Beschreibung der Fauna
Fauna
Die großräumigen, extensiven Feuchtgrünland-Flächen bieten einer Reihe von Tierarten günstige Entfaltungsmöglichkeiten. Näher untersucht sind bislang die Tiergruppen Vögel, Libellen, Amphibien und Heuschrecken. Im Mittelpunkt faunistischer Betrachtungen stehen im Gebiet mit vielen gefährdeten Arten ganz eindeutig die Vögel, allen voran der Weißstorch (Ciconia ciconia), der in der Roten Liste NRW als unmittelbar vom Aussterben bedroht angegeben ist. Gab es in den 1930er Jahren noch etwa 30 Brutpaare im Großraum Minden, so starben schon in den 1950er Jahren die Störche in NRW fast ganz aus. Um 1990 waren es nur noch 3 Paare. Aufgrund der in den letzten Jahren umgesetzten Maßnahmen (Extensivierung, Wiedervernässung, Anlage von Blänken etc.) konnte sich die Storchenpopulation inzwischen recht gut erholen. So wurden im Jahre 2004 im Kreis Minden-Lübbecke insgesamt 19 Paare gezählt, die 37 Jungtiere zum Ausfliegen brachten.
Die genannten Maßnahmen kamen auch einer ganzen Reihe von weiteren Vogelarten zugute. So zeigte sich, dass dort, wo eine Wiedervernässung gelang, z.B. im Nordteil des Blockes IV der Bastauwiesen, die neu geschaffenen Habitate geradezu eine Sogwirkung auf Vögel ausübten. Ganz erheblich nahmen die Bestände zu bei gefährdeten Arten wie Kiebitz (Vanellus vanellus), Schafstelze (Motacilla flava), Wiesenpieper (Anthus pratensis), Feldlerche (Alauda arvensis) und Rohrammer (Emberiza schoeniclus). Die in NRW vom Aussterben bedrohten Arten Knäkente (Anas querquedula) und Bekassine (Gallinago gallinago) brüten seit Umsetzung der Maßnahmen wieder im Gebiet. Das gleiche gilt für die stark gefährdete Löffelente (Anas clypeata) und Krickente (Anas crecca) sowie für Wachtel (Coturnix coturnix) und Wachtelkönig (Crex crex). Insgesamt stehen in den Bastauwiesen 14 Arten in der Roten Liste und 6 weitere in der Vorwarnliste.
Die Petershäger Weseraue besitzt aufgrund ihrer naturräumlichen Lage und Biotopausstattung eine internationale Bedeutung für die Vogelwelt der Feuchtgebiete und Auen. So dient sie als Rast- und Überwinterungsgebiet für eine Vielzahl von Wat- und Wasservogelarten. Besonders bedeutsam sind z.B. die Bestände von nordischen Bläßgänsen, Sing- und Zwergschwan, Schellente und Goldregenpfeifer. Insbesondere für diese wandernden Vogelarten stellt das Gebiet einen wichtigen Trittsteinbiotop im internationalen Biotopverbund dar. Die Artenliste der Brut-, Rast- und Überwinterungsbestände sowie der Nahrungsgäste umfasst etwa 100 Vogelarten.
Neben den Vögeln sind auch die Libellen im Gebiet ziemlich genau untersucht. Diese Tiergruppe ist für Feuchtgrünland in Kombination mit Kleingewässern recht charakteristisch. Bislang wurden 17 Arten nachgewiesen. Im Hinblick auf den Naturschutz sind die Vorkommen der Südlichen Binsenjungfer (Lestes barbarus) und der Glänzenden Binsenjungfer (Lestes dryas) von besonderem Interesse. Beide sind in NRW stark gefährdet - die Südliche Binsenjungfer sogar bundesweit.
Die Wiedervernässung der Niedermoorflächen in der Bastauniederung in Kombination mit der Anlage zahlreicher Kleingewässer hat auch den Lebensraum der Amphibien erheblich verbessert. Das gilt besonders für den in NRW stark gefährdeten, grasgrünen Laubfrosch (Hyla arborea), der im Gebiet optimale Bedingungen vorfindet. An weiteren Arten leben hier Teichfrosch (Rana kl. esculenta), Grasfrosch (Rana temporaria) und Teichmolch (Triturus vulgaris).
Bei den Heuschrecken wurden bisher 6 Arten in den Stiftungsflächen nachgewiesen. Besonders hervorzuheben ist das Vorkommen der in NRW stark gefährdeten Sumpfschrecke (Stethophyma grossum), die hier zusammen mit anderen feuchtgebietstypischen Arten wie Kurzflügelige Schwertschrecke (Conocephalus dorsalis), Säbeldornschrecke (Tetrix subulata) und Sumpf-Grashüpfer (Chorthippus montanus) lebt. "Da diese Arten in den entwässerten Grünlandflächen der Bastauniederung weitgehend fehlen ist festzustellen, dass die Kleingewässer und Blänken offensichtlich eine wichtige Refugialfunktion für die seltenen, feuchtgebietstypischen Heuschreckenarten haben."[D.Esplör]