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MONIKA HERTEL UND DIE FLEUTHKUHLEN

Fachwissen und Beharrlichkeit sind ihr Kapital, die NRW-Stiftung ist ihre Verbündete: Monika Hertel (l.) und ihre Helfer kümmern sich seit 15 Jahren um das Naturschutzgebiet
Fachwissen und Beharrlichkeit sind ihr Kapital, die NRW-Stiftung ist ihre Verbündete: Monika Hertel (l.) und ihre Helfer kümmern sich seit 15 Jahren um das Naturschutzgebiet "Fleuthkuhlen" bei Issum.
Ins Rollen lässt sich ein Stein zwar überall bringen, aber von alleine weiterkullern wird er nur auf einer schiefen Ebene. Dieses physikalische Gesetz kann auch Monika Hertel nicht außer Kraft setzen. Wer wie sie am "platten" Niederrhein zu Hause ist und dort etwas bewegen will, muss dem Stein also hin und wieder einen Schubs geben. Und das machen Monika Hertel und ihr Team vom Naturschutzzentrum Gelderland sehr erfolgreich.

Vor mehr als 20 Jahren kam sie zum Naturschutz. Damals hatte es ihr ein Hangmoor bei ihrem Heimatort Straelen angetan. Dessen Zustand war teilweise eher ein Stein des Anstoßes: Bäume rückten von den Rändern her immer weiter vor und verdrängten die empfindlichen Arten wie Faden-Segge und Gagelstrauch. Monika Hertel suchte Kontakt zu anderen Naturfreunden und fing an, sich für die Erhaltung und Pflege des bedrohten Lebensraumes einzusetzen. Was mancher Zeitgenosse für Sisyphusarbeit hätte halten können, brachte ihr Erfolgserlebnisse. Über die Umweltarbeit wurde sie auch auf die Fleuthkuhlen aufmerksam.

Die Seen und Teiche entlang der Issumer Fleuth sind eine Spätfolge der Torfgewinnung.
Die Seen und Teiche entlang der Issumer Fleuth sind eine Spätfolge der Torfgewinnung.
Damals begann die NRW-Stiftung, in dem Naturschutzgebiet entlang der Issumer Fleuth, einem Nebenfluss der Niers, Flächen zu erwerben. Das insgesamt 600 Hektar große Naturschutzgebiet Fleuthkuhlen besteht aus etwa 50 aneinander gereihten "Kuhlen", Teiche, die Bauern im 18. und 19. Jahrhundert beim Torfstechen hinterlassen hatten.

Neben offenen, von Röhricht gesäumten Gewässern liegen manche der alten Kuhlen inzwischen unter einem Mantel dichter Weidengebüsche verborgen. "Tierisch gut drauf" sind hier noch Spitzenflecklibelle, Schlammpeitzger, Moorfrosch und Wasserralle, während sich unter den Top Ten der Blütenpflanzen Stars wie Sumpfcalla, Zungen-Hahnenfuß und Binsen-Schneide finden.

Die Fleuthkuhlen sind ein unersetzlicher Lebensraum für seltene Sumpfpflanzen und -tiere.
Die Fleuthkuhlen sind ein unersetzlicher Lebensraum für seltene Sumpfpflanzen und -tiere.
Bis heute hat die NRW-Stiftung rund 150 Hektar der Sumpflandschaft gekauft, um die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen zu verbessern. Vor Ort wird diese Arbeit vom Naturschutzzentrum Gelderland geleistet, einer Einrichtung des NABU-Kreisverbands Kleve. Feuchte Wiesen und Weiden werden düngerfrei bewirtschaftet. So lassen sich die empfindlichen Gewässer gegen schädliche Einflüsse aus der Umgebung abschirmen. Nichtheimische oder zu stark schattende Gehölze werden entfernt, um an den Ufern Gagelstrauch und Schneide zu erhalten.

Da bei der Pflege und Entwicklung des Schutzgebiets Fachwissen und persönlicher Einsatz gefragt waren, nahm Biologielehrerin Hertel die Hebel in die Hand. Ihre ökologischen Kenntnisse und ihr großes Engagement trugen ihr inzwischen den Vorsitz in der Kreisgruppe des NABU ein - ein Amt, in dem sie eher dicke Steine aus dem Weg räumt, statt eine ruhige Kugel zu schieben. Hertel, die vormittags in einer Gesamtschule in Dinslaken unterrichtet, steckt seit 15 Jahren einen Großteil ihrer Freizeit in die Naturschutzarbeit. Unterstützt von einer hauptamtlichen Mitarbeiterin des Naturschutzzentrums Gelderland kümmert sie sich um die Verträge mit Landwirten, nimmt Behördentermine wahr und leistet Redaktionsarbeit. Sie selbst empfindet das nicht als Opfer, sondern als Investition für eine intakte Umwelt. Dass der Stein rollt, dafür sorgen zusammen mit ihr noch ein Dutzend weiterer Ehrenamtler. Deshalb legt Monika Hertel auch Wert darauf, dass nicht sie, sondern ihr Team vom Naturschutzzentrum Gelderland den "WegWeiser"-Preis 2005 bekommen hat.


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