Beschreibung der Fauna
Fauna
Bei der Erfassung der Tierarten im Krosewicker Feld standen zunächst vor allem solche Tiergruppen im Vordergrund, die als Zielgruppen und/oder Indikatorgruppen angesehen wurden. Das sind Vögel, Heuschrecken, Libellen und Wasserkäfer, etwas weniger gilt dies hier für Tagfalter, Wasserwanzen, Amphibien und Reptilien. Im Rahmen der Untersuchungen konnten insgesamt 258 Tierarten nachgewiesen werden.
Zweifellos stand bei der Entwicklung des Gebietes die Gruppe der Vögel im Vordergrund der Maßnahmen und der Betrachtung. Speziell für diese (aber nicht nur für diese) wurde ein reiches Angebot an Biotopen wie Feuchtwiesen, Feuchtbrachen, offene Gewässerufer, Feuchtheide und Hecken zur Verfügung gestellt, an denen es in der Agrarlandschaft des westlichen Münsterland stark mangelt. Im Rahmen einer längeren Erfassungsreihe seit 1988 konnten im Gebiet insgesamt 119 Vogelarten beobachtet werden. Darunter waren natürlich auch viele Durchzügler und Einzelbeobachtungen. Doch ist die Zahl der im Gebiet als Brutvögel beobachteten Arten mit 48 immer noch recht hoch. Hiervon brüten etwa 30 Arten regelmäßig im Krosewicker Feld. Bei den Vögeln des Offenlands (Wiesen, Brachen, Säume, Gewässer) waren die Zunahme der Reviere bei Arten wie Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Bläßhuhn (Fulica atra), Teichhuhn (Gallinula chloropus), Schafstelze (Motacilla flava), Löffelente (Anas clypeata), Graureiher (Ardea cinerea), Graugans (Anser anser) und Nilgans (Alopochen aegyptiacus) recht augenfällig. Bei den Vogelarten der Hecken, Säume und Wäldchen war die Zunahme bei Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris), Buntspecht (Dendrocopos major), Grauschnäpper (Muscicapa striata) und Gelbspötter (Hippolais icterina) eindeutig.
Waren in den Jahren 1988 bis 1991 insgesamt nur 18 Brutvogelarten im Gebiet nachweisbar, so erhöhte sich die Zahl in der Zeitreihe 1993 bis 1997 auf 45 Brutvogelarten. Auch wenn die Zahl der Reviere bei einzelnen Arten z.T. von Jahr zu Jahr recht unterschiedlich war, so wird doch deutlich, dass sowohl bei der Zahl der im Gebiet brütenden Arten (Diversität) wie auch bei den beobachteten Individuenzahlen (bzw. Revieren) eine enorme Steigerung nach Umsetzung der Maßnahmen erzielt worden ist. In der Erfassungsreihe von 1988 bis 2003 konnten 25 gefährdete Arten der Roten Liste NRW nachgewiesen werden. Hinzu kommen 11 Arten der Vorwarnliste. Von den unmittelbar vom Aussterben bedrohten Arten (Gefährdungskategorie 1) sind dies die Knäkente (Anas querquedula), die Bekassine (Gallinago gallinago), das Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana) und der Rotschenkel (Tringa totanus). Stark gefährdete Brutvogelarten (Kategorie 2) im Gebiet sind Löffelente (Anas clypeata), Krickente (Anas crecca), Uferschnepfe (Limosa limosa), Großer Brachvogel (Numenius arquatus), Pirol (Oriolus oriolus), Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Wasserralle (Rallus aquaticus) und Schwarzkehlchen (Saxicola torquata).
