst. Politisch gehört das Gebiet teilweise zur Gemeinde Issum, teilweise zur Gemeinde Geldern (beide Kreis Kleve). In dieser nahezu ebenen Landschaft (Höhenlage: 22-25 m) liegen im Bereich der Fleuthniederung insgesamt 53 flache Stillgewässer. Gut 10 dieser "Kuhlen" gehören zu den Stiftungsflächen. Einige tragen markante Namen wie z.B. "Heiligtum", "Beerenbrouckkuhle" oder "Postkuhle". Zum Teil stehen sie über Kanäle mit der Issumer Fleuth in Verbindung.
Zu erreichen ist das Gebiet von Köln über die linksrheinische A 57. Hinter Rheinberg bei der Abfahrt Alpen wechselt man auf die B 58 und fährt nach Geldern. Die Flächen des Teilgebiets Finkenhorst erreicht man über die L 89, die kurz vor Geldern rechts nach Kapellen abzweigt. Das Teilgebiet Wörchem wird von der L 480 tangiert, die am Ortsausgang von Geldern rechts nach Kapellen führt (dort allerdings keine Parkmöglichkeit - am besten mit dem Fahrrad).
Die Geologie des Gebietes ist weiträumig geprägt durch pleistozäne und holozäne Lockergesteine, Aufschüttungen von Kiesen und Sanden eines alten Rheinarms. Diese bilden eine Niederterrasse aus, die von Hochflutlehmen und -sanden bedeckt ist. In darin eingeschnittenen, stark mäandrierenden und verzweigten Abflussrinnen lagerten sich stellenweise 1-2 m mächtige Niedermoortorfe ab. Die Rinnen werden im Niederrheingebiet als "Kendel", die ca. 2 m höher gelegene Niederterrassenplatten als "Donken" bezeichnet (? Kendel-Donken-Landschaft). Das Talsystem der Rinnen grenzt vielfach mit einer scharfen Kante, der sog. "Donkenkante", an die Niederterrasse. Die Böden im Bereich der Rinnenniederung bestehen überwiegend aus lehmigen bis sandigen Gleyen, im Bereich der Kuhlen aus Niedermoor. In der Teilfläche Wörchem finden sich auch Moor- und Anmoorgleye aus Niedermoortorf und schluffig-tonigen Sedimenten. Auf den Flächen der Niederterrasse haben sich lehmig-sandige Braunerden, im Bereich von Flugsanddecken podsolige Braunerden entwickelt.
Das Klima des Gebietes ist als subatlantisches Flachlandklima mit milden Wintern und relativ kühlen Sommern zu bezeichnen. Im benachbarten Kleve erreicht die Jahresmitteltemperatur 9,6 °C, die mittleren Jahresniederschläge liegen bei 760 mm. Ganzjährige Windeinwirkung wegen der Offenheit des Raumes und hohe Luftfeuchtigkeit (im Mittel 65 Nebeltage) kennzeichnen das regionale Klima.
Historie
Die geomorphologische Ausgestaltung des Gebietes hat ihren Ursprung in einer saaleeiszeitlichen Verlagerung des Rheinstroms. Gewaltige Eismassen drangen damals bis ins Niederrheingebiet vor und drängten dadurch den Rhein nach Westen ab. Nach dem Rückzug des Eises durchbrach der Rhein die Endmoränenwälle und bildete zwischen dem heutigen Verlauf weiter östlich und dem saaleeiszeitlichen Flussbett im Westen ein reich verzweigtes, sich ständig verlagerndes Stromsystem. So wurden bei hohen Wasserständen auch hier große Mengen an Kiesen und Sanden abgelagert, die das Material der heutigen Niederterrasse darstellen. Später verringerte sich der Abfluss und die teilweise noch mit dem Hauptstrom verbundenen, teilweise von Grundwasser gespeisten, kleinen Wasserläufe schnitten in die Niederterrasse ein ca. 2 m tiefes und ca. 200 - 300 m breites, stark gewundenes Rinnensystem.
Nach der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren zog sich der Rhein immer mehr nach Osten zurück. Die meisten Abflussrinnen wurden nicht mehr von Wasser durchflossen und die darin verbliebenen Tümpel verlandeten mit der Zeit. Es bildeten sich 1-2 m mächtige Torfschichten, die im Endstadium hauptsächlich von Erlenbruchwäldern bewachsen waren. Im 18. und 19. Jahrhundert ging man daran, diese Torflager auszubeuten. Mit Spaten und Schleppnetzen wurde der Torf gewonnen. Auch die unter dem Torf befindliche sog. Grieserde wurde entnommen und zur Bodenverbesserung auf unfruchtbares Ackerland aufgebracht.
Anfang des 20. Jahrhunderts endete der Torfabbau und die Torfkuhlen blieben sich selbst überlassen. Wieder entwickelte sich die Vegetation üppig in den Gewässern und führte innerhalb von 100 Jahren zu einer unterschiedlich starken Verlandung der Kuhlen - teilweise verzögert durch künstliche Entschlammung. Die Kuhlen lagen damals in einer sumpfigen Niederung, die nur extensiv als Grünland genutzt werden konnte, während Ackerbau auf die höher gelegenen Niederterrassenplatten beschränkt war. Mit Hilfe von Entwässerungsgräben und durch den kanalartigen Ausbau der Issumer Fleuth in den 1920er Jahren wurden die Niederung im Hinblick auf landwirtschaftliche Nutzung stark melioriert. Danach konnte dort teilweise Ackerbau betrieben werden. Vornehmlich wurde Mais angebaut - Dünger- und Pestizideinträge in die Gewässer blieben nicht aus. Die Kuhlen selbst wurden teilweise in Angelgewässer umfunktioniert.
Erst in den 70er Jahren begann eine Gruppe von engagierten Naturliebhabern unter Führung des Hobby-Ornithologen Günter Wonneberger, sich für den Schutz des Gebietes einzusetzen. Der Weg bis zur Unterschutzstellung war aber lang und viel Überzeugungsarbeit notwendig - doch der Erfolg blieb nicht aus. 1985 wurde ein großer Teil des heutigen Schutzgebietes als NSG ausgewiesen und 1995 auf insgesamt 588 ha erweitert.