Entwicklung, Zustand und Bedeutung des Gebiets
Nutzung, Pflege, Entwicklung
Das Naturschutzgebiet Perlenbach-Fuhrtsbachtal ist – wie die verschiedenen Bestandeserhebungen gezeigt haben – außerordentlich reich an seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten und daher seit 1976 geschützt. Da aber die Wiesentäler am Perlenbach und Fuhrtsbach das Produkt einer über Jahrhunderte währenden extensiven Grünlandnutzung sind, reichte eine bloße Unterschutzstellung nicht aus. Vielmehr war Eile geboten, den schon seit Jahrzehnten voranschreitenden Bracheprozess in den verbliebenen Grünlandflächen zu beenden. Infolge Verfilzung und Verbuschung drohte die Vielfalt an Arten und Biotoptypen mehr und mehr abzunehmen.
Das Hauptproblem bestand aber darin, dass nach dem 2. Weltkrieg durch Fichtenaufforstungen große Grünlandflächen verloren gegangen waren. Luftbilder von 1937 zeigen nur sehr wenige Fichtenparzellen. Dagegen waren 1986 fast 50% der Flächen im Perlenbachtal Fichtenforste. Es galt, den früheren Zustand – wenn auch unter anderen Rahmenbedingungen – wiederherzustellen.
Aufgrund der schon früher gemachten positiven Erfahrungen mit der Regenierung von Narzissenwiesen im Oleftal durch die Loki-Schmidt-Stiftung und die NRW-Stiftung hat letztere ab 1989 große Flächen durch Erwerb gesichert. Das ehemalige Amt für Agrarordnung in Aachen übernahm die recht komplizierte Aufgabe von Ankauf, Tausch und Gegentausch der zahlreichen, überwiegend im Privatbesitz befindlichen Parzellen. Im gleichen Jahr schon wurde mit den ersten Entfichtungsaktionen begonnen, die über viele Jahre fortgeführt wurden und seit etwa 2010 weitestgehend abgeschlossen sind. Daran beteiligten sich im Rahmen einer grenzüberschreitenden Kooperation der Deutsch-Belgische Naturpark Hohes Venn-Eifel, das damalige Forstamt Monschau, Ortgruppen des Eifelvereins und die Abteilung Geobotanik und Naturschutz der Universität Bonn. Zur Schonung der Flächen wurden die gefällten Stämme mit Seilwinden auf die Wege gezogen und dort weiter verarbeitet. Jüngere Fichten ließen sich per Hand herausziehen. Sie wurden vorzugsweise im Dezember gefällt und dann z.T. als Weihnachtsbäume verkauft.
Die Flächen mit den älteren, dunklen Fichtenforsten, die am Grunde nahezu ohne Krautbewuchs waren, wurden nach ihrer Freistellung überwiegend der natürlichen Entwicklung zu Staudenfluren, Gebüschen und (Laub)Wald überlassen. Zusammen mit bereits bestehenden derartigen Flächen sind ca. 60 % der NSG-Fläche hierfür vorgesehen. Dabei geht es sowohl um die Regenerierung der Auen- und Bruchwälder wie auch um den Erhalt von Sümpfen, Mooren und strukturreichen Sukzessionsflächen für die Tierwelt.
Für die Offenlandbiotope (Wiesen, Magerrasen) sind ca. 40 % der Flächen vorgesehen. Die großflächig erhalten gebliebenen Wiesenbrachen werden seit 1993 im Rahmen des Mittelgebirgsprogramms von Landwirten wieder extensiv genutzt, d.h. nicht gedüngt und regelmäßig nur einmal im Jahr spät gemäht. Dies geschieht in der Regel Mitte Juli bis Anfang August, um allen Wiesenarten, insbesondere den später blühenden, das Ausreifen der Samen zu ermöglichen. Das Mähgut wird jeweils abgeräumt, um eine Nährstoffanreicherung zu vermeiden. Das Mähgut von Frischwiesen findet als Heu Verwendung, das von Nasswiesen wird kompostiert.
Dort wo der Bestandesschluss der Fichten noch nicht erfolgt war und die meisten Wiesenarten – wenn auch oft spärlich – noch vorhanden waren, haben sich nach Beseitigung der Nadelhölzer erstaunlich rasch narzissenreiche Bärwurzwiesen regeneriert. Meist schon im zweiten oder dritten Jahr nach dem Abtrieb der halbdunklen Fichtenbeständen wurden sie wieder zu blütenreichen Wiesen. Vor der ersten Mahd mussten jedoch die Baumstubben abgefräst werden.
Der Bekanntheitsgrad des Gebietes hat seit Beginn der Maßnahmen ständig zugenommen. Daran haben auch die Medien ihren Anteil. Insbesondere der bekannte Fernseh-Journalist Jean Pütz hat als Pate für die Umsetzung der Naturschutzziele nachdrücklich geworben und mit zum Erfolg beigetragen. Inzwischen ist das Gebiet im Rahmen der Narzissenblüte im April alljährlich ein beliebtes Ausflugsziel für Tausende von Naturliebhabern, die sich inzwischen – im Unterschied zu früher – bis auf wenige Ausnahmen an die Regeln des Naturschutzgebietes, insbesondere das Pflückverbot, halten. Z.Z. wird noch an einer verbesserten Infrastruktur (Parkplätze, Wege, Sitzbänke etc.) gearbeitet.
Noch nicht gelöst sind die Probleme beim der Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Flussperlmuschel, da das größte Problem, nämlich die Sedimenteinträge vom Truppenübungsplatz Elsenborn, weiterhin besteht. Die eingeschwemmten feinen Sedimente und Schwebstoffe stören den komplizierten, viele Jahre dauernden Entwicklungsgang der Muscheln an einer empfindlichen Stelle. Denn die Jungmuscheln leben drei bis vier Jahre lang im Kies des Bachgrundes vergraben. Die Verschlammung der Kiesflächen stört deren Entwicklung aber ganz massiv, insbesondere durch den hierdurch verursachten Sauerstoffmangel. Die noch verbliebene kleine Population der Flussperlmuschel am Perlenbach ist inzwischen völlig überaltert und droht nach und nach auszusterben, denn in den letzten 50 Jahren konnten nur noch wenige Jungmuscheln nachwachsen. Eine letzte Hoffnung besteht aber noch: Die verbliebenen Muscheln wurden unlängst in einen nicht mit Sedimenten belasteten Seitenbach des Perlenbachs umgesetzt. Theoretisch könnte sich die Population dort unter den günstigeren Umweltbedingungen wieder erholen.