Eine wichtige terrestrische Indikator-Tiergruppe im Gebiet sind die Heuschrecken, die relativ empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren und aufgrund ihrer Mobilität neue Lebensräume rasch besiedeln. Kommen, wie vergleichende Untersuchungen zeigen, in den verbliebenen Reliktstrukturen (Grünlandflächen, Säume, Hecken etc.) der intensiv genutzten westmünsterländer Agrarlandschaft im Mittel nur 8 Arten vor, so sind es im Krosewicker Feld im Mittel jetzt 15 Arten. Der Erfolg der Extensivierungs-Maßnahmen zeichnet sich also auch bei den Heuschrecken eindeutig ab. Insgesamt wurden 16 Arten nachgewiesen. Besonders deutlich war die Zunahme bei Conocephalus fuscus und der Gemeinen Dornschrecke (Tetrix undulata). Die seltene und stark gefährdete Sumpfschrecke (Stethophygma grossum) konnte nur in einem Jahr nachgewiesen werden, was aber nicht gegen eine dauerhafte Ansiedlung spricht. Eine beständige gefährdete Art im Gebiet ist die Kurzflügelige Beißschrecke (Metrioptera brachyptera). Häufige Arten im Gebiet sind Weißrandiger Grashüpfer (Chorthippus albomarginatus) Nachtigall-Grashüpfer (C. biguttulus), Gemeiner Grashüpfer (C. parallelus), Kurzflügelige Schwertschrecke (Conocephalus dorsalis), Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeselii) und Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima).
Libellen sind eine gute Zeigergruppe für aquatische Lebensräume. Ihre Entwicklung im Gebiet spiegelt den Erfolg der Neuanlage von 14 größeren Weidetümpel in besonderer Weise wieder. Vorher hatten sich im Gebiet nur 2 Gewässer befunden, darunter ein Fischteich. Auch wenn keine exakten Daten für den "Vorher-Zustand" vorliegen, ist davon auszugehen, dass hier nur wenige anspruchslose Arten vorkamen. Insgesamt konnten 24 Libellenarten nachgewiesen werden, davon 22 im Bereich der 14 Untersuchungsgewässer. Die Zahl der Arten pro Gewässer lag zwischen 2 bis 12, meist aber bei 7-8 Arten. Häufige Arten im Bereich dieser Gewässer sind Große Pechlibelle (Ischnura elegans), Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) und Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae). Einige Arten haben sich erst in neuerer Zeit seit etwa 1997 eingestellt. Zu nennen sind Kleines Granatauge (Erythromma viridulum), Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas) und Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta). Aus naturschutzfachlicher Sicht besitzen vor allem die Vorkommen der stark gefährdeten Südlichen Binsenjungfer (Lestes barbarus) und der Glänzenden Binsenjungfer (Lestes dryas) eine hohe Bedeutung. Vier weitere Rote-Liste-Arten (NRW) konnten nachgewiesen werden. Von diesen können die Gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea) (RL: 3) und die Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum) (RL: V) im Gebiet als bodenständig gewertet werden.
Bei den Tagfaltern hat sich die Artenzahl im Gebiet von etwa 16 zu Beginn der 1990er Jahre auf 22 in 2003 erhöht. Häufig anzutreffende Arten sind Brauner Waldvogel (Aphantopus hyperantus), Tagpfauenauge (Inachis io), Großes Ochsenauge (Maniola jurtina), Kleiner Fuchs (Aglais urticae), Kleiner Kohlweißling (Pieris napi), Rapsweißling (Pieris rapae) und Admiral (Vanessa atalanta). Die Goldene Acht (Colias hyale) ist als gefährdete Art hervorzuheben. Sie wurde allerdings nur in einem Jahr beobachtet. Zwei weitere Arten (Kleiner Heufalter - Coenonympha pamphilus und Mauerfuchs - Lasiommata megera) stehen in der Vorwarnliste.
Unter den Käfern ist der seit 1999 in den neu angelegten Kleingewässern wiedergefundene Große Kolbenwasserkäfer (Hydrophilus piceus) herauszustellen. In Nordrhein-Westfalen liegt zwar für Wasserkäfer bisher noch keine Einschätzung der Gefährdungssituation vor, doch wird die Art in der Roten Liste BRD als stark gefährdet eingestuft. Zwei weitere dort als gefährdet gekennzeichnete Arten sind der Gauckler (Cybister lateralimarginalis) und der Gelbrandige Breitflügel-Tauchkäfer (Graphoderus zonatus).