WEGWEISER-PREIS

DR. FRANZ-JOSEF BOHLE UND DAS KLOSTER BREDELAR

Dr. Franz-Josef Bohle, Vorsitzender des Bredelarer Fördervereins, gehört zu den
Dr. Franz-Josef Bohle, Vorsitzender des Bredelarer Fördervereins, gehört zu den "WegWeisern" in Sachen Kulturpflege. Unterstützt von der NRW-Stiftung konnte der Verein das Kloster Bredelar vor dem Verfall bewahren.
Wenn es um die Industrialisierung geht, gehören Klöster sicher nicht zu den ersten Dingen, die einem einfallen. Doch die Wege der Geschichte sind oft Umwege. Das ehemalige Zisterzienserkloster Bredelar bei Marsberg zum Beispiel hat eine über 600-jährige monastische Vergangenheit. Die endete im 19. Jahrhundert, und die Industrie hielt Einzug. Bredelar ist dadurch eines der eindrucksvollsten Beispiele für die Folgen der sogenannten Säkularisation, der Auflösung geistlicher Territorien und geistlicher Besitztümer in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

In der Zisterzienserzeit war von 1238 bis 1241 in dem Kloster die kostbare "Bredelarer Bibel" entstanden. 1804 gingen die Mönche fort, und das Kloster fiel an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt - die Bredelarer Bibel liegt heute in der Darmstädter Universitäts- und Landesbibliothek. Die Klostergebäude wurden zunächst landwirtschaftlich genutzt, 1826 aber richtete man in ihnen eine Eisenhütte ein. Das war der Beginn der etwa 100 Jahre währenden "eisernen" Geschichte von Kloster Bredelar. 1877 wurde der Betrieb an die Dortmunder Union AG verkauft, die eine Eisengießerei daraus machte. Diese spezialisierte sich unter späteren Besitzern auf die Fertigung hochwertiger Gusseisenwaren. 1931 endete die Produktion schließlich, doch die Erinnerung daran erlosch nicht.

1170 wurde das Kloster gegründet. Zunächst lebten hier Prämonstratenserinnen, seit 1196 Zisterziensermönche.
1170 wurde das Kloster gegründet. Zunächst lebten hier Prämonstratenserinnen, seit 1196 Zisterziensermönche.
Dass das ehemalige Zisterzienserkloster Bredelar bei Marsberg liegt, rief vielleicht einst den Kriegsgott Mars auf den Plan: Am 8. August 1761 kam es während des Siebenjährigen Krieges in der Nähe von Bredelar zu einem Gefecht zwischen feindlichen Truppen, das auch zu Schäden am Kloster selbst führte. Im 18. Jahrhundert nannte man solche kleineren Kampfhandlungen "Affairen", und so ist das Ereignis als "Affaire bei Bredelar" in die Geschichte eingegangen. Ganz unmilitärisch verläuft hingegen der Feldzug, den Dr. Franz-Josef Bohle und seine Mitstreiter vom "Förderverein Kloster Bredelar" für das denkmalgeschützte Gebäudeensemble unternehmen. Restaurierung und neue Nutzungen sollen dem Kloster seine Zukunft sichern. Der Verein entfaltete eine Vielfalt von Aktivitäten. So erinnert seit 2004 zum Beispiel eine Schau- und Lehrgießerei an die Zeit des Eisens in Bredelar: an die industrielle Nutzung im 19. und 20. Jahrhundert.

Alte Klosteranlage mit Zukunft - die ehrwürdigen Hallen des Klosters Bredelar werden mittlerweile auch für Veranstaltungen genutzt.
Alte Klosteranlage mit Zukunft - die ehrwürdigen Hallen des Klosters Bredelar werden mittlerweile auch für Veranstaltungen genutzt.
Dass das Kloster vor dem Verfall bewahrt und neuen Nutzungen zugeführt werden konnte, ist in erster Linie ein Verdienst des Bredelarer Fördervereins und seines Vorsitzenden Dr. Franz-Josef Bohle. Das Kloster befindet sich heute weitgehend im Besitz des Vereins, der die denkmalgeschützten Gebäude - unterstützt von der NRW-Stiftung - in Teilen restauriert und mit Veranstaltungen und Veröffentlichungen sowohl für die historische Erinnerung als auch für lebendige Aktivitäten sorgt. Der außerordentliche Einsatz, der damit verbunden ist, wurde zum Tag des Ehrenamtes im Herbst 2004 durch die Verleihung eines "WegWeisers" an Franz-Josef Bohle gewürdigt. Eingedenk der Bredelarer Geschichte wäre dabei vielleicht eine gusseiserne Figur besonders stilecht gewesen - wie alle "WegWeiser" war aber auch dieser aus Bronze.


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