Beschreibung der Fauna
Fauna
Zur Fauna liegen von vier Tiergruppen genaue Ergebnisse vor, die auf langjährigen Beobachtungsreihen beruhen. Das sind die Vögel, die Lurche, die Fische und die Libellen. Insgesamt wurden im Gebiet bislang 231 Tierarten beobachtet.
Die zahlenmäßig größte Tierartengruppe stellen hier die Vögel mit 159 nachgewiesenen Arten, davon 86 Brutvögel und 4 weitere mit Brutverdacht. Die übrigen Arten sind Nahrungsgäste, Durchzügler oder Wintergäste. Durchzügler lassen sich vor allem in den Monaten Januar bis April im Bereich der dann oft überschwemmten Grünlandpartien und der Auengewässer (Altarme, Tümpel) in oftmals größeren Trupps beobachten. Dazu gehören rastende und überwinternde Wasservögel wie Schwäne, Enten, Gänse und Watvögel; aber auch verschiedene Reiherarten, Kranich (Grus grus) und Weißstorch (Ciconia ciconia) sind regelmäßig zu beobachten. Eine große Bedeutung kommt den Brutvögeln zu. 28 Arten stehen in der Roten Liste, eine Reihe weiterer in der Vorwarnliste. Darunter sind auch zwei Arten, die in NRW unmittelbar vom Aussterben bedroht sind: Knäkente (Anas querquedula) und Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana). Drei weitere Entenvögel im Gebiet sind landesweit stark gefährdet: Löffelente (Anas clypeata), Krickente (Anas crecca) und Tafelente (Aythya ferina). Weitere avifaunistische Besonderheiten des Gebietes sind der Große Brachvogel (Numenius arquatus), der Wachtelkönig (Crex crex), die Wasserralle (Rallus aquaticus), die Wachtel (Coturnix coturnix), die Rohrweihe (Circus aeruginosus), der Eisvogel (Alcedo atthis), die Uferschwalbe (Riparia riparia) und der Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis).
Bei den Amphibien liegen Nachweise für 6 Arten vor. Als Besonderheiten sind der in NRW stark gefährdete, im Gebiet häufige Laubfrosch (Hyla arborea) und der gefährdete Kammmolch (Triturus cristatus) hervorzuheben.
Von der Fischen, die in der Lippe sowie in den Kleingewässern und Altarmen leben, konnten mittels Elektrobefischung bisher 33 Arten nachgewiesen werden (die Tiere werden hierbei nur betäubt, identifiziert und gezählt, anschließend wieder freigelassen). Häufigste Arten der Kleingewässer sind Moderlieschen (Leucaspius delineatus) und Zwergstichling (Pungitius pungitius). In größeren Auengewässern leben u.a. Flussbarsch (Perca fluviatilis), Rotauge (Rutilus rutilus) und Hecht (Esox lucius). Je nach Trockenheit (Austrocknen einzelner Kleingewässer) wechseln Zusammensetzung der Fischfauna und Individuenzahlen von Jahr zu Jahr. So war die Anzahl der Fische in den Stilgewässern im Trockenjahr 2003 unterdurchschnittlich gering. In der Lippe kommen zahlreiche Arten vor, darunter seltene wie Nase (Chondrostoma nasus), Steinbeißer (Cobitis taenia) und die landesweit vom Aussterben bedrohte Quappe (Lota lota), deren Larven sich am günstigsten in den im Frühjahr überschwemmten Auenwiesen entwickeln. Letzteres setzt natürlich eine Vernetzung von Fluss und Aue voraus.
Die im Gebiet neu angelegten oder wieder optimierten (z.B. entschlammten) Kleingewässer und Lippe-Altarme haben auch für Libellen eine große Bedeutung. In den Teilgebieten Disselmersch und Hellinghauser Mersch wurden bisher 33 Arten gefunden, darunter 9 Arten der Roten Liste. Hierzu gehören zwei stark gefährdete Arten: die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus) und die Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) - wobei letztere heute alles andere als ihrer lateinischen Namensbedeutung entsprechend "äußerst gemein" ist. Diese Art und die Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus) gelten als Charakterarten der Flüsse. Als bezeichnend für Überschwenmmungsflächen gilt die Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio). Charakteristisch für die Altwasser und Auentümpel sind dagegen die Gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea) sowie zwei im Gebiet recht häufige Arten: Fledermaus-Azurlibelle (Coenagrion pulchellum) und Großes Granatauge (Erythromma najas). Weitere häufige Arten im Gebiet sind noch Gemeine Federlibelle (Platycnemis pennipes), Kleines Granatauge (Erytromma viridulum), Große Pechlibelle (Ischnura elegans), Becher-Azurjungfer (Enallagma cyathigerum) und Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella).