WEGWEISER-PREIS

LUISE UND REINHARD ADAMS UND DIE BESTECKFABRIK HESSE

Die ehemalige Besteckfabrik Hesse ist heute dank der Initiative von Luise und Reinhard Adams ein reizvolles Museum.
Die ehemalige Besteckfabrik Hesse ist heute dank der Initiative von Luise und Reinhard Adams ein reizvolles Museum.
Woran erkennt man eigentlich, dass man auf dem richtigen Weg ist? Nun, man kann beispielsweise das "Besteck nehmen" - auf hoher See zumindest, denn in der Nautik bezeichnet das "Besteck" den Ort eines Schiffes nach geografischer Länge und Breite. Landratten müssen sich freilich anders behelfen. Was sie trösten mag: Auch mit ganz normalem Essbesteck kann man durchaus wegweisend sein. Wer das bezweifelt, sollte dem sauerländischen Örtchen Fleckenberg einen Besuch abstatten. Dort sieht man nicht nur, wie aus einem Stück Blech ein Kaffeelöffel wird - man lernt auch eine weitere Initiative kennen, die vom Förderverein NRW-Stiftung mit dem "WegWeiser" ausgezeichnet wurde.

Das Zentrum der deutschen Klingen- und Messerindustrie liegt zwar bekanntlich in Solingen, das zum rheinischen Regierungsbezirk Düsseldorf gehört. Auch in Westfalen hat sich eine bekannte Besteckfabrik erhalten - die kleine Firma Hesse in Fleckenberg bei Schmallenberg. Gut 45 Jahre Geschichte "mit Messer und Gabel" lagen hinter ihr, als sie im Jahr 1982 die Produktion endgültig einstellte. Bereits seit 1972 waren die Maschinen nicht mehr regelmäßig gelaufen, sondern vom Firmeninhaber Carl Hesse nur noch sporadisch zur Abwicklung von Einzelaufträgen in Gang gesetzt worden. Die Konkurrenten, insbesondere aus Japan, hatten sich als übermächtig erwiesen.

250 Jahre lang nutzten Betriebe in Fleckenberg die Wasserkraft der Lenne.
250 Jahre lang nutzten Betriebe in Fleckenberg die Wasserkraft der Lenne.
Die Fabrik blieb betriebsfähig, da aber die Produktion stilllag, dämmerte sie ungenutzt vor sich hin. Einem Fleckenberger Ehepaar ließ genau diese Ruhe keine Ruhe. Zusammen mit Gleichgesinnten vom Fleckenberger Heimatverein machten sich Luise und Reinhard Adams daran, der Anlage neues Leben einzuhauchen. Besucher sollten die Gelegenheit erhalten, einen Blick hinter die Kulissen der Besteckfabrikation zu werfen.

Dank eines unermüdlichen Einsatzes gelang es, das denkmalgeschützte Fabrikgebäude in den Jahren 1997 bis 2000 mit finanzieller Unterstützung der NRW-Stiftung zu sanieren und zu einem Technischen Museum zu machen. Zahlreiche Besucher haben hier inzwischen erlebt, wie jene Gebrauchsgegenstände entstehen, die wir alltäglich eher gedankenlos in die Hand nehmen, und welche Rolle dabei Geräte wie "Pendelwalze" oder "Friktionsspindelpresse" spielen. Im obersten Geschoss des Gebäudes wurde darüber hinaus ein Kulturraum eingerichtet, der den Fleckenbergern für Veranstaltungen zur Verfügung steht.

Im sauerländischen Schmallenberg-Fleckenberg lief die Besteckproduktion bis 1982.
Im sauerländischen Schmallenberg-Fleckenberg lief die Besteckproduktion bis 1982.
Die Besteckfabrik liegt an der Lenne und nutzte deren Wasserkraft. Im Museum gibt es auch heute noch eine Turbine, die daraus elektrischen Strom erzeugt. An ihr Schwungrad können aber auch die Transmissionsriemen angekoppelt werden, mit denen die Pressen, Stanzen und Walzen der Fabrik buchstäblich "in Schwung" gebracht werden. Doch das ist nur ein technisches Detail. Seinen wirklichen Schwung verdankt das industriegeschichtliche Juwel an der Lenne vor allem dem Ehepaar Adams, ohne das es vermutlich in Vergessenheit geraten wäre. Die wegweisende Initiative wurde daher im Jahr 2004 mit einem "WegWeiser" gewürdigt.


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